Haufenweise Äpfel und Birnen liegen unter den Bäumen, während die Mirabellen noch an den Zweigen verfaulen. Solche Bilder haben sich in diesem Herbst gehäuft. Für die einen ist die Ernte zu anstrengend. Andere haben schlichtweg keine Ahnung, was mit all den Früchten anfangen. Doch was viele nicht wissen: Verschiedene Privatpersonen und Institutionen in der Region sammeln und verwerten dieses ungenutzte Obst.

Äpfel und Birnen, die auf den Wiesen verfaulen, beschäftigen die Wettingerin Helen Suter seit einiger Zeit. «Dieser Früchtesegen ist ein Geschenk der Natur», sagt die ehemalige EVP-Einwohnerrätin. «Es tut mir weh, wenn das Obst einfach liegen gelassen wird.» Dies muss nicht sein, sagte sie sich vor drei Jahren – und entschloss sich, Äpfel, Birnen, Feigen, Mirabellen, Quitten, aber auch Kiwi, Erdbeeren und Rhabarbern einzusammeln, welche die Besitzer nicht selber ernten können oder wollen. «Immer mit dem Einverständnis der Landbesitzer», erklärt Suter. Bis jetzt habe noch niemand Nein gesagt. Aus den gesammelten Früchten macht sie jedes Jahr rund 200 Gläser Konfitüre. Der Volg in Wettingen nimmt davon einen grossen Teil entgegen. Ein paar wenige Gläser behält sie – für den Eigenverbrauch oder zum Verschenken.

Klienten und Mitarbeiter der Arwo Stiftung sammeln jedes Jahr Äpfel in Rüfenach. zvg

Klienten und Mitarbeiter der Arwo Stiftung sammeln jedes Jahr Äpfel in Rüfenach. zvg

«Ich verstehe, wenn einige Obstbesitzer dem Früchtesegen nicht mehr Herr werden», sagt Suter. Aber man müsse die Äpfel und Birnen ja nicht liegenlassen, sondern könne sich an fleissige Sammler wenden, die etwas Sinnvolles damit machen. «Von denen gibt es einige in der Region – nur sind sie vermutlich einfach noch zu unbekannt.»

So lesen beispielsweise Klienten der Arwo Stiftung für Behinderte in Wettingen seit rund fünf Jahren Äpfel in Rüfenach auf. Einen Teil der Früchte verarbeitet der Besitzer der Bäume selber zu Most. Den Rest holen die Klienten und Angestellte der Arwo ab. Rund 600 Kilogramm Äpfel kommen jeweils pro Jahr zusammen. Daraus entstehen 400 Säckli gedörrte Apfelringli, die in der Arwo Boutique verkauft werden. Die Stiftung und der Obstbesitzer fanden dank eines ehemaligen Angestellten zusammen, der ebenfalls in Rüfenach wohnt. Er kennt den Besitzer persönlich und vermittelte den Kontakt. Und falls noch mehr Bauern oder Privatpersonen nicht wissen, was mit den vielen Früchten anfangen: «Wir würden auf jeden Fall noch weiteres Obst nehmen», sagt Petra Müller von der Arwo.

Regelmässig unterwegs im Herbst ist auch der Wettinger Daniel Rub, dessen Milchexpress über die Dorfgrenzen hinaus bekannt ist. Er presst die Äpfel zu Most und verkauft den Saft in seinem fahrenden Laden.

«Wenn die Leute wieder vermehrt Produkte aus der Region konsumieren würden», so Suter, «lohnte es sich sicher auch wieder eher, Obstbäume und Sträucher zu pflegen». Denn diese würden nicht nur Früchte liefern, sondern seien zudem wichtige Lebensräume für eine Vielfalt von Tieren.