Oberrohrdorfer Schüler müssen aus Platzgründen nach Mellingen in die Bezirksschule (Bez). Dieser Entscheid der Schulleitung der Bez Baden sorgt in Oberrohrdorf für rote Köpfe: «Uns liegt keine Information der Schule Baden vor. Wir mussten diese Neuigkeit von betroffenen Eltern erfahren», beklagt sich Gemeindeschreiber Thomas Busslinger.

Unverständlich erscheint Busslinger die Tatsache, dass Schüler der 3. Sek – und Schüler, die bereits Geschwister an der Bez Baden haben – den Unterricht im Schulhaus Burghalde in Baden besuchen dürfen.

Gesuch um Aufnahme abgelehnt

Doch nicht nur die Gemeinde ist über das Vorgehen der Schule Baden entrüstet: «Für unseren 13-jährigen Sohn ist eine Welt zusammengebrochen, als er erfahren hat, dass er nach Mellingen muss. Alle seine Freunde gehen nach Baden zur Schule», erklärt Gisela Henke aus Oberrohrdorf.

Ihr Gesuch für eine Aufnahme in Baden sei mit der Begründung abgelehnt worden, dass nicht bei allen eine Ausnahme gemacht werden könne, bedauert Gisela Henke. Sabina Brändli, Schulleiterin der Kreisschule Rohrdorferberg, relativiert den Entscheid: «Es sind lediglich drei Oberrohrdorfer Schüler der 1. Sek vom Übertritt an die Bez in Mellingen betroffen.»

Mit dem Entscheid der Schule Baden habe sie allerdings nichts zu tun, betont sie. «Ich habe lediglich die betroffenen Eltern schriftlich darüber informiert.»

«Fünf-Kilometer-Regel» aufgehoben

Um allen Oberrohrdorfer Schülern und deren Eltern finanziell unter die Arme zu greifen, hat der Gemeinderat Oberrohrdorf nun einen Entscheid gefasst: Ab dem Schuljahr 2011/2012 übernimmt er die Transportkosten aller Schüler aus Oberrohrdorf, die nach Mellingen in die Bez gehen (müssen).

Damit hebt er die bestehende «Fünf-Kilometer-Regel» auf. Die Änderung: Bisher profitierten nur Schüler von der Übernahme der Transportkosten, die weiter als fünf Kilometer zur Schule fahren müssen.

Gemäss den aktuellen Ratsnachrichten begründet die Gemeinde ihren Entscheid «mit dem nicht verständlichen Verhalten der Badener Schulleitung, mit dem sie den Eltern keine andere Möglichkeit anbietet, ausser ihre Kinder nach Mellingen zu schicken.»

«Unsere Bez ist randvoll»

Alex Grauwiler, Geschäftsleiter der Schule Baden, bestätigt, dass es Rohrdorfer Sekler gibt, die nach dem Wechsel an die Bezirksschule nach Mellingen müssen. «So ist es vom Regierungsrat verordnet worden», erklärt er.

Baden sei verpflichtet worden, mit Mellingen zusammen zu arbeiten. Weil die Klassen in Baden voll sind, müssen die neuen Bezler die Klassen in Mellingen auffüllen. «Heute ist unsere Bezirksschule randvoll» bestätigt Attiger.

Laut aktueller Schulraumplanung werde die Stadt Ergänzungsbauten erstellen müssen, damit sie in den Schulhäusern Burghalde (Bezirksschule) und Burghalde 2 die gesamte Oberstufe unterbringen könne. Man sei an die Schulverträge gebunden. Schulvorsteher Müller fügt an, dass man mit allen Gemeinden im Gespräch sei und man niemanden aussperren wolle, insbesondere in Notsituationen.

Ehrendinger wechseln nach Baden

Schon beim Bildungskleeblatt sei eine eigene Oberstufe am Rohrdorferberg vorgesehen gewesen, sagt Attiger. Wenn sich auch die Entwicklung des Schulsystems beim Kanton verzögert habe, so sei man in Baden nach wie vor davon ausgegangen, dass der boomende Rohrdorferberg ein eigenes Oberstufenzentrum erstellen würde.

Die Schulstrategie habe man in Baden fortgesetzt, bestätigt Vizeammann und Schulvorsteher Geri Müller. Möglicherweise sei diese mit den Wechseln im Gemeinderat nicht kommuniziert worden- So seien frühzeitig Kontakte mit den umliegenden Schulgemeinden aufgenommen worden, unter anderem mit der Gemeinde Ehrendingen, die künftig alle Oberstufenschüler nach Baden schicken wird.

Während in Birmenstorf bereits die Bezirksschüler nach Baden gehen, sind nach dem Nein zum neuen Schulhaus in der Gemeinde auch die Sekundar- und Realschüler gefolgt. Neuenhof hingegen habe zu keinem Zeitpunkt eine Rolle gespielt, weil von Beginn weg festgestanden sei, dass auch bei einem Zusammenschluss nur die Bezirksschüler nach Baden kommen würden, sagt Stadtammann Attiger.