Expansionskurs
Online-Händler Brack übernimmt nun auch noch «Musicplace»

Online-Händler Brack.ch stösst mit dem Kauf von musicplace.ch in den Musikmarkt vor. Auf der Website soll damit die achte «Themenwelt» geschaffen werden.

Peter Brühwiler
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Roland Brack, Gründer und Inhaber der Firma Brack.ch in Mägenwil. Chris Iseli

Roland Brack, Gründer und Inhaber der Firma Brack.ch in Mägenwil. Chris Iseli

Chris Iseli

Brack.ch expandiert weiter. Nachdem der zur Competec-Gruppe des Bözners Roland Brack gehörende Onlinehändler im November letzten Jahres die OHC Computer GmbH geschluckt hat, übernimmt er jetzt das vor 13 Jahren von Oliver Erismann gegründete Online-Musikhaus «Musicplace».

An mangelnder Erfahrung wird die Integration des Einmann-Unternehmens aus Spreitenbach sicher nicht scheitern. Seit der Gründung vor 20 Jahren habe Brack.ch etwa 30 Firmen- oder Kundenübernahmen getätigt, sagt Firmensprecher Daniel Rei. Lediglich in jüngster Zeit hat sich der in Mägenwil beheimatete Onlinehändler etwas zurückgehalten, nicht zuletzt wegen Platzproblemen in seinen bis vor kurzem über den Aargau verstreuten Lagerhallen.

Der sechstgrösste Onlinehändler

Nachdem die Logistik 2012 in Willisau zentralisiert wurde, wo heute 110 der insgesamt 440 Competec-Angestellten arbeiten, sind diese Probleme Vergangenheit: Auf einer Betriebsfläche von 55'000 Quadratmetern betreibt Brack.ch unter anderem ein automatisches Lager mit 86'500 Behältern für Kleinteile wie USB-Sticks oder Shampooflaschen. Ein Ausbau des Roboterlagers ist laut Rei dieses Jahr geplant.

Die gesamte Competec-Gruppe, zu der neben der Brack.ch AG das IT-Handelsunternehmen Alltron AG gehört, erzielte 2013 einen Umsatz von 445 Millionen Franken. Im Jahr 2014 wurde laut Rei die 500-Millionen-Grenze geknackt. Zahlen für die Tochtergesellschaft nennt das Unternehmen nicht.

Gemäss einer Schätzung der Carpathia Consulting GmbH ist Brack.ch mit einem Umsatz von 140 Millionen Franken der sechstgrösste Schweizer Onlineshop, wobei Kunden-zu-Kunden-Plattformen wie Ricardo ausgenommen sind. Nun soll der Umsatz weiter gesteigert werden. Die Abläufe im Logistikzentrum hätten sich gut eingespielt, sagt Rei. «Wir haben eine gute Quote an rechtzeitigen Lieferungen.» Deshalb auch der Beschluss, auf der Website mit der Musicplace-Übernahme die nunmehr achte «Themenwelt» namens «Musik und Instrumente» zu schaffen.

Die Margen schwinden

Mit dem Deal gehen der Kundenstamm, die Lagerbestände sowie Onlineshop, Domain und Marke «musicplace.ch» an Brack.ch über. Auch das Know-how von Musicplace-Gründer Erismann sichert sich der Onlinehändler. Erismann betreut für Brack.ch künftig die Sortimentsbereiche Musikinstrumente, Studio-, Bühnen- und Tontechnik sowie DJ-Equipment. Den Verkauf begründet der bisherige Alleinunternehmer in einer Medienmitteilung mit dem zunehmend schwierigen Marktumfeld.

Inzwischen kämpften viele Onlinegeschäfte aus dem In- und Ausland sowie klassische Ladengeschäfte um Anteile im Schweizer Musikmarkt. Gleichzeitig wüchsen die Ansprüche der Kunden hinsichtlich Service, Verfügbarkeit und Preisen. Die Folge: «Es zeichnet sich eine Konsolidierung des Marktes ab.» Deshalb habe er verschiedene Optionen evaluiert, unter anderem den Zusammenschluss mit Brack.ch.

Konsolidierungsdruck herrscht natürlich nicht nur im Musikmarkt, sondern im Onlinehandel allgemein. «Händler mit kleinem Verkaufsvolumen oder solche, die sich beispielsweise nur auf IT-Produkte konzentrieren, werden Mühe haben, mitzuhalten», prophezeit Rei. «Denn die Margen sinken weiter.»

Brack.ch, 1994 als reiner IT-Händler gestartet, sei deshalb kontinuierlich auf der Suche nach Geschäftsbereichen mit höheren Margen. Unterdessen bietet das Unternehmen rund 70'000 Produkte an. Mit der Sparte «Musik und Instrumente» kommen etliche neue hinzu. Zumindest das Logistikzentrum setzt dem Wachstum derzeit keine Grenzen. Die Lagerhalle sei noch nicht ausgelastet, so Rei. «Zudem verfügen wir über Baulandreserven.»