Baden

Nun will ein Verein die Region aus der Fusions-Krise führen

Blick über Baden und Umgebung: Der neue Verein «Traktandum 1» will das Gebiet zu einer Regionalstadt vereinen. (Archiv)

Blick über Baden und Umgebung: Der neue Verein «Traktandum 1» will das Gebiet zu einer Regionalstadt vereinen. (Archiv)

Die Gruppe «Traktandum 1» will erreichen, was Behörden nicht schaffen: Dank eines Vereins soll das Thema Fusion und Regionalstadt in der Region Baden wieder Auftrieb erhalten.

Für die Befürworter einer Regionalstadt war es eine Hiobsbotschaft, die der Ennetbadener Gemeinderat vorgestern Donnerstag verkündete: Er plant, die Fusionsgespräche mit Baden abzubrechen und die Pläne für einen Zusammenschluss auf Eis zu legen. Wird eine Regionalstadt Baden damit frühzeitig verhindert, gar im Keim erstickt?

Nicht unbedingt. Denn während auf Exekutiv-Ebene ergebnislos Gespräche und Klausurtagungen stattfanden, hat sich im Hintergrund der behördenunabhängige Verein «Traktandum 1» gebildet, der erreichen will, was die Regierungen derzeit nicht zustande bringen: «Unser Ziel ist eine geeinte, starke Region. Längerfristiges Ziel ist die Bildung einer Regionalstadt über Gemeindezusammenschlüsse», heisst es in den Statuten.

Vor wenigen Tagen ist die Website «traktandum1.ch» aufgeschaltet worden. Die Grundidee des Vereins, der nun nach Mitgliedern sucht: Die Zusammenschlüsse sollen «Bottom-Up» statt «Top-Down» vorangetrieben werden. Oder anders formuliert: Statt dass die Diskussion wie bisher mehrheitlich auf Behördenebene stattfindet, soll die Bevölkerung die Zügel in die Hand nehmen. «Es braucht eine Bewegung, die von unten kommt und breit abgestützt ist», erklärt Erich Obrist, einer der Initianten.

Er politisiert zwar im Badener Einwohnerrat für die SP, doch das sei in diesem Zusammenhang nicht wichtig, wirft er sofort ein. Denn die Gruppe habe sich gemeinde- und parteiübergreifend gebildet, und vor allem gehörten ihr auch viele Nicht-Politiker an. Die Mitglieder des Vorstands stammen aus Baden, Wettingen, Neuenhof oder Freienwil.

Das Motto der Gruppe lautet «grenzenlos regional». Zahlreiche Beispiele von Grossprojekten würden zeigen, dass die ganze Region Mitsprache fordert, aber nur jeweils eine Gemeinde darüber bestimmen kann, heisst es auf der Website. Die grossen Herausforderungen der Zukunft seien Mobilität, Wohnen und Umwelt. «Diese waren schon immer grenzüberschreitend.

Die regionalen Planungsgruppen agieren wie die alte Tagsatzung ohne Kompetenzen, langsam und mit einer Vielzahl von verwässernden Kompromissen. Gute Ideen scheitern oft am Widerstand Einzelner.» In einer zusammengefassten Gemeinde können übergeordnete Fragen an einer zentralen Stelle geplant und koordiniert werden. Alle Betroffenen können zu allen Fragen Stellung nehmen und darüber abstimmen, heisst es auf der neuen Website.

Neue Hoffnung in Neuenhof

«Ich bin überzeugt, dass es der richtige Weg ist, Zusammenschlüsse auf der Bevölkerungsebene voranzutreiben», sagt Susanne Voser, Gemeindeammann von Neuenhof. Diese Gemeinde ist unmittelbar betroffen vom Fusionsstopp zwischen Ennetbaden und Baden, gab es doch Pläne, auf 2018 hin alle drei Ortschaften zu vereinen.

Voser: «Ich hätte für die Region gehofft, dass der Fusionszug ins Rollen kommt. Unsere Gemeinde hat immer klar ein Interesse für Zusammenschlüsse signalisiert.» Doch leider bringe die politische Situation in Baden sowie in der Umgebung nun diesen Zug ins Stocken. «Die Bevölkerung ist in dieser Frage weiter, wie das Projekt «Traktandum 1» zeigt. Für die Menschen in der Region haben Gemeindegrenzen weniger Bedeutung als für die Politiker», sagt Susanne Voser.

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