Einen Termin mit Nik Fischer, dem Gründer und einem der fünf Hauptorganisatoren des One of A Million Festivals im Januar zu finden, ist kein einfaches Unterfangen. Zum Interview erscheint Fischer überraschend gelassen. Er nimmt sich Zeit für die Fragen und lässt sich vom Trubel der Festivalvorbereitungen nebst seinen anderen beruflichen Verpflichtungen jedenfalls nichts anmerken. Die Vorbereitungen laufen super, sagt Fischer. In den letzten Tagen und Wochen sei nicht nur bei ihm, sondern im ganzen Team eine Art „innerer Ruhe eingekehrt. Es herrscht eine arbeitsame, konzentrierte Atmosphäre, in der jede und jeder seine Pendenzen abarbeitet.“ Dass das Festival im nächsten Jahr bereits sein 10-jähriges Bestehen feiern wird und die Veranstalter somit auf einige Jahre Erfahrungen zurückgreifen können, zeigt sich u.a. daran wie eingespielt das Team ist. Neu besteht die Festivalleitung aus fünf statt drei Personen. „Neben Christoph Küng und mir sind neu Nina Hodel, Verantwortliche für die interne und externe Kommunikation, Moritz Meier, Verantwortlicher für den Bereich Nachhaltigkeit und Logistik, und Fabian Mösch als Nachfolger von Nico Schulthess, Leiter Produktion, mit von der Partie.“, erzählt Nik Fischer, „so sind wir für die Zukunft des Festivals gewappnet.“

Festival mit politischer Haltung

Seit seinem Debüt 2011 ist das Festival stetig gewachsen, sodass mittlerweile 58 Acts aus 17 Ländern auf dem Programm stehen. „Der Gründungsgedanke von damals war geprägt von einer Art Lokalpatriotismus. Wir waren frustriert, dass man für ein Bier oder ein Konzert immer nach Zürich fahren musste.“ Weil das Angebot in Baden fehlte, wurde das Kulturlokal herbert. eröffnet, dessen Team schliesslich das Festival ins Leben rief. Noch immer gehört das intime Musikerlebnis in diversen Lokalen und unkonventionellen Räumen der Stadt zu den Aushängeschildern des Festivals. Mit dem Wachstum des Festivals trage man heute aber eine grössere Verantwortung, meint Fischer. Dieses Jahr findet neben Konzerten und eindrücklichen Klanginstallationen (z.B. am 3. und 4. Februar im Kraftwerk Aue) auch eine Podiumsdiskussion in der Galerie 94 statt, bei der PolitikerInnen und Kulturschaffende darüber diskutieren, wie Nachhaltigkeit in der Kultur Platz hat.

Seit zwei Jahren gibt es in der Festivalleitung ein Ressort, das sich mit diesen Fragen beschäftigt. Von der Verpflegung am Festival, die durchgängig vegetarisch ist und aus regionalen und saisonalen Produkten zubereitet wird, über die CO2-niedrig gehaltenen Transportwege der Künstler mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder der Instrumente mit Elektrofahrzeugen bis zur bewussten Auswahl der Sponsoren und Partner, wird der Nachhaltigkeitsgedanke am Festival nicht nur reflektiert und diskutiert, sondern auch wirklich gelebt.

Als Musikfestival eine politische Haltung einzunehmen ist für Fischer selbstverständlich. Denn wo  Musik zum reinen Entertainment verkommt, ist es gehaltlos und entbehrt wichtiges, kulturpolitisches Potential. Nachhaltigkeit in der Musikindustrie ist am One of a Million das eine Thema. Das andere, so zeigt der Blick auf das Programm, ist Sexismus: „Noch immer sind die meisten Musikproduzenten bei Labels und Booking Agenturen männlich. Das wirkt sich leider häufig auf die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler aus. Am OOAM Festival spielen dieses Jahr bei 30 der insgesamt 58 Acts Frauen die oder eine zentrale Rolle, ausserdem treten queere Bands wie Air Waves oder Asbest auf.

Ebenfalls ein neues Format ist das Schaufenster. Im leer gewordenen Ladenlokal an der Bahnhofstrasse 6 halten während des Festivals Schweizer Kunstschaffende ihre Eindrücke an den Wänden, Böden und Decken fest. Ab dem 2. Februar findet in der Zwischennutzung täglich von 17 - 18 Uhr ein Apéro statt bei dem der Prozess laufend miterlebt werden kann und in dem am 2., 5. und 9. Februar zudem ein freies Konzert stattfinden wird; ein demnach in mehrfacher Hinsicht spannender Ein- beziehungsweise Ausblick.