Region Baden
Nur die Hälfte der Mitarbeitenden der Verwaltung zu Hause – trotz Homeofficepflicht

Wie grosse Gemeindeverwaltungen in der Region Baden mit der Vorgabe des Bundesrates umgehen. Einige Gemeinderäte treffen sich nach wie vor.

Pirmin Kramer
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Das Wettinger Rathaus: Nicht alle Tätigkeiten der Verwaltung liessen sich auf elektronischem Weg bearbeiten, heisst es auf Anfrage.

Das Wettinger Rathaus: Nicht alle Tätigkeiten der Verwaltung liessen sich auf elektronischem Weg bearbeiten, heisst es auf Anfrage.

Alex Spichale (8. März 2017

Seit Montag gilt schweizweit eine Homeofficepflicht. Der Bundesrat weist die Arbeitgeber an, Heimarbeit anzuordnen, falls dies aufgrund der Art der Aktivität möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar ist. Wie setzen die Verwaltungen von grossen Gemeinden in der Region Baden diese Pflicht um? Wie viele der Angestellten arbeiten tatsächlich von zu Hause aus?

In Wettingen wurde zwar im Intranet ein Dokument zur Verwaltungsorganisation ab 18. Januar aufgeschaltet; doch nicht alle Angestellten erhielten konkrete Vorgaben, wie die AZ weiss. Auf Anfrage sagt Gemeindeschreiber Urs Blickenstorfer: «Rund die Hälfte der Belegschaft ist im Homeoffice. Nicht alle Tätigkeiten lassen sich nur auf dem elektronischen Weg bearbeiten.» Gewisse Akten stünden nur in Papierform zur Verfügung und erforderten damit einen Zugriff vor Ort. Auch könnten gewisse Beratungen nicht nur am Telefon oder per E-Mail erfolgen, etwa Klientengespräche in den Sozialen Diensten oder auf dem Zivilstandsamt, sagt Blickenstorfer.

«Gemeinde Neuenhof will als gutes Beispiel vorangehen»

Es gelte die gemeinderätliche Vorgabe, dass alle Mitarbeitenden, deren Funktion dies zulasse, im Homeoffice arbeiten sollen. Ausgenommen seien jene Mitarbeitenden, welche im Rahmen ihrer Funktion eine Dienstleistung erbringen, die persönlich und vor Ort erbracht werden muss oder die im Homeoffice gar nicht geleistet werden kann. Der Gemeinderat halte die Sitzungen per Videokonferenz ab.

In Neuenhof arbeitet «mehr als die Hälfte» der rund 40 Mitarbeitenden der Verwaltung, die normalweise im Gemeindehaus tätig ist, im Homeoffice. Dies wird als Erfolg gewertet: «Die Gemeinde Neuenhof will sehr wohl als gutes Beispiel vorangehen und will in der Umsetzung der Homeofficepflicht eine Vorbildfunktion einnehmen.» Die Geschäftsleitung habe überall Homeoffice angeordnet, wo dies betrieblich möglich sei. Der Gemeinderat entscheidet an der nächsten Gemeinderatssitzung über eine künftige virtuelle Sitzungsdurchführung.

Stadtratssitzung könne online oder vor Ort erfolgen

Auch in Obersiggenthal arbeitet nach wie vor rund die Hälfte der Verwaltungsangestellten vor Ort. Seit Montag sei der Schalter für den Publikumsverkehr geschlossen, persönliche Termine könnten nur nach Vorabsprache erfolgen. «Leider heisst das für uns nicht, dass alle Mitarbeitende im Homeoffice arbeiten können.» Es müssten weiterhin Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner «für die Telefonkontakte sowie die vereinbarten Termine vor Ort sein», heisst es auf Anfrage. An der gestrigen Gemeinderatssitzung traf sich der Gemeinderat noch persönlich, allerdings in einem grösseren Saal als im normalen Sitzungszimmer.

Die Stadt Baden teilt auf Anfrage mit: «Homeoffice ist bereits seit letztem Frühjahr mit hoher Priorität umgesetzt worden. Die Abteilungen sind angewiesen worden, Homeoffice wo immer möglich anzuordnen.» Ausser bei Mitarbeitenden des Werkhofs, des Forstes, der Sozialdienste oder auch der Polizei, «die teilweise davon ausgenommen sind». Die Stadtratssitzung könne sowohl online als auch vor Ort erfolgen. Welche Variante sie wählen, stehe den Stadträten frei.