Klassik
Orchestergesellschaft Baden will mit neuem Namen in die Zukunft schreiten

Neuer Name, neuer Schwung? Die Orchestergesellschaft Baden heisst neu sinfonia.baden. Die Namenstaufe wird im Konzert vom 9. November in der Trafohalle begangen.

Sibylle Ehrismann
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Stark verjüngt: Dirigentin Felicitas Gadient (Mitte) vor der Orchestergesellschaft Baden, die nun sinfonia.baden heisst. archiv

Stark verjüngt: Dirigentin Felicitas Gadient (Mitte) vor der Orchestergesellschaft Baden, die nun sinfonia.baden heisst. archiv

Die Orchestergesellschaft Baden erlebt zurzeit einen Schub junger Orchestermitglieder, nun trägt sie auch einen neuen, frisch klingenden Namen: sinfonia.baden. Die Namenstaufe wird im Konzert vom 9. November in der Trafohalle mit Ständerätin Christine Egerszegi, die sich als Gotti der sinfonia.baden zur Verfügung stellt, und dem Cellisten und «Götti» Daniel Schaerer begangen.

Die Liebhaber-Orchester haben auch heute eine wichtige Bedeutung für das Musikleben der Region. Das gemeinsame Musizieren, den grossen Orchesterklang aktiv mitzugestalten, das sind tolle musikalische Erlebnisse. Hier kann man aber auch, wenn man Berufsmusiker ist oder wird, wertvolle Orchestererfahrungen sammeln. Und für junge Solistinnen und Solisten, die möglicherweise sogar aus der Region kommen, bietet sich die Gelegenheit, früh mit grossem Orchester aufzutreten.

Doch die Orchestervereine sind, wie viele Chorvereine, Kinder des 19. Jahrhunderts. Bürgerliche Musikliebhaber schlossen sich einst zusammen, um in der Freizeit klassische Musik zu pflegen, Berufsorchester gab es noch kaum in der Schweiz. Mittlerweile hat sich das professionelle Musikleben auch in den Regionen stark entwickelt, und im Berufsleben fehlt oft die Zeit, das Spielen eines Instruments auf so hohem Niveau zu erhalten. Deshalb kämpfen viele Orchestervereine mit Überalterung und mit einem leicht verstaubten Image.

Ein Drittel ist jünger als 30

Dass die Badener Orchestergesellschaft seit gut einem Jahr eine deutliche Verjüngung verzeichnen kann, ist deshalb sehr aussergewöhnlich. Ausgelöst haben diesen dynamischen Schub einige Musiker des Siggenthaler Jugendorchesters, die ins Badener «Erwachsenenorchester» wechselten, und die Verpflichtung der dortigen jungen Konzertmeisterin Regula Schärli aus Ennetbaden. Sie steht nun der sinfonia.baden vor. So kann sinfonia-Präsident Celestino Padeste heute stolz konstatieren: «Rund ein Drittel unserer Musikerinnen und Musiker ist mittlerweile unter 30 Jahre alt.»

Mit dem neuen Namen sinfonia.baden wird das für Jüngere wenig attraktive Vereins-Image entstaubt, und die ansprechende neue Homepage lädt beschwingt zum Mitmachen ein. Die künstlerische Leiterin und Dirigentin Felicitas Gadient freuts. «Natürlich gibt so etwas auch Schwierigkeiten, denn die Jungen müssen sich mit den Bisherigen zuerst zu einem Orchester finden», meint sie in unserem Gespräch. Doch dank der geschickten Führung Gadients fand man in der sinfonia.baden nicht nur schnell und gut zusammen, auch die Qualität konnte gesteigert werden.

Davon zeugt das mutige Programm vom Tauf-Konzert im November. Robert Schumanns 3. Sinfonie, die «Rheinische», hat einen kraftvoll beschwingten Zug, sie fordert aber auch ländlerhafte Leichtigkeit und sanfte Bläser-Idylle. Natürlich spielen auch Laien gerne einmal eine berühmte Sinfonie wie diese. «Es ist aber wichtig,» so Felicitas Gadient, «dass wir nicht nur das spielen, was alle kennen und die Profi-Orchester eh besser können. Ich bin stets auf der Suche nach technisch leichteren, aber durchaus lohnenden Stücken, die nicht jede(r) kennt.»

Katrin Lüthi wieder begegnen

Gadient hat ein gutes Gespür für schöne und interessante Programme, mit denen sie auch die jungen Laien-Musiker(innen) zu begeistern und bei der Stange zu halten vermag. So etwa mit dem herrlich spielfreudigen Konzert für Streichquartett und Orchester op. 131 von Louis Spohr (1784–1859), das im Tauf-Konzert zu hören ist. Gespielt wird es vom jungen, aufstrebenden Schumann-Quartett, das bereits mehrere Wettbewerbe gewonnen hat.

Und im Frühlingskonzert kann man erneut der bekannten Badener Sängerin Katrin Lüthi begegnen. Sie gehört zu den jungen Nachwuchskünstlern, die auch dank der Orchestergesellschaft in Baden früh mit Orchestern auftreten konnte und ihren Weg machte. Sie wird farbenreich schillernde Orchesterlieder von Gustav Mahler und Richard Strauss singen. Felicitas Gadients Wunsch für die Zukunft ist, dass die sinfonia.baden mit solch reizvollen Programmen auch die hiesigen Musiklehrer und deren begabte Schüler vermehrt zum Mitspielen motivieren kann.

Konzert Baden, Trafohalle: So, 9. Nov., 17 Uhr. Details: sinfonia-baden.ch

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