Wir treffen uns mit Nik Fischer, dem Gründer des «One of a Million»-Festivals (OOAM), im neuen umweltbewussten Café ohne.ch. Nik Fischer telefoniert, ein Espresso steht vor ihm auf dem Tisch. Das Festival beginnt bald und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Es gibt Kommunikationsschwierigkeiten mit dem syrischen Musiker Rizan Said. Die Verständigung auf Englisch ist schwierig, erzählt Fischer, nachdem er aufgelegt hat. Zum Glück spricht Bahur Ghazi, seit Neuem bei der Badener Band «One Sentence Superviso», ebenfalls Syrisch, er wird übersetzen können. Auch das gehört zu einem erfolgreichen Festival: Kreative Lösungen auf Unvorhergesehenes zu finden und vernetzt zu denken.

Nik Fischer wirkt trotz allem ruhig. Es ist immerhin nicht das erste Festival, das er organisiert: Das «One of a Million»-Festival findet dieses Jahr bereits zum achten Mal statt und es ist über die Jahre beständig gewachsen. 2016 und 2017 standen sie auf der Shortlist des Best European Festivals in der Kategorie «Best Indoor Festival».

Angefangen mit 500 Besuchern

Angefangen hat alles im Jahr 2011. Nachdem das Lokal Herbert an der Bäderstrasse, in dem immer wieder kleine musikalische Darbietungen stattgefunden hatten, auf Druck der Nachbarschaft aufgegeben werden musste, kam erstmals die Idee auf, ein Festival zu gründen. Zusammen mit den Brüdern Flurin und Martin Isler veranstaltete Nik Fischer im Februar 2011 das erste «One of a Million»-Festival. Die Besucherzahlen fielen noch bescheiden aus, an zwei Festivaltagen erschienen rund 500 Personen im Nordportal. Im nächsten Jahr waren es schon drei Mal so viele Besucher und im dritten Jahr, als das ehemalige Royal zum Veranstaltungsort umfunktioniert wurde, galt das «One of a Million» bereits als Geheimtipp unter Musikfans.

«Lange haftete uns das Label des Singer-Songwriter-Festivals an. Dabei waren von Anfang an Bands verschiedenster Genres dabei. Bereits im ersten Jahr war eine französische Electro-Kombo vertreten und wir hatten ein Psych-Rock aus den USA da.», erklärt Nik Fischer. Mittlerweile sei dies passé. Das «One of a Million» hat sich weit über die Stadtgrenzen als Entdeckerfestival etabliert, das ein breites Spektrum an Musikrichtungen repräsentiert. Fast 4000 Menschen finden mittlerweile den Weg ans Festival.

Aber nicht nur in musikalischer Hinsicht gilt das «One of a Million» als Entdeckungsreise. Mit der steigenden Nachfrage kamen über die Jahre immer mehr Veranstaltungsorte hinzu. Längst handelte es sich dabei nicht mehr nur um Clubs und Bars. Bespielt wurden nun auch Kunsträume, Cafés und Restaurants wie der Rebstock, das beeindruckende Atrium des Hotels Blume oder die Sebastianskapelle. Zum Konzept des Festivals gehört es, dass die Konzerte nacheinander stattfinden, sodass man sich nicht für eines entscheiden muss. Wer schon einmal am Festival dabei war, weiss, wie es sich anfühlt, wenn man sich nach einem Konzert inmitten einer Besucherschar zur nächsten Lokalität treiben lässt und am neuen Ort wieder eintauchen kann. «Über das Wechseln der Lokalitäten war nun plötzlich ein viel intensiverer Stilmix möglich.», erzählt Nik. «Beim Planen des Programms achten wir generell darauf, dass die Band in einen bestimmten Raum passt, sodass es zu so etwas wie einer Symbiose zwischen Musik und Raum kommt, in die man tatsächlich eintauchen kann.»

Überraschende Konzertlokale

Auch dieses Jahr haben die Organisatoren dafür gesorgt, dass auch die alteingesessensten Badener neue Ecken in der Stadt kennenlernen: So findet zum Beispiel im Musikgeschäft Zero Zero, das neu im Dachstock im Merker-Areal hausiert, ein Konzert des Duos «Ikan Hyu» zwischen der grössten Vinyl-Auswahl schweizweit statt. Neu ist auch die Reformierte Kirche ein Veranstaltungsort, dort findet ein filigranes Folk-Konzert des Franzosen Raoul Vignal statt. Mit seiner sanften Stimme und den langen braunen Haaren passe er perfekt in diese Räumlichkeit, meint Nik Fischer mit einem Schmunzeln.

Und schliesslich spielen «Acid Amazonians» in der Werkstatt unweit vom Lindenplatz improvisierte elektronische Musik. Für all jene, die einmal reinschnuppern wollen, ist der Eintritt für die genannten Konzerte im Rahmen der OOAM-Stadtkonzerte frei.