Baden
Oase: Der Stadtrat will weiterhin Autos auf der Hochbrücke

Die Badener Stadtregierung ist mit den kantonalen Verkehrsplänen einverstanden. Allerdings lehnt sie zwei von drei Vorschlägen zum Autoverkehr ab.

Pirmin Kramer
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Der imposante Hauptbogen der Hochbrücke wurde 1925 erstellt. Der Kanton will sie für Autos sperren, der Stadtrat hingegen findet einen Ausbau prüfenswert

Der imposante Hauptbogen der Hochbrücke wurde 1925 erstellt. Der Kanton will sie für Autos sperren, der Stadtrat hingegen findet einen Ausbau prüfenswert

G. Bischoff

Sie zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt: die bald hundert Jahre alte, 242 Meter lange Hochbrücke. Heute dient sie Autos, Bussen, Velos und Fussgängern in beiden Richtungen als Verbindung von Baden und Wettingen.

Künftig aber sollen keine Autos mehr über die Brücke fahren dürfen: Dies schlägt der Kanton in seinem Gesamtverkehrskonzept vor. Stattdessen, so der Vorschlag, werde die Brücke als Trassee für die Limmattalbahn dienen und weiterhin für Busse und den Langsamverkehr zur Verfügung stehen.

Dieser Vorschlag kommt beim Stadtrat nicht gut an. Er äusserte sich dazu im Rahmen der offiziellen Vernehmlassung und liess am Dienstag in einer Medienmitteilung verlauten: «Die Notwendigkeit einer vollständigen Sperrung der Hochbrücke für den motorisierten Individualverkehr lässt sich auf Grundlage des vorliegenden Dossiers nicht ableiten und wird in der absoluten Form abgelehnt.»

Im Rahmen der weiteren Projektierung werde zu klären sein, wie eine Lösung «mit Ertüchtigung der Hochbrücke» und dem Verbleib des motorisierten Individualverkehrs in Koexistenz mit der Limmattalbahn aussehen könnte.

Stadtammann: «Die Stadt Zürich macht es vor»

Stadtammann Markus Schneider erklärt die Haltung der Regierung: «Wir gehen davon aus, dass die Brücke angepasst werden muss, wenn die Limmattalbahn darüber fahren soll. Und wenn sie schon saniert wird, würden weitere Veränderungen Sinn machen. Das Ziel muss es sein, dass auch in Zukunft alle Verkehrsmittel die Brücke nutzen können. Die Stadt Zürich macht es vor: Dort fahren die Trams im Mischverkehr. Das müsste auch in Baden möglich sein.»

Interessant: Im Grundsatz zeigt sich der Stadtrat zwar einverstanden mit den Verkehrsplänen des Kantons – was zu erwarten war, setzt sich das Projekt Oase doch das Ziel, das Zentrum der Stadt zu entlasten.

Der Stadtrat bejaht darum auch den Bau eines Tunnels durch den Martinsberg: Dieser könnte den Rückbau und die Aufwertung der bestehenden Strassenräume ermöglichen und die Innenentwicklung unterstützen. Ebenfalls unumstritten aus Badener Sicht: die geplanten Ausbauten der Angebote und der Infrastruktur bei Bahn und Bus sowie «der angestrebte Quantensprung» im Veloverkehr.

Doch der Stadtrat lehnt eine weitere zentrale Idee des Kantons ab: Anstelle einer neuen Limmatbrücke beim ehemaligen Schlachthof sei eine Verbesserung bei der bestehenden Limmatquerung zu suchen, dies mittels eines Umbaus des Knotens zur Auffahrt der A1 bei Neuenhof. Der Zugang und Abfluss müsse an dieser Stelle verbessert werden.

Und nicht zuletzt fordert der Stadtrat, dass nach Festsetzung im Richtplan weitere Abklärungen notwendig seien zur Frage, wie allenfalls negative Auswirkungen des Projekts auf den Siedlungs- und Landschaftsraum insbesondere in den Portalbereichen des Tunnels verhindert werden können.

Historische Bilder aus Baden:

