Region Baden

Obersiggenthal knapp bei Kasse: Reicht das Geld für den Mättelisteg?

So soll der Mättelisteg über die Limmat aussehen, der den Badener Mättelipark mit dem Oederlin-Areal (rechts) verbindet.

So soll der Mättelisteg über die Limmat aussehen, der den Badener Mättelipark mit dem Oederlin-Areal (rechts) verbindet.

Baden, Ennetbaden und Obersiggenthal planen seit Jahren einen 75 Meter langen Limmatübergang. Doch das Projekt droht ins Wasser zu fallen: Das finanziell gebeutelte Obersiggenthal muss noch eine Finanzierungslösung finden

Es handelt sich um ein Projekt voller Symbolik: Der geplante Limmatübergang mit dem Namen Mättelisteg könnte Baden auf der einen mit Obersiggenthal und Ennetbaden auf der anderen Flussseite verbinden; die Bäder-Viertel sollen weiter zusammenrücken. Der Steg soll konkret den Badener Mättelipark mit dem Oederlin-Areal verbinden. Bereits seit vier Jahren steht fest, wie die 75 Meter lange Fussgänger- und Fahrradbrücke aussehen soll: Das Siegerprojekt «La Linea» wurde im Oktober 2012 in einem Architekturwettbewerb gekürt. Damals schien die Realisierung nur Formsache. Doch nun ist fraglich, ob die Finanzierung wie geplant zustande kommt.

Vorgesehen ist, dass die Kosten für den Mättelisteg von den drei beteiligten Gemeinden zu je einem Drittel, also mit 970 000 Franken, getragen werden. Zuerst wird der Badener Einwohnerrat über den Kredit abstimmen (25. Oktober); gemäss Vorlage des Stadtrates werden bis Ende Jahr auch noch Ennetbadens Gemeindeversammlung und Obersiggenthals Einwohnerrat abstimmen. Weil Obersiggenthal in den vergangenen Monaten in eine Finanzkrise gerutscht ist, befürchtet Pius Graf (SP), Ammann der beim Projekt federführenden Gemeinde Ennetbaden: «Dass Obersiggenthal Nein sagen könnte zum Kredit, ist ein Szenario, das durchaus eintreten könnte.»

Grund für seine Skepsis: Mehrere Investitionsprojekte, wie etwa der Bau eines neuen Fussballplatzes, sind in Obersiggenthal kürzlich aufgegeben worden. Und schon vor zwei Jahren gab es Bestrebungen im Einwohnerrat, die Investitionen für den Steg aus dem Finanzplan zu streichen.

Zwar könnte Obersiggenthal am stärksten von der neuen Verbindung profitieren: Vor allem die Bewohner der geplanten 100-Millionen-Wohnüberbauung «Zackenbarsch», die neben dem Steg gebaut werden soll, könnten mit dem Velo oder zu Fuss künftig deutlich schneller als bisher zum Bahnhof Baden gelangen. Doch weil das Ende des Steges auf Ennetbadener Boden liegt, erklärte die Obersiggenthaler SVP schon vor zwei Jahren: «Es gibt keine Notwendigkeit für eine Beteiligung, denn der Steg kommt auf fremden Boden zu stehen.»

Damals plädierte der Obersiggenthaler Gemeinderat noch mit voller Kraft für den Bau der Brücke. Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) sagte: «Für unsere Gemeinde ist es wichtig, dass der Steg gebaut wird.» Er steigere den Anreiz, eine Wohnung im Oederlin-Areal zu beziehen, was Obersiggenthal zusätzliche Steuereinnahmen bescheren würde.

Kosten auf Investoren abschieben

Auch heute noch ist der Mättelisteg im Finanzplan mit den geplanten Investitionsprojekten für die kommenden vier Jahre enthalten. Doch die Summe, die Obersiggenthal aufwenden will, hat sich halbiert: Nur noch 500 000 Franken sollen für den Steg ausgegeben werden. Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) will sich auf Anfrage nicht zum Thema äussern. Gemäss Informationen der az versucht der Gemeinderat, die restliche Summe des Kredits auf die Investoren des «Zackenbarsch»-Projekts abzuwälzen. Ein Unterfangen, das durch das aktuell schwierige Verhältnis der Gemeinde mit den Investoren erschwert wird: Diese drohten kürzlich wegen Differenzen mit der Ortsbildkommission mit dem Abbruch des Projekts.

Was passiert, wenn Obersiggenthal Nein zum Kredit sagen sollte? Ennetbadens Gemeindeammann Pius Graf: «In diesem Fall wäre unklar, ob der Steg gebaut wird. Ich denke aber nicht, dass wir das Projekt sofort aufgeben würden. Die drei Gemeinden müssten zusammensitzen und das Finanzierungsmodell überdenken.»

Die Kosten für den Mättelisteg belaufen sich insgesamt auf 3,46 Millionen Franken. Der Bund hat zur Förderdung des Langsamverkehrs einen Subventionsbeitrag von 504 000 Franken zugesichert. Graf: «Tatsache ist, dass die Bundessubventionen nur bis 2018 gelten. Wenn wir zu lange warten mit dem Mättelisteg-Bau, drohen wir diese Unterstützungsgelder zu verlieren, was sehr schmerzhaft wäre.»

Mehr als 30 Bewerbungen waren für den Architekturwettbewerb im Jahr 2012 eingegangen. Beim Siegerprojekt überzeuge die schlanke Stahlkonstruktion mit den leichten Geländern, lobte die Jury; der Steg schlage unaufdringlich und selbstverständlich die Brücke zwischen dem Oederlin-Areal und dem Mättelipark und integriere sich entsprechend gut in den Naturraum der Limmat. Die Realisierung des Steges ist für den Zeitraum von 2017 bis 2019 geplant – falls denn alle drei Gemeinden Ja sagen.

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