«Ich habe erwartet, dass es wie immer läuft – nämlich dass eine Lobby wieder einmal ihren Willen beim Kanton durchsetzt», sagt Hans Hauri aus Dättwil. Er hatte an vorderster Front gegen den Baldeggtunnel gekämpft. «Als ich an der Medienkonferenz die Pressemappe erhielt und die Überschrift las, fiel ich aus allen Wolken», so Hauri. Der Entscheid des Regierungsrates sei eine Bestätigung für die Vorbehalte der Gegner: «Der Tunnel bringt nichts; und erst recht nichts für dieses Geld.»

Hauri windet vor allem dem neuen Baudirektor Stephan Attiger und seinem Departement ein Kränzchen. «Trotz grossem Druck der Tunnel-Lobbyisten ist man den klaren Resultaten der Analysen gefolgt.» Er betont, dass es nicht an den fehlenden finanziellen Mitteln lag, dass dieses Projekt jetzt begraben wurde: «Ziel war es, das untere Aaretal zu erschliessen und die Regionen Baden und Brugg zu entlasten – der Tunnel hätte dazu nur einen sehr kleinen Beitrag geleistet», fasst Hauri die Resultate zusammen.

Dass er nur ein lokaler Verhinderer sei, lässt Hauri nicht gelten. «Fakt ist, dass die Luftverschmutzung in der Dättwiler Talsenke und Umgebung heute schon über den Grenzwerten liegt und mit dem Tunnel noch weiter gestiegen wäre.» Denn er ist überzeugt, dass mit dem Tunnel noch mehr Lkw aus Süddeutschland gekommen wären, «was zudem eine weitere Untergrabung der nationalen Umlagerungspolitik bedeutet hätte», hält Hauri fest.

Obersiggenthal: Erleichterung

Gross ist die Genugtuung über den regierungsrätlichen Entscheid vor allem auch in Obersiggenthal, wo man – nach dem Bau der Siggenthalerbrücke – weiteren Mehrverkehr befürchtete. «Ich bin über den Entscheid aus Aarau nicht überrascht», sagt Gemeindeammann Max Läng. «Das Problem war nicht der Tunnel selber, sondern die Anbindung an die Autobahn, und dass bei der ganzen Planung der südlich von Baden gelegene Teil völlig ausgeklammert wurde.»

Auch SP-Präsident Ueli Zulauf zeigt sich erfreut, im Gegensatz zum Gemeindeammann aber überrascht: «Wohl noch nie in meiner politischen Laufbahn habe ich von der Gegenseite derart Recht bekommen.» Mit diesem Entscheid hätte er nie gerechnet. «Die Lobby war massiv, und trotzdem ist das Projekt sang- und klanglos untergegangen.» Auch Zulauf zollt Baudirektor Attiger grossen Respekt. «Ich bin gespannt, was jetzt kommt.» Eines sei klar: jetzt seien völlig neue Denkmuster – wie etwa das Roadpricing – gefordert, um die Verkehrsströme in die Zentren in den Griff zu bekommen.

Fislisbach und Birmenstorf erfreut

Positive Reaktionen gab es gestern auch aus den Gemeinden Fislisbach und Birmenstorf, die sich beide gegen den Tunnel gewehrt hatten. «Keine Frage, die Entlastung von Baden und Brugg sowie die Anbindung des unteren Aaretals machen Sinn», sagt der Fislisbacher Gemeindeammann Silvio Caneri. Doch der Baldeggtunnel hätte für Fislisbach weiteren Verkehr bedeutet. «Schon heute fahren 17 000 Fahrzeuge pro Tag durch unser Dorf. Mit einem Tunnel hätten wir Rückstau und Mehrverkehr befürchtet, da es vor dem Bareggtunnel mit grosser Wahrscheinlichkeit noch mehr Stau gegeben hätte.»

Auch Edith Saner, Gemeindeammann von Birmenstorf, zeigt sich erfreut: «Wir waren immer kritisch gegenüber dem Tunnel, weil wir jetzt schon hin und wieder Rückstau von der Autobahn haben.» Es sei zu begrüssen, dass der Kanton jetzt nochmals über die Bücher gehe.