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So sah es am Schulhausplatz im Juli 1814 aus. Der Abbruch des «Mellingerturms», des Oberen Tors am Cordulaplatz (damals hiess er noch Paradiesplatz), wurde 1874 wie ein Fest gefeiert. Der Durchbruch sollte Luft und Licht in die Altstadtgassen bringen.
So sah es vor der Bahnverlegung aus: Durch den engen Schlossbergtunnel fuhr seit 1847 die Spanischbrötlibahn nach Zürich. Die Häuser vor dem Cordulaplatz wurden beim Bau des Strassentunnels abgerissen.
Als die Dampflok noch über den Platz fuhr und die Schiebebarrieren von Hand geschlossen wurden: Eine Postkarte von Baden um 1900. Der Gasthof zum Glas (rechts neben der Bahn) brannte 1960 ab, die Reben am Schlossberg wurden zu Bauland. Der Obeliskenbrunnen steht jetzt wieder an seinem Platz.
Der Kurpark in Baden war auch schon 1890 ein lauschiges Plätzchen, das zum Verweilen einlädt.
Baden, die Holzbrücke und der Bergsturzkopf um 1906.
Baden von Süden im Jahr 1913. Im Vordergrund der rauchende Schlot der Firma Merker.
Diese Postkarte zeigt das ehemalige Landvogtei-Schloss um ca. 1915.
Baden mit Lägern 1913: Als der Lägernhang noch völlig unbebaut war.
Das Brauerei-Gasthaus Falken gab der Barriere ihren Namen. Das Hotel musste schon 1957 weichen. Die 1850 erbaute Brauerei wurde erst 2004 durch den Neubau ersetzt, in dem sich heute das Bezirksgericht befindet.
Ein letztes Mal fällt die Falkenbarriere: Die Bahn brachte Wohlstand und Arbeitsplätze nach Baden. Aber auch viele Stunden mühsamen Wartens. Die Erleichterung war deshalb gross, als von 1957 bis 1965 der «neue» Schulhausplatz gebaut wurde.
Verstopfte Weite Gasse im Jahr 1960 mit Velo- und Buskolonnen. Das abgebrannte Restaurant Glas erlaubt die Datierung. Am oberen Bildrand das Schulhaus, das dem Platz seinen Namen gab.
Der Tunnelbogen des alten Bahntunnels steht noch, der Strassentunnel durch den Schlossberg ist schon betoniert. Der Ennetbadener Fotograf Werner Nefflen kam 1962 gerade noch rechtzeitig, um diesen denkwürdigen Augenblick festzuhalten. Rechts montiert ein Arbeiter die Sprengladung.
Als es in der Altstadt noch Handwerker gab: Der Sattler Mühlebach hatte seine Werkstatt in der Weiten Gasse und arbeitete gerne draussen. Hier zusammen mit den Pferden der Brauerei Müller am Schulhausplatz.
Der Bahnwärter hat ausgedient: Im September 1961 wurde die «Bahnverlegung» vollzogen, zumindest von der Eisenbahn war der Schulhausplatz befreit. Sie fuhr ab dann durch den grossen Bahntunnel.
Baden um 1919: im Vordergrund die mittelalterliche Brückenstadt, das moderne Baden liegt links.
Verkehr anno 1961: Im Hintergrund sieht man die alte Cordulapost mit dem Bild des abgebrochenen Mellingerturms. Rechts daneben der legendäre Lebensmittelladen Moneta. Die beiden Häuser wurden 1984 durch die neue «Porta Moneta» ersetzt.
Blick auf das Bahnhofquartier 1919. Der Badener Bahnhof zählt zu den ältesten des Landes. Er wurde 1847 als Endstation der Spanisch-Brötli-Bahn eröffnet.
Blick von oben auf die Hochbrücke und das Kleinkraftwerk Aue zwischen 1918 bis 1937.
Eine Postkarte von 1923, die den Kursaal Baden zeigt.
Eine weitere Postkarte vom Kurpark Baden aus dem Jahr 1926.
Blick in die Halle II des BBC-Gebäudes im Jahr 1926.
Blick auf die Ruine Stein um ca. 1930.
Im Jahr 1930 war der Löwenbrunnen bereits 108 Jahre alt.
Eine Postkarte des Kursaales datiert auf das Jahr 1936.
So sah die Badener Altstadt 1942 aus.
Limmat abwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Limmat aufwärts von der neuen Hochbrücke im Jahr 1942.
Die Badener Altstadt 1945. Der Strassenverkehr wurde erst später aus der Altstadt verbannt. In der Badstrasse (links im Bild) entstand 1972 im Zuge des Bahnhofumbaus die erste Fussgängerzone der Schweiz.
Die Badener Altstadt im Jahr 1945, links im Bild die Hochbrücke, die 1926 eröffnet wurde.
Blick auf die Schiefe Brücke 1949, die Baden mit Ennetbaden verbindet. Sie wurde 1874 eröffnet und ist seit 2006 für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.
Das 1963/64 erbaute Thermalbad im Jahr 1969.
Hier wurde fast 40 Jahre lang fröhlich geplanscht – gegen Ende des 20. Jahrhunderts gerieten die Bäder in eine Krise.
Baden 1970 von oben aus süd-östlichem Blickwinkel. Im Bild: das Stadtzentrum, der Elektrotechnikkonzern Brown Boveri & Cie. (BBC, später ABB), die Hochbrücke und das Terrassenschwimmbad.
Baden 1980 von Südwesten. Im Bild: das Stadtzentrum, der Schulhausplatz, die Ruine Stein und der Schlossbergtunnel.
Baden 1980 von Osten. Im Bild: Die Altstadt, die Hochbrücke, die Limmat, rechts im Bild der Elektrotechnikkonzern BBC.
Baden 1987 von Westen. Im Bild: die Stadtkirche, das Stadtzentrum und die Kreuzung Schulhausplatz.
Ein Blick in die Mittlere Gasse im Jahr 1988.

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Unbekannt