Wettingen
Organist Stefan Müller hat in der Klosterkirche ein neues Instrument eingeweiht

Organist Stefan Müller und Gitarrist Martin Pirktl haben die neue Saison «Orgelkonzert in der Klosterkirche» eröffnet. Im ersten Teil des Konzerts hat Müller ein neues Claviorganum eingeweiht, in der zweiten Hälfte hat er auf einem Hammerflügel gespielt.

Vera Frey
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Das Spiel von Stefan Müller am Hammerflügel und Martin Pirktl an der Gitarre harmoniert.

Das Spiel von Stefan Müller am Hammerflügel und Martin Pirktl an der Gitarre harmoniert.

Vera Frey

«Altes neu erleben» – dies war das Motto des Auftaktkonzertes der neuen Saison «Orgelkonzert in der Klosterkirche». Der erste Konzertteil stand im Zeichen der enharmonischen Musik. Zudem konnte Organist Stefan Müller ein neues Claviorganum mit Viertelton-Tastatur der Orgelbauer A. Hauser und M. Scheer einweihen.

Ein Claviorganum ist eine Pfeifenorgel, die mit einem Cembalo zusammengebaut ist. Das Instrument hat einen sehr besonderen Klang, der voller ist als der eines Cembalos und spröder als der einer Orgel. Müller setzte das Instrument mit einer Auswahl chromatischer Werke gekonnt in Szene – für die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer in der Klosterkirche ein ganz neues, spezielles Klangerlebnis.

Organist erklärte Claviorganum

Durch die interessanten Erläuterungen von Stefan Müller zu den Stücken, dem Instrument und dessen speziellen Temperierung wurde diese Musik nicht nur hörbar, sondern auch verständlich. Nur die klimatischen Bedingungen machten dem neuen Instrument etwas zu schaffen.

In der zweiten Hälfte des Konzerts stand dann mit einem Hammerflügel ein ganz anderes Instrument im Mittelpunkt. Auf dem Programm standen von Komponisten der Romantik bearbeitete Werke von Johann Sebastian Bach. Die zusätzlichen Solostimmen bei den Inventionen und Präludien sowie einen Part der «Variationen über eine Sarabande von Bach» von Carl Reinecke übernahm Martin Pirktl an der Gitarre. Der zarte Klang des Hammerflügels harmonierte dabei wundervoll mit dem der Gitarre – vor allem bei Zuhilfenahme der Dämpferpedale.

Besonders die Präludien zum Abschluss zeigten noch einmal die ganze Bandbreite der barocken Leichtigkeit, gepaart mit romantischer Tonmalerei auf und begeisterten das Publikum – der lange zurückgehaltene Applaus fiel dann auch umso euphorischer aus.

Um 1600: Cembalo mit 24 Tasten

Heute ist bei Tasteninstrumenten die Oktave in zwölf gleich grosse Halbton-Schritte unterteilt. Früher konnte ein Orgel- oder Cembalobauer sein Instrument nur mithilfe seines Gehörs stimmen. Dabei half er sich mit reinen Intervallen. In der Renaissance wurde die mitteltönige Stimmung entwickelt, bei der alle Terzen rein gestimmt werden. Mit diesen reinen Terzen klangen die damals wichtigen Tonarten C-Dur, G-Dur, F-Dur und D-Dur wundervoll strahlend und blitzblank sauber. Tonarten, die mehr als drei Vorzeichen haben, klangen jedoch scheusslich falsch. Für die Komponisten der Barockzeit war das sehr unbefriedigend, denn sie wollten immer kunstvoller komponieren und alle Tonarten gleichberechtigt verwenden können. In Italien wurde deshalb bereits um 1600 ein Cembalo mit 24 Tasten pro Oktave entwickelt, mit welchem alle Tonarten spielbar werden.