Obersiggenthal
Obersiggenthals SP-Präsident Zulauf: «Der Baldeggtunnel ist nur Symptombekämpfung»

Ueli Zulauf, SP-Ortsparteipräsident, findet den Bau eines Baldeggtunnels unsinnig. Er fordert, dass endlich über das Grossprojekt diskutiert wird. Gemeindeammann Max Läng will eine Diskussion erst lancieren, wenn es mehr Fakten zum Tunnel gibt.

Corinne Rufli
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SP-Ortspräsident Ueli Zulauf beklagt die fehlenden Diskussionen über den Baldeggtunnel. Corinne Rufli

SP-Ortspräsident Ueli Zulauf beklagt die fehlenden Diskussionen über den Baldeggtunnel. Corinne Rufli

Corinne Rufli

«Mit dem Baldeggtunnel wird Kapazität geschaffen, um die Spitzenbelastung des Verkehrsaufkommens abzubauen. Das ist unsinnig», sagt Ueli Zulauf.

Der Präsident der SP-Obersiggenthal äussert bei einer Latte Macchiato im Markthof seine Bedenken gegen das Grossprojekt Baldeggtunnel.

Max Läng: «Auf die Fakten warten, dann diskutieren»

Das sagt Gemeindeammann Max Läng: «Es macht keinen Sinn, zu diesem Zeitpunkt Diskussionen zum Baldeggtunnel zu führen. Der Gemeinderat hat das Thema bereits angestossen: Die Planungsgruppe BadenRegio hat einen Brief an den Kanton geschrieben mit der Forderung für ein Gesamtverkehrskonzept. Bis der Kanton antwortet, haben wir keinen neuen Erkenntnisstand. Die momentanen Diskussionen drehen sich also nur im Kreis und um Hypothesen. Wir haben momentan dringendere Anliegen in der Gemeinde, wie die Zonenplanrevision oder die Budgetsitzung. Drum ist es besser, auf die Fakten zu warten und dann eine neue Auswertung zu machen. Wir erwarten die Antwort des Kantons Mitte Oktober - bis dann machen wir nichts zum Baldeggtunnel.» (cru)

«Einmal mehr wird ein Verkehrsproblem fast ausschliesslich unter dem Aspekt der Verkehrsspitzen angeschaut.»

Je mehr Kapazität eine Strasse habe, desto mehr Autos ziehe sie an, so Zulauf. Das bedeute, dass es wieder mehr Verkehr gebe. «Darum müssen wir nach Lösungen suchen, die mit der bestehenden Infrastruktur kompatibel sind.»

Zulauf: «Es braucht neue Denkansätze.» Man müsse sich fragen, wie man Mobilität reduzieren könne. Das fange schon bei der Raumplanung an.

Baldeggtunnel

Ziel eines Baldeggtunnels ist die schnellere Anbindung des unteren Aaretals an die Autobahn A1 und die Entlastung von Baden und Brugg vom Durchgangsverkehr. Im Richtplan ist der Baldeggtunnel mit der Umfahrung Untersiggenthal und einer im Tagbau gebauten, gedeckten Strecke durch das Siggenthalerfeld und durch die Baldegg eingetragen. Die Kosten belaufen sich auf rund 800 Mio. Franken.(cru)

«Wenn jede Gemeinde Einfamilienhäuser ins Grüne bauen darf, schafft das neue Probleme.» Denn das, so Zulauf, erfordere eine grössere Infrastruktur, neue Zufahrtsstrassen und generiert mehr Autos. Er sieht auch Roadpricing als Idee, das Verkehrsaufkommen in den Städten zu verkleinern.

Doch wie eine regionale Verkehrsentlastung zu realisieren ist, weiss auch der SP-Politiker nicht: «Ich kann nicht einfach Lösungen aus dem Ärmel schütteln.»

Das Thema sei sehr komplex, simple Lösungen wie ein Baldeggtunnel würden nichts nützen. «Die neue Strassenverbindung ist nur Symptombekämpfung», sagt Zulauf.

Vorteile sehe er nur für die anderen Gemeinden. «Die Verkehrsprobleme, die aber mit dem Baldeggtunnel auf Obersiggenthal zukommen, sind so bedrohlich, dass man Stopp sagen muss.»

Doch kann es in Obersiggenthal überhaupt zu einer einheitlichen Meinung kommen? Immerhin bekäme die Gemeinde einen Direktzubringer zur Autobahn.

Zulauf: «Klar kann es kontroverse Standpunkte geben. Eine transparente Meinungsbildung muss jedoch stattfinden.»

Empört ist Ueli Zulauf über den «vorauseilenden Gehorsam» in Sachen Baldeggtunnel, den der Gemeinderat Obersiggenthal an den Tag gelegt habe.

«In der Zwischenzeit ist der Gemeinderat zurückgekrebst und fordert nun zusammen mit anderen Gemeinden ein Gesamtverkehrskonzept für die ganze Region.»

Für Ueli Zulauf macht ein solches Konzept nur Sinn, wenn vorgängig Beurteilungskriterien aus Obersiggenthaler Sicht festgelegt werden: «Welches sind die verkehrlichen Bedürfnisse der Gemeinde? Welche Auswirkungen gilt es abzuwenden? Wo gibt es Interessenkonflikte und -überschneidungen mit Nachbarsgemeinden?»

Dass der Gemeinderat den Baldeggtunnel bisher als Routinegeschäft behandelte, findet Zulauf bedenklich. «Eine vertiefte ratsinterne Diskussion oder der Beizug von externen Fachleuten wäre angebracht gewesen.»

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