Fislisbach
Offiziell bestätigt: «Buechberg» bringt Familie und Beruf unter einen Hut

Das Alterszentrum «Buechberg» wurde nach vier Jahren Arbeit für ihre Personalpolitik ausgezeichnet. Massnahmen Jobsharing und Teilzeitarbeit sollen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nachhaltig sicherstellen.

Erna Jonsdottir
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Thomas Rohrer (links), Geschäftsleiter Alterszentrum am Buechberg, übernimmt das Zertifikat «Familie und Beruf» von Daniel Huber, Geschäftsleiter «Und». Jiri Reiner

Thomas Rohrer (links), Geschäftsleiter Alterszentrum am Buechberg, übernimmt das Zertifikat «Familie und Beruf» von Daniel Huber, Geschäftsleiter «Und». Jiri Reiner

Die Chancengleichheit von Frau und Mann sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden im Alterszentrum am Buechberg grossgeschrieben. Das Prädikat «Familie und Beruf», das der Geschäftsleiter Thomas Rohrer gestern von der Fachstelle «Und» übernehmen durfte, beweist, dass diese Personalpolitik am «Buechberg» auch umgesetzt wird.

Familie UND Beruf: Label für Familienfreundlichkeit

Die Fachstelle «Und» gibt es seit über 20 Jahren, das Prädikat «Familie und Beruf» seit 2008. Es ist ein Qualitätslabel für KMU, öffentliche Verwaltungen, Bildungsinstitutionen, Non-Profit-Organisationen oder Verbände mit familienfreundlichen Anstellungs- und Arbeitsbedingungen. Wer das Prädikat will, muss die personalpolitischen Grundsätze und Leistungen auf Vereinbarkeit und Gleichstellung prüfen lassen, sie zielgerichtet optimieren und verankern. Der Prozess bis zur Verleihung dauert 9 und 18 Monate. Im Kanton Aargau verfügen der Reusspark in Niederwil und die Frauenklinik in Aarau über das Zertifikat. (ejo)

«Wir haben ein neues Lohnsystem, bieten Jobsharing und Teilzeitarbeit an, haben die Dienstpläne überarbeitet und unsere Stellenausschreibungen angepasst», erklärt Rohrer.

Neu erhalten Frauen 16 Wochen Schwangerschaftsurlaub zu 100% Lohn; vorher waren es 14 Wochen zu 80% – die Väter dürfen 5 Tage Vaterschaftsurlaub beziehen. Zudem bezahlt der Betrieb 20 Franken pro Tag an die Kinderkrippe. «Mit diesen familienfreundlichen Massnahmen schaffen wir ein gutes Arbeitsklima», sagt Rohrer.

Auch der Betrieb profitiere davon. «Wir verzeichnen höhere Rückkehrquoten nach Schwangerschaften. Zudem haben wir eine geringe Fluktuation, was die Arbeitsqualität steigert», nennt Rohrer einige Beispiele.

68 Kriterien streng bewertet

Was weder Rohrer noch die Verwaltungsratspräsidentin Edith Saner wussten: «Das Alterszentrum ist der 30. Betrieb in der ganzen Schweiz, der dieses Label erhält – eine Pionierleistung in dieser Bewegung», erklärt Daniel Huber, Geschäftsleiter von «Und».

Bereits 2010 war das Alterszentrum an einem Pilotprojekt des Kantons Aargau beteiligt, bei dem zehn KMU Massnahmen für die Förderung von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen erarbeiteten. 2012 fiel der Startschuss für die Zusammenarbeit mit «Und». «Mitarbeitende eines Betriebs müssen ihre beruflichen und familiären Anforderungen gut aufeinander abstimmen können», erklärt Trix Angst von «Und». Konkret: «Wir überprüfen insgesamt neun betriebliche Handlungsfelder mit 68 Kriterien, die wir jeweils mit einer Punktzahl von 0 bis 5 bewerten», fügt sie an. Dazu gehören unter anderem Arbeitszeiten, Lohnpolitik, Betreuungsleistungen und Unternehmenskultur. Um das Zertifikat zu erhalten, muss ein Betrieb zwischen 300 und 500 Punkten erreichen. Das Alterszentrum startete mit immerhin 240 Punkten – innert zwei Jahren konnte sich der Betrieb auf 312 Punkte steigern. «Eine solche Steigerung innert dieser kurzen Zeit haben wir noch nicht oft gesehen», betont Angst. Die Bewertungen seien streng, die Umsetzung der erarbeiteten Strategie fordere heraus.

Zurücklehnen darf sich beim Alterszentrum jedoch keiner: Das Zertifikat gilt für drei Jahre. Nach einem Controlling kann es für drei weitere Jahre erneuert werden. Die Kosten? «Die Zusammenarbeit mit der Fachstelle kostete uns 9600 Franken», sagt Rohrer. Eine Ausgabe, die sich gelohnt habe.

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