Wettingen

Nur noch der Gipsstaub am Boden fehlt im Museum

Skulptur im Museum Eduard Spörri.

Skulptur im Museum Eduard Spörri.

Das Museum Eduard Spörri präsentiert mit der Ausstellung «Neuer Blick auf die Sammlung» zahlreiche, noch nie in der Öffentlichkeit gezeigte Werke der bedeutendsten Wettinger Bildhauer-Familie.

Während der obere Stock die einstige Atelieratmosphäre stimmig wiedergibt, wirkt die untere Etage wie eine Lounge und lädt zum Verweilen ein.

Gastkuratoren und -künstler

Um Sammlungen und Atmosphäre des 2008 eröffneten Museums zu verlebendigen, lädt Kurator Rudolf Velhagen regelmässig Gastkünstler ein, welche neue Akzente in der bestehenden Spörri-Sammlung setzen. Zudem sollen zukünftig auch Gastkuratoren die Ausstellung aus ihrer Sichtweise neu präsentieren.

Erster Gastkurator ist Hubert Spörri, ein Grosscousin von Eduard Spörri und ebenfalls Bildhauer. Er hat mit sensiblem Gespür die Exponate derart platziert, dass raffinierte Blickachsen von den Figuren zum Betrachter und geheimnisvolle Schattenwürfe an den Wänden entstehen. Die Stimmung, die sich dadurch in den Räumen ausbreitet, ist magisch.

Im oberen Stockwerk kann man sich Eduard Spörri (1901-1995) vorstellen, wie er im Atelier werkelt; ein stabiler, massiver Holztisch und verschiedene Bildhauer-Werkzeuge verströmen Arbeitsatmosphäre. Neben zahlreichen Figuren, Akten und Bewegungsstudien in Ton, Gips und Bronze, geben erstmals historische Fotos Einblick in den Privatalltag und über 150 Jahre Bildhauertradition in der Familie Spörri. Exponate von Vater Eduard Heinrich Spörri Schibli (1879 bis 1953) und Grossvater Eduard Spörri-Bachofner (1841 bis 1929) zeugen von einem reichen künstlerischen Erbe über Generationen.

Legendärer «Marmorfels» lebt auf

Bilder der Spörris bei der Traubenlese oder im geselligen Kreis seiner Jagdkollegen lassen vermuten, dass – vor allem die männlichen Mitglieder der Familie – der Geselligkeit keineswegs abgeneigt waren. Als «Museums-Trophäe» an der Wand sehen wir einen riesigen ausgestopften Wildschweinkopf; früher schmückte er das vis-à-vis gelegene Restaurant «Marmorfels», wo die Spörris mit anderen Künstler-Kollegen regelmässig einkehrten.

Längst hat das Lokal einem Wohnhaus Platz gemacht. Doch auf dem schönen Platz vor dem Museum möchte Rudolf Velhagen das «Marmorfels»-Ambiente zumindest teilweise wieder aufleben lassen. Vor allem an wärmeren Tagen werden Gartenstühle draussen stehen und das Publikum kann bei Kaffee oder einem Glas Wein verweilen. «Wir wollen keine angestaubte museale Atmosphäre, sondern einen lebendigen Ort schaffen, an dem ein reger Austausch stattfindet», meint Velhagen dazu.

Perfekt bis in die Fingerspitzen

Der untere Stock wurde deshalb ebenfalls neu gestaltet. Mittelpunkt ist ein Barockschrank, der einst Herzstück im Atelier von Spörri junior war. Er ist reich bestückt mit Bozzetti, kleinen Figuren aus Ton, an denen im Vorfeld eines Auftrages Haltungs- und Bewegungsstudien gemacht wurden. Bis ins kleinste Detail zeigt sich, mit welcher Handfertigkeit und Perfektion Eduard Spörri zugange war. Das brachte ihm internationale Beachtung. Er stellte an der Biennale 1936 in Venedig aus. Sakrale Kunstwerke nehmen das Auge gefangen wie der Entwurf für ein Kirchenportal und einen Altar. In der Mitte des Raumes kann man es sich gemütlich machen, die Themeninseln in Ruhe betrachten und für einige Momente den Alltag völlig hinter sich lassen.

Infos auf www.eduardspoerri.ch.

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