Tourismuszone
Öffnen die Läden in Badens Zentrum bald auch sonntags? Gewerbler fordern das zur Botta-Bad-Eröffnung

Im Zuge der Thermalbad-Eröffnung kommt ein Plan aus dem Jahr 2018 wieder ins Spiel: Um die Badener Wirtschaft anzukurbeln, will «City Com» mit einem Kniff bald Sonntagsverkäufe ermöglichen.

Andreas Fretz
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Blick in die Weite Gasse in Baden: Hier soll Shopping künftig auch am Sonntag möglich sein.

Blick in die Weite Gasse in Baden: Hier soll Shopping künftig auch am Sonntag möglich sein.

Severin Bigler (30. Oktober 2020

Wenn im Herbst 2021 das neue Thermalbad «Fortyseven» in Betrieb geht, sollen Geschäfte in Badens Zentrum auch an den Sonntagen offen haben dürfen. Der Badener Gewerbeverein «City Com» will einen definierten Rayon zur Tourismuszone erklären und mit diesem Kniff Shopping auch an Sonn- und Feiertagen ermöglichen.

Ganz neu ist dieser Plan nicht. Er geht auf das Jahr 2018 zurück. Seitdem ist es um das Vorhaben, das von Gewerkschafts- und Kirchenseite auch Kritik erfuhr, ruhiger geworden. Doch nun kommt wieder Schwung in die Diskussion. Ein juristisches Gutachten im Auftrag des Gewerbevereins liegt vor, das gewisse Schwierigkeiten aufzeigt und aktuell rechtliche Abklärungen erfordert.

Viele Thermalbad-Gäste kommen am Sonntag

Doch worum geht es im Detail? Die Stadt Baden rechnet nach Eröffnung des Thermalbades mit einer Zunahme der Besucherfrequenz im Bereich Freizeit und Tagungen. «Viele Badegäste werden auch an Sonn- und Feiertagen nach Baden kommen», sagt City-Com-Präsident Michael Wicki. «Es kann aus unserer Sicht nicht sein, dass diese Gäste in der Stadt auf lauter geschlossene Geschäfte stossen.» In der Tourismuszone sollen Detailhandelsgeschäfte deshalb auch an Sonn- und Feiertagen öffnen können. Vorgesehen sind Öffnungszeit von 11 bis 17 Uhr.

Der Rayon soll vom Bahnhof über die Badstrasse und den Schlossbergplatz bis zur Weiten Gasse und zum Bäderquartier führen. Wicki geht es auch um Chancengleichheit. Denn gewisse Betriebe dürfen schon heute am Sonntag geöffnet sein. So zum Beispiel Gastbetriebe, Bäckereien, Blumenläden, Kioske, Tankstellenshops und bahnhofsnahe Betriebe. Der Detailhandel sollte in einem gewissen Umfang hier ebenfalls mitziehen dürfen, sagt Wicki.

Der Regierungsrat beziehungsweise das Departement des Innern hat die Möglichkeit, über die Genehmigung einer Tourismuszone zu entscheiden. Die Regierung vollzieht das Arbeitsgesetz und darf somit beurteilen, ob ein Fremdenverkehrsgebiet vorliegt, das generelle Sonntagsöffnungszeiten erlaubt.

«Gesetz ist auf Orte wie Zermatt zugeschnitten»

Doch das erwähnte Gutachten zeigt, dass es kein Selbstläufer sein dürfte, Baden eine Tourismuszone zuzuschreiben. «Das Gesetz ist vielmehr auf Orte wie Interlaken oder Zermatt zugeschnitten und nicht für den Städtetourismus», sagt Wicki. Das Gesetz und seine bisherige Anwendung seien sehr traditionell und nicht auf die heutige Tourismussituation angelegt, hält er fest. Zurzeit befindet sich der Gewerbeverein in einer vertieften Analyse mit den hauptbetroffenen Gewerblern. Denn es brauche Ressourcen und finanzielle Mittel, um Analysen und Konzepte zu erstellen und die Interessen zu vertreten. Wicki wünscht sich, dass auch Stadt- und Einwohnerrat hinter dem Vorhaben stehen.

Ressourcen vernünftig einsetzen

Und über allem steht die Frage, ob sich der Sonntagsverkauf für die Geschäfte lohnt. Aus der einen Seite sei Sensibilität gegenüber dem Arbeitsgesetz und den Angestellten gefordert, auf der anderen Seite stehen die Bedürfnisse der 24-Stunden-Gesellschaft. «Es ist unabdingbar, dass die grossen Detaillisten wie Coop, Migros und Manor vorangehen», sagt Michael Wicki, denn nur dann würden auch die kleineren Läden mitziehen. Mittlerweile wird auch über eine Redimensionierung des ursprünglichen Plans nachgedacht. «Es muss abgeklärt werden, ob mit einem reduzierten Rayon begonnen werden müsste, um weitere Erkenntnisse zu erhalten», sagt Wicki. Denkbar sei etwa ein Rayon mit den bahnhofsnahen Betrieben, wo der Sonntagsverkauf schon heute gesetzlich erlaubt wäre, aber aktuell nur von Coop genutzt wird. Möglich sei aber auch, dass am Ende die benötigten finanziellen Mittel fehlen und das Projekt wieder eingestellt werden müsse. «Wir wollen unsere Ressourcen vernünftig einsetzen», sagt Wicki.

Im Vordergrund steht zwar gemeinsam die touristische Attraktivität der Stadt zu stärken, aber Wicki gesteht auch ein, dass die Coronapandemie eine schwierige Zeit sei, um jetzt Entscheide zu treffen. «Die Frequenzen im öffentlichen Verkehr und somit am Bahnhof sind eingebrochen. Und die Geschäfte haben genug damit zu tun, den aktuellen Betrieb zu optimieren, statt sich noch um allfällige Sonntagsverkäufe Gedanken zu machen.» Aber der City-Com-Präsident sagt auch: «Wenn wir es nicht versuchen, wird sich nichts ändern.» Eine Tourismuszone würde für Baden zweifellos einen Mehrwert bringen. Baden als Zentrumsstadt müsse das Einkaufserlebnis und ein vielfältiges Angebot aufrechterhalten. «Und da ist es wichtig, dass dieses auch zugänglich ist», so Wicki.

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