Baden
Oliver Schnyder spielte an den Januarabenden mit Kopf und Herz

Der Pianist Oliver Schnyder spielte an den Januarabenden die Konzertreihe Marina Korendfeld mit Werken von Schubert, Mendelssohn und Brahms. Er führte das gesamte Konzert auswendig auf und überzeugte mit klaren Interpretationen und viel Energie.

Anja Wernicke
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Der Pianist Oliver Schnyder.

Der Pianist Oliver Schnyder.

ZVG

Im Gartensaal der Villa Boveri zu spielen, sei für ihn wie ein Hauskonzert. Mit diesen Worten eröffnete der Pianist Oliver Schnyder den ersten von drei Konzertabenden am vergangenen Freitag in Baden. Schnyder stammt aus Brugg, studierte in Zürich und Baltimore (USA). Er ist Gründer und künstlerischer Leiter der Badener Klavierreihe «Piano District». Von Freitag bis Sonntag spielte Schnyder zwei Solorezitale und ein abschliessendes Konzert mit Klavierquintetten; alle drei waren schon im Voraus ausverkauft.

Gartensaal nicht optimal

Jederzeit war Schnyder bei seinen Interpretationen präsent und brillierte mit seinem direkten, gegenwärtigen Klang. Allerdings wurde beim ersten Stück des Abends – der eher selten gehörten Klaviersonate Sonate A-Dur (D. 664) von Franz Schubert – ebenso klar, dass Schnyder meist geradeaus interpretiert. Sicher ist das vor allem auch dem Raum zu schulden. Denn der kleine Gartensaal hat zwar eine gediegene Atmosphäre, lässt aber mit seinen glatten Steinwänden den Klang trocken und hart wirken. Klangfarbliche Abstufungen, musikalische «Schattenseiten» und eine Prise Geheimnis sind da schwer abzugewinnen.

Überwältigende Energie

Schnyder spielte zwar überaus kraftvoll und konzentriert, sowie an den entsprechenden Stellen sanft und poetisch. Doch gerade der Musik von Franz Schubert wohnt immer eine abgründige Seite inne, die in diesem Falle weniger zum Tragen kam.

Überwältigende Energie und Dichte

In den darauffolgenden «17 Variations sérieuses, op. 54» von Felix Mendelssohn Bartholdy überzeugte Schnyder, der übrigens das ganze Konzert auswendig aufführte. Die schnellen Läufe meisterte er mit Bravour und führte durch dieses Werk, das kaum Atempausen zulässt.

Die Sonate Nr. 3 in f-Moll, op. 5 von Johannes Brahms zum Abschluss des Konzerts war ebenfalls mit Kopf und Herz gespielt. Doch ob der überwältigenden Energie und Dichte, hätte man sich gewünscht, etwas mehr Luft zwischen Bühne und Publikum zu haben.