Pädagogik
Pädagogin: «Die Pubertät ist auch für die Eltern schwierig»

Sarah Zanoni möchte mit ihren Vorträgen die Beziehung zwischen Jugendlichen und Eltern vereinfachen. Sie hört immer wieder von Eltern, wie schwierig die Pubertät für das Umfeld der Jugendlichen sei.

Britta Gfeller
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Sarah Zanoni zeigt Eltern auf, wie sie ihre Kinder in der Pubertät am besten begleiten.Alex Spichale

Sarah Zanoni zeigt Eltern auf, wie sie ihre Kinder in der Pubertät am besten begleiten.Alex Spichale

«Viele Eltern kommen zu mir und sagen: ‹Gestern noch hatte ich ein gutes Verhältnis zu meinem Kind. Heute steht da ein junger Mann oder eine junge Frau, die ich überhaupt nicht verstehe›», sagt die Pädagogin Sarah Zanoni, die in Aarau eine Erziehungsberatung betreibt. Die anwesenden Eltern nicken zustimmend. Offenbar geht es vielen so. Mit ihrem Vortrag in der Aula der Schule zum Thema «Jugendliche verstehen, fördern, fordern» möchte Zanoni den Eltern den Umgang mit ihren Kindern in der schwierigen Zeit der Pubertät erleichtern.

Eltern bleiben Vorbilder

«Während der Pubertät müssen die Jugendlichen viele Aufgaben meistern», sagt Zanoni. Unter anderem müssten sie sich in ihrer neuen Rolle als erwachsene Person zurechtfinden, ihre Zukunft planen und ausserdem mit den körperlichen Veränderungen umgehen. «Dies ist eine wahnsinnige Leistung», sagt Zanoni. Oft würden die Eltern dies vergessen.

Auch die nächste Aussage der Pädagogin überraschte die anwesenden Mütter und Väter: «In der Pubertät bleiben die Eltern die wichtigsten Vorbilder.» Es sei wichtig, dass die Eltern Interesse an ihren Kindern zeigen. «Wir sollen die Jugendlichen nicht ausspionieren. Wir können sie jedoch nur sinnvoll begleiten, wenn wir verstehen, was unter der Oberfläche abgeht.» Wenn die Eltern die Gründe für das Verhalten ihres Kindes kennen, können sie es unterstützen und motivieren. Wichtig seien Gespräche. Oft liege es an den Eltern, den Jugendlichen die Risiken und Konsequenzen ihres Verhaltens bewusst zu machen.

Eltern dürfen Fehler machen

Schliesslich dürfen die Eltern auch von den Jugendlichen fordern. Sie können erwarten, dass ihre Kinder für ein Gespräch offen sind und sich an Abmachungen halten. «Die Rolle der Eltern ist die einer Wand. Sie zeigen Grenzen auf und sind stabil, auch wenn der Jugendliche die Wand mit Füssen tritt», sagt die Pädagogin. Natürlich müssten sich Eltern nicht von ihrem Nachwuchs verprügeln lassen. Doch nur wenn die Eltern stark seien, können auch die Jugendlichen stark werden. Dazu gehöre auch, dass Eltern ihre eigenen Fehler eingestehen. «Alle Eltern machen Fehler – und das dürfen sie auch. Eltern sind auch nur Menschen», sagt Sarah Zanoni.

Organisiert wurde der Vortrag vom Verein Blickpunkt Eltern Untersiggenthal und vom Elternkreis Turgi. Diese führen zwei Mal im Jahr einen Elternbildungsabend mit Referaten, Workshops und Diskussionsrunden durch.

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