Online-Party und E-Sports-Turnier

Animator Ivo Richner erklärt, wie die Jugendarbeit und die Jugendlichen selbst mit der Coronapandemie umgehen.

Cristina Wenzinger
Drucken
Teilen

Sie wollen reisen, sich verlieben, Spass haben, ihr erstes Geld verdienen. Jetzt sitzen sie daheim und blicken einer ungewissen Zukunft entgegen: die Jugendlichen. «Viele Erlebnisse, die man in der Jugendzeit braucht, um gesund aufwachsen zu können, fallen jetzt weg», sagt Ivo Richner, Leiter der Kinder- und Jugendanimation Baden. Besonders im Bereich der Jugendarbeit merke man, wie die Pandemie die Jugendlichen treffe.

Normalerweise bietet die Kinder- und Jugendanimation unterschiedliche Angebote in der Innenstadt als auch in den Quartieren der Stadt Baden an. Während der Mittagspause können die Jugendlichen beispielsweise einen Mittagstreff besuchen und im Anschluss an die Schule können sie sich im Jugendladen «Kings» treffen, um zu reden, Kontakte zu knüpfen oder Projekte zu organisieren.

Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr änderte sich das, denn auch die Kinder- und Jugendanimation musste ihre Treffpunkte schliessen. «Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder wir machen alles dicht oder wir lassen uns eine Alternative einfallen. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden», sagt Ivo Richner.

Online-Präsenz und mobile Jugendarbeit intensiviert

Da die Kinder- und Jugendanimation Baden bereits früher auf Social Media präsent war, entschied sie sich kurzerhand, ihre Onlinepräsenz weiter auszubauen. «Innerhalb einer Woche haben wir komplett auf digitale Angebote umgestellt», sagt Richner.

Unter anderem veranstaltete die Kinder- und Jugendanimation Online-Treffen und E-Sports-Turniere oder belieferte die Jugendlichen mit Videos für Freizeitideen zu Hause. Sogar digitale Partys, in denen der DJ von zu Hause aus streamt, fanden statt. All diese Angebote kamen bei den Jugendlichen gut an und die Jugendarbeit konnte trotz physischer Hindernisse mit den Jugendlichen in Kontakt bleiben. «Ausserdem konnten wir online Jugendliche erreichen, die wir sonst nicht erreicht haben», sagt Ivo Richner.

Nebst dem Ausbau der Online-Präsenz hat die Kinder- und Jugendanimation auch die ­mobile Jugendarbeit intensiviert. «Wir waren vermehrt im öffentlichen Raum unterwegs, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben. Aber auch, um sie darauf aufmerksam zu machen, wenn die Massnahmen nicht eingehalten wurden», sagt Richner. «Wir haben versucht, die Jugendlichen zu sensibilisieren, wie wichtig es ist, dass die Regeln auch von ihnen eingehalten werden», fährt der soziokulturelle Animator fort.

Als die Massnahmen gelockert wurden, öffnete die Jugendanimation ihre Angebote wieder, wenn auch mit ent­sprechenden Schutzmassnahmen. In allen Angeboten galten die gängigen Schutzmassnahmen inklusive einer Maskenpflicht ab dem zwölften Lebensjahr. «Man hat gemerkt, dass die Besucherzahlen dadurch leider abgenommen haben», sagt Richner.

Jugendrebellion kann nicht ausgelebt werden

Ivo Richner versteht, dass es Jugendliche gibt, welche die Massnahmen nicht immer nachvollziehen können. «Diese Zeit verunsichert die Jugendlichen und trifft sie sehr, sei das nun bei der Stellensuche oder in der sozialen Entwicklung», sagt Richner. «Genauso gehört zum Jugendalter auch eine Prise Rebellion. Diese kann in der aktuellen ­Situation und durch die starken Einschränkungen fast nicht ausgelebt werden», fährt der 35-Jährige fort. Umso positiver überrascht ist der soziokulturelle Animator von den Jugendlichen. «Grundsätzlich können wir feststellen, dass sich der Grossteil der Jugendlichen sehr gut an die Regeln hält. Das finde ich beeindruckend», sagt Ivo Richner.

Aktuelle Nachrichten