Consuelo Senn ist ein typischer und atypischer Sportler zugleich. Typisch deshalb, weil er sich gerne mit anderen Athleten misst und denn auch mit grossem Stolz berichtet, dass er am 26. Marathon des Sables unter 900 Läufern den 97. Rang belegt hat. Atypisch darum, weil er am Rennen durch die marokkanische Wüste ohne Uhr unterwegs war und sogar immer wieder kurze Stopps einlegte, um Fotos zu schiessen. «Insgesamt habe ich rund 600 Bilder der atemberaubenden Landschaft gemacht», sagt Senn.

Allein schon diese Tatsache zeigt: Senn konnte das Rennen über 6 Etappen und 250 Kilometer in vollen Zügen geniessen. Genau das, was er sich vor der Abreise nach Marokko auch vorgenommen hatte.

Zum ersten Mal dabei

Zum ersten Mal hat Senn am Marathon des Sables teilgenommen. Als Neuling wusste er nicht genau, was ihn in der Wüste erwarten würde. Daran änderten auch seine Trainings und seine seriöse Vorbereitung nichts. Rückblickend kann Senn erleichtert feststellen: «Es ist alles aufgegangen.»

Bis auf ein Zelt über dem Kopf und die tägliche Ration Wasser musste Senn seine ganze Ausrüstung und Verpflegung selber organisieren. Morgens und abends gab es Astronauten-Food, den Tag durch ernährte sich Senn von Power-Riegeln und Nüssen. «Ich hätte eine grössere Auswahl an Riegeln mitnehmen sollen; schon am dritten Tag waren sie mit verleidet.» Und so sei es übrigens auch anderen ergangen. «Es setzte ein regelrechter Tauschhandel unter den Teilnehmern ein, die ihrer Riegel überdrüssig geworden waren.» Noch etwas würde Senn beim nächsten Mal ändern. «Salzige Erdnüsse haben mir gefehlt, um den Geschmack der süssen Powerriegel zu neutralisieren.»

Die eine oder andere Blase

Von gesundheitlichen Beeinträchtigungen blieb Senn indes verschont. «Natürlich gab es die eine oder andere kleine Blase.» Auch der Rücken habe wegen des 10 Kilogramm schweren Rucksacks etwas einstecken müssen. Doch verglichen mit anderen Läufern, bei denen sich die ganze Fusssohlen-Haut gelöst habe, seien das Peanuts gewesen.

Überhaupt hat Senn allergrössten Respekt für jene Läufer, die das Rennen nicht so unbeschwert wie er beenden konnten. Ein Beispiel: Für die Königsetappe über 84 Kilometer benötigte Senn knapp 12 Stunden. Nachdem Senn bereits eine Nacht schlafen konnte, erreichten nach 30 Stunden die letzten Teilnehmer das Ziel dieser Etappe. «Das sind für mich die wahren Könige», sagt Senn. «Während ich mich bereits erholen und meine Füsse pflegen konnte, waren diese Läufer oft noch stundenlang unterwegs.»

Oft ganz alleine unterwegs

Gerade weil er zu den schnelleren Läufern gehört habe, sei es oft vorgekommen, dass er ganz alleine unterwegs gewesen sei. «Ich habe extra aufs Musikhören verzichtet, um die Stille und Weite der Wüste auf mich wirken zu lassen.» Immer wieder unterbrach er dabei seinen Lauf, um Fotos für sein Erinnerungsalbum zu schiessen.

34 Stundenbenötige Senn für die 250 Kilometer. Seit Montag ist er wieder in der Schweiz; Nachwehen des Rennens verspürt er keine. Ob er nochmals am Marathon des Sables teilnehmen werde, kann Senn noch nicht beantworten. «Das war ein grosses Abenteuer. Gut möglich, dass ich mir schon bald wieder ein neues Ziel setze.»