Detailhandel

Oberster Badener Gewerbler träumt von Food-Markt nach amerikanischem Vorbild

Robert Sailer, hier in seiner Papeterie Höchli im Badener Langhaus, ist bereits seit elf Jahren Präsident von "City com Baden".

Robert Sailer, hier in seiner Papeterie Höchli im Badener Langhaus, ist bereits seit elf Jahren Präsident von "City com Baden".

Die Ladensituation in der Badener Innenstadt könnte besser sein. Das sagt Robert Sailer, Präsident der «City com Baden», auch selbstkritisch. Er regt nun eine Idee der besonderen Art an.

Er gehe mit der Laden-Analyse der Innenstadt (Schweiz am Wochenende, 4. März) zwar einig, sagt Robert Sailer, Präsident der «City com Baden», der Vereinigung von Gewerbe und Ladengeschäften. Die Anbindung der Stadtturmstrasse und des Gebietes Bahnhof West liege wie anderes im Argen, bestätigt er. Doch die Kritik an der «City com» will er so nicht stehen lassen: «Wir führen viele Aktionen durch, mit denen wir den Einkauf in der Stadt attraktiv machen.» Er erwähnt dabei den «Winterzauber», die Fasnacht, die Festivals Fantoche, Figura, das Bluesfestival und mehr. Am kommenden Ostersamstag soll eine «Eiertütschete» Kundschaft in die Stadt locken. Das sei die Strategie von «City com»: Durch Events die Attraktivität erhöhen, damit mehr Menschen nach Baden kommen. «Aufgabe der Shops ist es, diese dann zu sich zu lenken», erklärt Sailer.

«Baden ist gut erreichbar»

Laut Robert Sailer werde vieles schlechtgeredet, etwa die Erreichbarkeit der Stadt: «Auch mit dem Auto gelangt man gut nach Baden, wenn man ausserhalb der Hauptverkehrszeiten einkaufen kommt.» Die Kritik an den Parkmöglichkeiten lässt er ebenso wenig gelten und stellt die Gegenfrage: «Wo findet man innert so kurzen Distanzen und teils mitten in der Stadt so viele Parkhäuser vor?»

Sailer gesteht aber ein, dass sich das Gewerbe zu wenig Gehör verschaffe bei der Politik: «Wir müssen politischer sein», und er zieht den Vergleich zum Aargauischen Gewerbeverband, der bei Wahlen und Abstimmungen oft Empfehlungen abgibt, die den Interessen seiner Mitglieder entsprechen. Er werde von seinen eigenen Leuten jeweils zurückgepfiffen, wenn er politisch werden wolle, klagt er. Dabei sei es wichtig, dass das Gewerbe seine Anliegen und Bedürfnisse an die Politik herantrage. Vielleicht habe er als Wettinger den Vorteil, dass er in Baden kein Blatt vor den Mund zu nehmen brauche, meint er halb ernst, halb scherzhaft. Sailer hatte sich bei der Abstimmung über die Ladeneinbauten der Schulhausplatz-Passage eingesetzt, die Stadt aufgefordert, während der Bauerei etwas für Läden und Dienstleister zu unternehmen. Leider mit wenig Erfolg. In der Zwischenzeit fielen Parkplätze weg, und die Parkgebühren wurden noch erhöht.

Sailer hat nun einen ganz konkreten Vorschlag für die neue Ladenpassage: «Man müsste zusammen mit Migros und Coop versuchen, dort einen attraktiven Food-Markt zu eröffnen, der von 6 bis 22 Uhr geöffnet ist.» Sailers Vorbild im Grossen ist der Quincy Market in Boston. «Nicht nur einkaufen, auch essen und trinken in einer ungezwungenen Marktatmosphäre.»

Der Quincy Market in Boston.

Der Quincy Market in Boston.

«Niemand hat heute Zeit»

Robert Sailer ist seit sieben Jahren pensioniert und steht noch jeden Vormittag in der Papeterie Höchli AG im Langhaus. Seit Oktober im Jahr 2000 ist er im Vorstand der damals aus dem Gewerbeverein und der City-Vereinigung hervorgegangenen «City com Baden». Vor ziemlich genau elf Jahren übernahm er von seinem Vorgänger Lukas Voegele, der damals in den Stadtrat gewählt worden war, das Präsidium. «Ad interim», betont Sailer, doch das Amt wird ihm nicht streitig gemacht, obschon er seit Jahren einen Nachfolger sucht. «Es hat heute niemand mehr Zeit», sagt Sailer, fügt aber deutlich hinzu, «weil sich niemand zusätzlich engagieren will».

Von den «Lädelern» wollen sich nur wenige für das Gesamtwohl einsetzen. Noch passiver seien die Dienstleister und Gewerbler. Die Mitgliederbeiträge würden zwar bezahlt, doch Engagement sei kaum zu erwarten, stellt Sailer ernüchternd fest. «Man will sich nicht exponieren», entschuldigt er die Mitglieder. Diese müssen aber wissen: «Im Jahr 2019 ist Schluss. Dann bin ich 75 und werde das Präsidium so oder so abgeben», so Sailer.

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