Gemeindeversammlung
Obersiggenthaler Gemeinderat ist beim Schulhaus zurück auf Feld Eins

Das geplante Schulhaus im Obersiggenthaler Ortsteil Kirchdorf lässt weiter auf sich warten. Dabei ist dringend mehr Raum nötig, so der Gemeinderat.

Tim Honegger
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Der Gemeinderat will das sanierungsbedürftige Kirchdorfer Schulhaus (hinter Kirche) durch einen Neubau ersetzen – obwohl in Nussbaumen Schulzimmer leerstehen. (Archiv)

Der Gemeinderat will das sanierungsbedürftige Kirchdorfer Schulhaus (hinter Kirche) durch einen Neubau ersetzen – obwohl in Nussbaumen Schulzimmer leerstehen. (Archiv)

Voller Tatendrang erklärte der Gemeinderat Obersiggenthal zum Auftakt der Gemeindeversammlung: „Wir müssen nun wirklich vorwärts machen!“ Gemeint ist der Bau eines neuen Schulhauses inklusive Kindergarten. Bereits vor einem Jahr förderte ein Bericht zutage, dass „dringend“ mehr Raum für die nachrückenden Schüler notwendig sei. Nun legte der Gemeinderat den Einwohnerräten seinen Plan zum Neubau vor – demnach sollte im Ortsteil Kirchdorf eine Schulanlage mit Raum für zwei Kindergarten- und zwei Primarschulabteilungen geschaffen werden.

Retourkutsche an Gemeinderat

Schon im Vorfeld zeichnete sich ab, dass die Vorlage vor den Einwohnerräten einen schweren Stand haben würde. Tatsächlich plädierten an der Sitzung sämtliche Fraktionen für eine Rückweisung und fuhren dabei mit schwerer Artillerie auf: „Wir geben hier Millionen von Franken aus, nur um den Status Quo beizubehalten“, sagte etwa Eugen Frunz (SVP). Der Neubau würde das Platzproblem nicht lösen – die Prognose geht davon aus, dass bald Platz für neun statt vier zusätzlicher Schulklassen benötigt würde.

Uneinig sind die Parteien auch über den Standort der neuen Schule: Mit der Platzierung im Ortsteil Kirchdorf will der Gemeinderat den dortigen Standort aufwerten. Damit peilt er insbesondere die jungen Familien an, die in Kirchdorf andernfalls ausbleiben könnten. Einige Einwohnerräte kritisierten, dass langfristig ohnehin ein neues Schulhaus im Ortsteil Nussbaumen notwendig würde. Peter Marten (FDP) forderte gar einen kompletten Neustart: „Wir sollten noch einmal zurück auf Feld Eins und einen aktuellen Bericht ausarbeiten lassen.“

Der Widerstand der Einwohnerräte gipfelte in der Einreichung einer dringlichen Motion von Christian Bossard (FDP). Diese beauftragt den Gemeinderat, „die vorhandene Schulraumplanung aktualisieren zu lassen“. Zudem soll der Gemeinderat verschiedene Standort-Varianten abklären und herausfinden, wie viel Schulraum mittelfristig geschaffen werden muss. Die Einwohnerräte wiesen den Vorschlag des Gemeinderates einstimmig zurück und hiessen die dringliche Motion der FDP gut. Damit hat dieser nun ein Jahr Zeit, die Fragen zu klären.

Mehr Sicherheit, weniger Lärm

Das zweite heisse Eisen des Abends war die Sanierung der Hertensteinstrasse. Die Strasse soll in einem Mammut-Projekt saniert und zahlreiche Bau-Massnahmen umgesetzt werden. Dazu gehören ein neuer Radweg, verschiedene Verlangsamungs-Objekte und ein leiserer Belag. Kurz: mehr Sicherheit und weniger Lärm. Der Masterplan des Gemeinderates umfasst acht Baumassnahmen für total 560'000 Franken. Die Schattenseite kennt Obersiggenthal allzu gut: Die Baustellen im nahen Baden führen zu Staus bis ins Dorf hinein. Zwar beschwichtigt der Kanton: Durch eine richtige Abstimmung mit anderen Baustellen könne der Verkehr sogar reduziert werden. Der Rat ist demgegenüber zwar skeptisch, aber ebenso bewusst, dass die Sanierung nötig ist. Erich Schmid (CVP) liess eine Baumassnahme aus der Vorlage löschen und so genehmigte der Rat den abgespeckten Kredit von 550'000 Franken einstimmig.