Tagesfamilien
Nur der Vater fehlt beim Znüni

In den letzten Jahren hat die Zahl fremd betreuter Kinder zugenommen. In Wettingen bieten heute 25 Familien 62 Plätze an.

Martin Rupf
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Tageskinder bei Monika Sahli (l.) und Trudi Graber

Tageskinder bei Monika Sahli (l.) und Trudi Graber

Tagesfamilien sind äusserst gefragt. Laut Rosmarie Kneubühler, Geschäftsführerin des Vereins Tagesfamilien Baden, sind in Wettingen allein in den letzten 6 Jahren 11 neue Tagesfamilien entstanden. Heute bieten in Wettingen 25 Familien 62 Plätze an. Auch die Anzahl der Betreuungsstunden in Tagesfamilien bestätigt diesen Trend. Waren es 2005 noch 6290 Stunden, beträgt die Zahl dieses Jahr bereits 20760 Stunden.

Eine untypische Tagesfamilie

Seit knapp einem Jahr führt Monika Sahli zusammen mit Trudi Graber eine Tagesfamilie. Es ist keine klassische Tagesfamilie, bei der eine Tagesmutter neben ihren eigenen Kindern noch fremde Kinder bei sich aufnimmt. Sahli hat eine Wohnung an der Neufeldstrasse gemietet, wo sie zusammen mit ihrer Kollegin maximal zehn Kinder betreut. Ihre Tagesfamilie sei aber nicht mit einer Kinderkrippe zu verwechseln. «Der Rahmen ist viel familiärer; die Kinder haben immer die gleiche Bezugsperson», sagt Sahli. Dadurch entstehe zwischen den Kindern – diese sind 5 Monate bis sechs Jahre alt – und der Tagesmutter eine engere Beziehung.

Nur alle 2 Wochen ein neues Kind

Feste Strukturen seien für die Kinder enorm wichtig, ist Sahli überzeugt. «Deshalb achten wir darauf, nur alle zwei Wochen ein neues Kind aufzunehmen, damit das Gruppengefüge nicht zu sehr durcheinander gerät», sagt Sahli.

Ebenso wichtig sei auch eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern. «Wir schreiben den Eltern natürlich nicht vor, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben», sagt Sahli. «Wenn ein Kind aber etwas tut, was es nicht sollte, und dabei sagt, ‹zu Hause darf ich das›, dann sagen wir, ‹hier darfst du das aber nicht›.» Nur eines können die Kinder bei Sahli nicht – übernachten. «Nach jeweils 111⁄2 Stunden Arbeit brauche ich dringend Schlaf», sagt Monika Sahli.

Keine gesetzlichen Auflagen

Prinzipiell kann jeder eine Tagesfamilie führen, denn gesetzliche Auflagen gibt es keine. «Wir orientieren uns jedoch an die Richtlinien von Pro Juventute», sagt Rosmarie Kneubühler. Will heissen: Eine Tagesmutter darf nicht mehr als 7 Kinder – eigene mitkalkuliert – betreuen.

Alle Tagesfamilien werden durch den Verein besucht und geprüft. Zudem besteht eine Meldepflicht bei der Wohngemeinde der Tagesfamilie. Ein 18-stündiger Grundkurs ist für alle Anbieter obligatorisch. «Und natürlich achten wir darauf, dass die Tagesmütter – es gibt auch Teilzeit-Tagesväter – mit den Kindern kommunizieren können», sagt Rosmarie Kneubühler.

www.tagesfamilienbaden.ch