Der Club Joy füllt sich langsam mit Menschen, Gesprächen, Vorfreude. Auf der Bühne stehen die Brüder Mario und David Hänni von «Rio». Geübte Hände drehen an Knöpfen von Synthesizern und Stimmwirbeln von Gitarren, bereiten vor, stimmen ein. Keyboard und E-Gitarre werden auf Lautstärke geprüft.

Langsam werden die Klänge länger, gleichmässiger. Dann setzt Marion Hänni einen Loop, das eben Gespielte wird mit einer zweiten Gitarrenstimme überspielt. Das Lied gewinnt an Form. Spätestens jetzt ist klar: Das alles hatte bereits Teil an dem Konzert. Der fliessende Übergang von Ausprobieren und Experimentieren wird selbst als musikalische Performance inszeniert. Das Publikum versteht und geht mit.

Es sind dies die allerersten Minuten des 7. «One of a Million»-Festivals, das diesen Freitag eröffnete und gleichzeitig eine mise-en-scène dessen, was in den nächsten Tagen folgen wird: Ganz viel musikalische Überraschungen, eine Menge junge, talentierte Musikerinnen und Musiker, Mut über Genregrenzen hinaus zu spielen und ein Publikum, das sich mitnehmen lässt auf eine musikalische Entdeckungsreise.

OOAM2017: Der Trailer zum Festival

OOAM2017: Der Trailer zum Festival

Music: Hermigervill

Eine musikalische Schatzsuche

In der Stanzerei gings kurz darauf weiter mit der welschen Band Sandor, die starke weibliche Stimme des Abends, die mit mystischem Synthwave und poetischen Lyrics auf Französisch begeistern. Als Geheimtipp des Abends galt der Hip-Hop-Künstler und Rapper Astronautalis im Royal und dies wie sich zeigen sollte zu Recht: Der Amerikaner entpuppte sich als musikalisches Chamäleon mit einer breiten Palette unterschiedlicher Songs, die von melancholisch bis zu ansteckenden Partytunes reichten. Sein letztes Lied, das er als Zugabe gab, war ein spontaner Rap und eine Ode an das Festival, an die Organisatoren und das Publikum. Nicht weniger tanzbar war die Musik der französischen Band «Samba de la Muerte». Der poppige Electro mit exotischen Noten eroberte die Besucher im Sturm und ist definitiv ein Name, von dem man in Zukunft noch einiges hören wird. Noch bis in die frühen Morgenstunden bleibt die Stanzerei Musikmekka.

Am Samstag begannen die Stadtkonzerte bereits am Nachmittag in verschiedenen Lokalitäten Badens und wurden begehrte Ziele einer musikalischen Schatzsuche. Im Museum Langmatt, im Rebstock, in der Cava Bar, im Kunstraum und im E-Punkt warteten Musiker(duos) im intimen Rahmen auf die Musikliebhaber. Mit dem Eindunkeln verlagerte sich das Geschehen wieder auf die grösseren Bühnen: Noch bis zum nächsten Wochenende spielen 51 Acts in den charmantesten Ecken der Stadt und laden auf eine musikalische Entdeckungsreise ein. Ob Hip-Hop, Electropop, Singer-Songwriter oder Jazzpop: Das «One of a Million» hält auch dieses Jahr wieder so einige musikalische Goldperlen bereit.