Nur noch wenige Meter trennen Anette Mossbacher von der Löwenmutter. Die Fotografin sieht die Raubkatze langsam an ihr Auto heranpirschen, ohne das Ziel auch nur eine Sekunde aus den Augen zu verlieren. Dieser durchdringende Blick der Grosskatze ging Mossbacher damals durch Mark und Bein, wie sie sich in der Sicherheit ihres Heims in Bergdietikon erinnert.

Der Zwischenfall, der sich im namibischen Grasland ereignet hat, bilde allerdings eine Ausnahme: «Normalerweise betrachten die Tiere mich nicht als Bedrohung», sagt sie. Dies hängt damit zusammen, dass die Natur- und Tier-Fotografin aus Deutschland von Kindsbeinen an gelernt hat, wie man sich wilden Tieren nähert, ohne diese in die Flucht zu schlagen.

Ihr Vater, ein Hobbyjäger aus der Nähe von Mannheim, habe sie und ihren Bruder oft auf die Jagd mitgenommen. Dabei habe sie gelernt, auf die Zeichen der Tiere zu achten. Heute kommt ihr dieses Wissen zugute, wenn sie alleine in einem Jeep durch die Steppe Afrikas fährt. Das Zelt auf das Autodach gebunden, immer auf der Suche nach neuen Motiven für ihre Werke.

Fotos aus aller Herren Länder

Bilder von ihren unzähligen Reisen werden im Gemeindehaus in Bergdietikon nun erstmals in einer Ausstellung unter dem Titel «Von der Arktis bis nach Afrika» gezeigt. Urs Spörri, der Organisator der Ausstellungsreihe «Kunst im Gemeindehaus», ist «begeistert, mit einer derart anerkannten Fotografin zusammenzuarbeiten».

Mit dem Resultat sind beide sehr zufrieden. Im Erdgeschoss des Gemeindehauses hängen die Landschaftsbilder, im ersten Stock die Tierbilder. Dass dies Mossbachers erste Ausstellung ist, hängt, wie sie sagt, mit dem grossen Zeitaufwand für solche Projekte zusammen.

In Kontakt mit der Fotografie kam Mossbacher in den Vereinigten Staaten, wo sie mit 17 als Au-pair arbeitete. Dort durfte sie einem mit der Gastfamilie befreundeten Fotografen bei der Arbeit über die Schulter schauen. Das Interesse an der Fotografie blieb, auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland. Dort arbeitete sie bald mit einem Werbe- und Porträt-Fotografen zusammen.

Mossbacher und ihre Familie sind in der Welt weit herumgekommen. Ihr Mann arbeitet für die ABB und wird je nach Auftrag an die unterschiedlichsten Orte versetzt. Bevor das Paar Kinder bekam, lebte es in Südafrika. Nach der Geburt einer Tochter, für die sie nach Deutschland zurückkehrten, folgte ein längerer Aufenthalt in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Dort gebar Mossbacher einen Sohn, der die Familie komplettierte. Später lebte die Familie in Peking und der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur, bis sie schliesslich vor bald sieben Jahren ins Limmattal zogen.

Das Leben in Bergdietikon sei im Vergleich zu den anderen Lebensstationen eine Idylle, andererseits aber auch «ein wenig langweilig». In Kuala Lumpur drangen die Kobras bis in ihren Garten vor, sagt Mossbacher, «das war ideal zum Fotografieren». Hier geniesse sie dafür die Nähe zum Wald, besonders für Spaziergänge mit ihrem Hund. In der Schweiz lichtet sie vor allem die Natur ab. Besonders angetan hat es ihr der Aletschgletscher.

Die Reisen gehen weiter

Wie die meisten Fotografinnen heutzutage kennt sich Mossbacher bestens mit dem Bildbearbeitungsprogramm Photoshop aus. Im Jahr 2000 absolvierte sie eine Ausbildung im Bereich der digitalen Fotografie am «New York Institute of Photography», wo ihre Arbeit ausgezeichnet wurde.

Der Hauptunterschied zu früher bestehe beim Fotografieren darin, dass heute kaum einer mehr Filter benutze. «Die Effekte lassen sich fast alle im Nachhinein mit Photoshop erzeugen», sagt sie. Dies werte ihre Berufsgattung aber keineswegs ab, so Mossbacher. Denn die Motivauswahl sowie die richtige Belichtung und Komposition sei immer noch das A und O für ein gutes Bild.

Die nächste Reise führt Mossbacher und ihre Familie in die Bretagne «mit ihrer faszinierenden Landschaft». Im Herbst macht sie sich mit fünf Berufskollegen auf in den Norden Finnlands, auf der Suche nach Bären und Wölfen. Sie hofft, ein weiteres Erlebnis wie jenes in Namibia zu vermeiden. Obwohl dieses glimpflich ausging: Alsbald die Löwin merkte, dass Mossbacher keine Gefahr darstellte, wandte sie sich gelangweilt von ihr ab und kehrte zu ihrem Rudel zurück.

Ausstellung vom 29. April bis 28. Mai im Gemeindehaus Bergdietikon