Im Herbst 2020 soll das neue Botta-Bad in Betrieb geht. Die Betreiber rechnen mit rund einer halben Million Gäste pro Jahr. Wie realistisch diese Prognosen sind, wird sich zeigen. Fest steht, dass die Gewerbetreibenden in Baden zur Stärkung des Tourismusstandortes Baden beitragen wollen.

So hiessen die Mitglieder des Gewerbevereins City Com an der Generalversammlung letzte Woche einen Antrag gut, wonach die Stadt Baden eine «Tourismuszone» festlegen soll. In dieser sollen Detailhandelsgeschäfte auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet sein können. «Der Antrag wurde intensiv diskutiert», sagt City-Com-Geschäftsführer Michael Wicki.

Es hätten keinesfalls alle einfach in die Hände geklatscht. «Vielmehr wurden von einzelnen Detaillisten auch Bedenken geäussert, weil längere Öffnungszeiten natürlich auch mehr Personalaufwand mit sich bringen würden», sagt Wicki.

Doch für den Geschäftsführer spricht eigentlich alles für die Schaffung einer solchen Zone – laut Wicki der ersten in der Schweiz. «Der Stadtrat rechnet nach Eröffnung des Thermalbades mit einer überproportionalen Zunahme der Besucherfrequenz im Bereich Freizeit und Tagungen. Viele Badegäste werden auch an Sonn- und Feiertagen nach Baden kommen und dabei auch mit der Bahn anreisen. Es kann aus unserer Sicht nicht sein, dass diese Gäste in der Stadt auf lauter geschlossene Geschäfte stossen.»

Man befürworte deshalb, dass die Einkaufsmöglichkeiten für die Gäste verbessert werden. «Im zunehmenden Konkurrenzkampf mit Shoppingcentern, Bahnhofsarealen und Autobahnraststätten, die ihre Öffnungszeiten kontinuierlich erweitern, geht es auch darum, dass die Geschäfte der Innenstadt Baden ihre Marktposition behaupten können», betont Wicki.

Kein Zwang für einzelne Läden

In der Tourismuszone sollen auch an Sonn- und Feiertagen die Geschäfte öffnen können. Vorgesehen sei eine Öffnungszeit von 11 bis 17 Uhr. «Ziel ist, dass spätestens bis Weihnachten 2020 diese Einkaufszone etabliert ist», so Wicki.

Der Perimeter der Tourismuszone soll in Ausbauschritten vom Bahnhof mit Metroshop (als Kern) einerseits über die Badstrasse und den Schlossbergplatz bis zur Weiten Gasse und andererseits zum Bäderquartier führen. Ausnahmsweise sollen auch Geschäfte im angrenzenden Bereich darunterfallen.

Im Bericht des Stadtrats «Baden 2026» werde auch betont, dass der bestehende Branchenmix im Einkaufsort Baden beibehalten oder gar verstärkt und das Einkaufen mit einer hohen Erlebnisdichte verbunden werden müsse.

Wicki macht aber keinen Hehl daraus, dass die Schaffung einer solchen Zone auch für gleichlange Spiesse im Gewerbe sorgen soll. «Gewisse Betriebe können schon heute an Sonntagen ohne Sonderbewilligung geöffnet sein.»

So zum Beispiel Gastbetriebe, Bäckereien, Blumenläden, Kioske, Tankstellenshops und Bahnhofsbetriebe, oder aber die touristisch bereits heute in Baden aktiven Betriebe im Freizeitbereich. Der Detailhandel sollte in einem gewissen Umfang hier mitziehen dürfen, so Wickis Überzeugung.

«Aber nochmals: Im Vordergrund steht, gemeinsam die touristische Attraktivität der Stadt zu stärken.» Und das gehe nur, wenn alle am gleichen Strick ziehen würden. «Wir können die Detaillisten natürlich nicht zwingen mitzumachen, wir werde sie aber dazu motivieren», präzisiert Wicki.

Letztlich gehe es auch darum, für die Kunden da zu sein, wenn diese einkaufen wollen – und das sei halt vermehrt an Sonntagen der Fall. Wie es jetzt konkret weitergeht, ist noch offen. «Wir wollen aber unbedingt, dass der Stadtrat und der Einwohnerrat dazu Stellung nehmen. Denn eine solche Tourismuszone muss auch politisch abgestützt sein», ist Michael Wicki überzeugt.