Wettingen
Nur noch zweitgrösste Gemeinde: «Ich breche nicht in Tränen aus»

Aarau löst Wettingen als bevölkerungsreichste Gemeinde im Kanton Aargau ab. Ammann Markus Dieth nimmt es sportlich. Wettingen sei nicht weniger ambitioniert als Aarau. Aber die Qualität des Wohnens sei wichtiger als die Einwohnerzahl.

Sabina Galbiati
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Dieth und Wettingen nur noch zweitgrösste Gemeinde im Aargau

Dieth und Wettingen nur noch zweitgrösste Gemeinde im Aargau

ZVG
Bevölkerungsentwicklung der grösste Orte im Aargau.

Bevölkerungsentwicklung der grösste Orte im Aargau.

NCH

Herr Dieth, bei der Einwohnerzahl hat Aarau Wettingen vom ersten Platz verdrängt – nach rund 60 Jahren. Kratzt das an ihrem Stolz als Gemeindeammann?

Markus Dieth: Nein, ich bin stolz Wettinger Gemeindeammann zu sein. Die Einwohnerzahl allein ist nicht entscheidend. Also ich breche deswegen sicher nicht in Tränen aus (lacht).

Bei den Neuzuzügern konnte man Wettingen bisher immer als grösste Gemeinde des Kantons vorstellen. Die Leute staunten jeweils nicht schlecht. Haben sie sich schon einen neuen Satz überlegt?

Dazu muss ich zuerst sagen, dass ich noch nie jemanden gehört habe, der gesagt hat, er ziehe hierher, weil wir die grösste Gemeinde sind. Aber ja, wir können ab jetzt sagen: Wir sind das grösste Dorf im Kanton. Zudem bleiben wir die grösste Gemeinde ohne Fusion.

Sie spielen auf Aaraus Fusion mit Rohr Anfang 2010 an. Wie steht es um mögliche Fusionspläne in Wettingen?

Wir haben das Thema Fusion dieses Jahr im Gemeinderat diskutiert und sind erneut zum Schluss gekommen, dass eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden sinnvoller ist und wir diese noch intensivieren wollen.

Noch mehr Zusammenarbeit? Dann könnte man genau so gut fusionieren?

Sicher, wenn zwei Gemeinden letztlich alles zusammen machen, dann kann eine Fusion sinnvoll sein, aber nur fusionieren, damit man fusioniert hat, bringt den Bürgern nichts. Wir sind aber grundsätzlich offen, das Thema Zusammenarbeit wie auch Fusion zu prüfen.

Vergleicht man die Bevölkerungszahlen der letzten zwei Jahre, so zeigt sich: Wettingen ist gerade mal um 97 Personen gewachsen, Aarau um rund 270 Personen. Ist Wettingen weniger ambitioniert als Aarau?

Nein gar nicht. Die Qualität des Wohnens ist uns wichtiger als die Einwohnerzahl. Freiräume im Dorf sollen erhalten bleiben, auch wenn wir nach innen verdichten müssen. Wir fällen keinen Baum nur für drei neue Einwohner.

Mit Bäumen allein lässt sich aber auch nicht punkten. Was hat Wettingen potenziellen Zuzügern sonst noch zu bieten?

Eine Umfrage des Statistikamtes des Kanton Zürich hat ergeben, dass Wettingen bei Neuzuzügern aus dem Raum Zürich gegenüber vergleichbaren Gemeinden am beliebtesten ist. Die Befragten nannten die gute Erreichbarkeit, das Dienstleistungs- und Einkaufsangebot, die Nähe zur Natur und natürlich den vergleichsweise tiefen Steuerfuss als Gründe. Wir haben also einiges zu bieten, das auch über die Kantonsgrenze hinaus wahrgenommen wird.

Seit 1973 wurde auf Gemeindeboden kein Wohnraum mehr eingezont. Der Kanton prognostiziert aber ein Wachstum von zusätzlich 7000 Einwohnern bis 2040. Wo sollen diese Menschen alle hin?

Mit dieser Prognose setzten wir uns aktiv auseinander. Klar ist: Alleine mit verdichtetem Bauen sind diese Zahlen nicht zu bewältigen. Der Kanton sieht vor, in Wettingen Ost, also im Gebiet Tägerhard, Land als mögliches Siedlungsgebiet im neuen Richtplan auszuscheiden. Dort ist auch bereits eine S-Bahn-Station vorgesehen. Ob dieses Land dann je eingezont wird, ist eine andere Frage, die die Gemeindebevölkerung dannzumal zu entscheiden hätte.

Wie realistisch schätzen Sie die Prognose des Kantons ein?

Wettingen lag in der Vergangenheit jeweils sogar leicht über den Prognosen des Kantons. Ich denke, wir haben uns mit dieser Prognose auseinanderzusetzen.