Baden
«Oscar-Nomination» für das Badener Tabakhaus

Das Geschäft in der Rathausgasse «Badener Tabakhaus» hat sich im internationalen Vergleich einen Namen gemacht. Dieses Jahr wurde der Shop für die Davidoff Golden Band Awards nominiert. Der Preis geniesst einen hohen Stellenwert.

Ursula Burgherr
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Trudi und Josef With in ihrem Badener Tabakhaus, das unter Geschäften aus ganz Europa für die Davidoff Golden Band Awards 2015 nominiert worden ist UBU

Trudi und Josef With in ihrem Badener Tabakhaus, das unter Geschäften aus ganz Europa für die Davidoff Golden Band Awards 2015 nominiert worden ist UBU

Das Badener Tabakhaus ist dieses Jahr für die Davidoff Golden Band Awards nominiert worden. Dieser Preis hat einen so hohen Stellenwert, wie etwa der Oscar in der Filmbranche.

«Wir sind selber am meisten überrascht, dass unser winziges Geschäft sich gegen die Konkurrenz aus ganz Europa behaupten konnte», meint Trudi With, die mit ihrem Mann Josef seit 2004 den Laden an der Rathausgasse 7 führt.

Nur drei Tabakgeschäfte kommen pro Jahr in die Kränze. Die Mitbewerber stammten diesmal aus Belgien und Deutschland. Zur festlichen Preisverleihung ging es nach Dortmund. «Mein Mann hat sich dafür extra einen Smoking gemietet», verrät Trudi With und schmunzelt. Die Jury tat sich schwer, den Sieger zu erküren. Mit einem hauchdünnen Vorsprung gewann schliesslich Belgien.

Während auf der Badener Einkaufsmeile bald nur noch Grossketten die Szenerie dominieren, behauptet sich das Tabakhaus seit 1848 auf dem Markt.

Im kleinen Laden scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die bemalte Decke, der wuchtige Verkaufstresen und die Regale aus Kirschholz in denen sich die Raucherwaren stapeln, stammen noch aus der Gründerzeit. Nagelneu sind hingegen die Davidoff-Humidore, in denen edle Zigarren bei exakt 70% Luftfeuchtigkeit gelagert werden.

Ein älterer Herr klagt über das Wetter, während er seine Zigarillos kauft. «Für persönliche Gespräche nehmen wir uns immer Zeit, sie gehören zum Geschäft», erzählt das Ehepaar With.

Geschäftsthema ist zu Hause tabu

Der grösste Teil der Klientel sind Stammkunden. Man begrüsst sich noch mit Namen, redet über Gott und die Welt. «Leider sind uns mit der Baustelle beim Schulhausplatz viele Kunden aus Brugg und dem unteren Aaretal verloren gegangen», bedauern die beiden.

Sie betreiben deshalb seit Neustem auch einen Onlineshop. Die Töchter Michèle und Denise sorgen für den Internetauftritt und die Buchhaltung. «Wir sind ein richtiger Familienbetrieb und in unsere Arbeit fliesst viel Herzblut», sagt Trudi With.

Dass sie mit ihrem Mann 24 Stunden den Tag teilt, macht ihr keine Probleme: «Wir haben eine sehr harmonische Ehe. Und trennen Berufs- und Privatleben strikt. Wenn wir abends essen, sind Geschäftsthemen tabu.»

Schwieriger Markt

Während des Interviews betreten immer wieder neue Kunden das Geschäft. Der eine will einen Dichtungsring für seine Schischa, der andere ein Päckchen Zigarren in Geschenkverpackung.

Zigaretten-Etuis, Feuerzeuge und Lottoscheine gehen über den Ladentisch. Trotzdem sei das Business schwierig geworden, meint Trudi With: «Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses bekommen wir den Einkaufstourismus nach Deutschland noch mehr zu spüren.»

Ausserdem führe das allgemeine Rauchverbot in Restaurants dazu, dass deutlich weniger geraucht wird. Sowohl Josef With als auch seine Frau sind leidenschaftliche Zigarrengeniesser seit dem 25. Lebensjahr.

Trudi With schwärmt über fruchtige, holzige, blumige, schokoladige und pfeffrige Aromen, die sich im Mund entfalten und ihre Augen glänzen, als sie sagt: «Eine Zigarre und ein gutes Glas Wein, das ist für mich Lebensqualität.»