Baden
Odd Fellows: Ein neues Bürgerhaus am Theaterplatz

Die Odd Fellows ersetzen ihr Vereinslokal und wollen damit in der Stadt besser wahrgenommen werden.

Andreas Fahrländer
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Schlussstein am Theaterplatz: Mit dem neuen Odd-Fellows-Haus (Bildmitte) entsteht hier vorläufig der letzte Neubau.

Schlussstein am Theaterplatz: Mit dem neuen Odd-Fellows-Haus (Bildmitte) entsteht hier vorläufig der letzte Neubau.

zvg

Der Badener Theaterplatz verwandelt sein Gesicht rasant. Seit der Umgestaltung vor zehn Jahren von einem tristen Parkplatz zu einem verkehrsfreien Stadtplatz sind hier vier neue Häuser gebaut worden: Das Piazza-Haus, das «Stadthaus» des Unternehmers Dölf Köpfli, das Valiant-Haus (früher «Trattoria») und das Haus «Bärengraben». Der
Josefshof und das Bölsterli-Haus (heute Buchhandlung Librium) wurden zudem umfassend renoviert.

Jetzt wird das letzte alte Haus am Theaterplatz durch einen Neubau ersetzt. Die gelbe Villa am Theaterplatz 3 der Architekten Dorer & Füchslin stammt aus dem Jahr 1900. Seit genau hundert Jahren gehört sie der Badener Odd-Fellows-Loge. Der Verein hatte hier seit 1917 seine Räumlichkeiten, im Erdgeschoss war bis vor kurzem das Outdoorgeschäft Yanacocha eingemietet.

Urs Maisenhölder, Präsident der Odd Fellows Baden, erklärt, warum ein Neubau nötig ist: «Wir haben fundierte Abklärungen getroffen, ob wir das alte Haus renovieren und vergrössern können.» Man hätte das Haus aber aufwendig und teuer entkernen müssen, deshalb habe man sich für den Neubau entschieden. Zudem lag bisher hinter dem Haus ein ungenutzter Hinterhof. «Es ist uns nicht leicht gefallen», sagt Maisenhölder. «Schliesslich hatten wir ein sehr schönes Haus.»

Klassizistisch inspirierte Fassade

Das neue Haus soll auch schön werden: Die Architekten Niko Stamoulopoulos und Linda Schaub vom Zürcher Architekturbüro EMWE haben den Neubau geplant. Der Entwurf richtet sich nach dem Gestaltunsplan der Stadt Baden und wurde in enger Absprache mit der Stadtbildkommission geplant, wie Maisenhölder sagt. Das neue Haus wird sechs statt bisher vier Etagen haben. Statt dem charakteristischen Mansardenwalmdach des alten Hauses wird es ein Flachdach geben. «Wir wollen ein Bürgerhaus bauen, das sich gut in die Umgebung des Theaterplatzes einfügt», sagt Maisenhölder. Die helle Fassade erinnert an ein klassizistisch inspiriertes Grossstadthaus. Die Architekten haben sich bewusst eng am bestehenden «Stadthaus» auf dem Nachbargrundstück orientiert.

Im ersten Stock des Odd-Fellow-Hauses entstehen Büros, die man auch einzeln mieten kann, mit einem zentralen Sekretariat. Im zweiten Stock werden die Vereinsräume der Odd Fellows liegen, in den Etagen darüber kleine Wohnungen. Im Erdgeschoss wird wieder das Outdoorgeschäft Yanacocha einziehen, das vorübergehend an den Schlossbergplatz ausgewichen ist.

Ein Verein von freien Gesellen

Die Odd Fellows sind ursprünglich ein Verein von freien Handwerkergesellen, der im 18. Jahrhundert in England entstand. Ihre Struktur erinnert an die Freimaurerei. «Wir sind alles andere als ein Geheimbund», betont Maisenhölder. Die Odd Fellows seien aber auch kein Serviceclub, sondern ein Verein zur Förderung der Bildung und der Persönlichkeit, der ursprünglich auch Versicherungsaufgaben übernahm. So gibt es zum Beispiel heute noch eine Hilfskasse für Witwen und Waisen.

In der Schweiz gibt es 29 Logen, drei davon sind Frauenlogen. Die Badener Loge Pestalozzi wurde als zweite in der Schweiz 1872 gegründet. Heute hat sie noch 32 Mitglieder. Mit dem neuen Haus am Theaterplatz wolle man in der Öffentlichkeit wieder präsenter werden und im besten Fall neue Mitglieder gewinnen, sagt Maisenhölder. Im Moment tagt der Verein im Freihof in Wettingen.

Ab dem kommenden Montag wird das alte Haus am Theaterplatz abgebrochen. Der denkmalgeschützte Josefshof von 1910 wird dann das älteste Haus am Platz sein. Im Frühling 2019 soll der Neubau der Odd Fellows bezugsbereit sein.