Daniel Wiederkehr, Sie gehen in Rio im Leichtgewichts-Doppelzweier für die Schweiz an den Start. Überwiegt die Vorfreude oder die Nervosität auf diesen Grossanlass?

Daniel Wiederkehr: Die Vorfreude. Rudern findet in der Schweiz normalerweise keine grosse Beachtung. Aber während den Olympischen Spielen rücken wir in den Vordergrund, darum ist Olympia für einen Ruderer das Grösste.

Es sind Ihre ersten Spiele. Kein bisschen nervös?

Doch, doch. Je näher der Wettkampf kommt, desto grösser wird die Anspannung. Ich habe diesem Ziel vier Jahre lang alles untergeordnet. Meine ganze Familie reist nach Brasilien, um mich anzufeuern.

Dann können Ihre Eltern Sie ja ein wenig beruhigen ...

Nein, ich werde mit niemandem aus meinem Umfeld während der Wettkampfwoche (7. bis 12. August, Anmerkung die Red.) Kontakt haben.

Wie bitte, warum denn das?

Meine Familie würde mich nur ablenken. Ich brauche den Tunnelblick, die volle Konzentration, um meine Best-Leistung abrufen zu können.

Daniel Wiederkehr auf dem Wettinger Stausee.

Daniel Wiederkehr auf dem Wettinger Stausee.

Sie studieren Wirtschaftsingenieur an der Fachhochschule in Windisch. Brechen Sie während der Prüfungszeit jeweils auch den Kontakt zu Ihrem Umfeld ab?

Nein (lacht), aber ich ziehe mich zurück. In diesen Phasen setze ich Prioritäten und diese müssen von meinem Umfeld akzeptiert werden.

Studium und Spitzensport – wie ging das in den vergangenen vier Jahren?

Zu Beginn klappte es ganz gut, ich konnte in Windisch zur Schule gehen und in Neuenhof trainieren. Aber als wir 2014 einen neuen Nationaltrainer erhielten, änderte sich die Situation.

Inwiefern?

Er wollte, neben den vielen Trainingslager, alle Ruderer vom A-Kader von Mittwoch bis Sonntag in Sarnen haben.

Haben Sie Ihr Studium dafür unterbrochen?

Nein, ich habe noch bis im Frühling 2015 weitergemacht. Dann aber legte ich eine Pause ein, weil ich mich voll auf Rio konzentrieren wollte. Leider kam dann eine dumme Verletzung dazwischen…

…erzählen Sie.

Ich laborierte im Herbst an einer Sehnenscheidenentzündung im rechten Arm und konnte nur mit Schmerzen trainieren. Als es nicht besser wurde, legte ich mich Mitte Dezember unters Messer. Kurze Zeit später entzündete sich dann der linke Arm und ich musste mich ein zweites Mal operieren lassen. Erst im März konnte ich wieder aufs Wasser zurückkehren.

Mit Erfolg. Sie gewannen vor wenigen Wochen die Schweizer Meisterschaften.

Ja, ich erholte mich gut und konnte trotz Trainingsrückstand schnell
aufholen. Den Schweizer-Meister-Titel holte ich allerdings im leichten Einer. An Olympia trete ich gemeinsam mit meinem Luzerner Freund Michael Schmid an.

Sie sind der einzige Olympiafahrer aus der Region Baden. Ehrt Sie das?

Es ist schon speziell. Ich bin in der Stadt Baden geboren und aufgewachsen. Heute wohne ich leider weniger als 100 Tage im Jahr in Baden, da ich sonst im Trainingslager oder in Sarnen bin. Darum freue ich mich immer wieder, wenn ich zurück nach Baden komme. Seit 26 Jahren war niemand mehr vom Ruderclub Baden an den Olympischen Spielen. Ich bin stolz, die Stadt und das Land im Sport vertreten zu dürfen.

Die Hoffnung auf eine Medaille?

Diese Frage musste ja kommen (lacht). Unser Ziel ist der 8. Platz und somit ein olympisches Diplom. Wenn wir es unter die letzten sechs und in den A-Final schaffen würden, wäre das sensationell.