Am 21. Mai findet die Ersatzwahl für einen Gerichtspräsidentensitz am Bezirksgericht Baden statt. Gesucht wird ein Nachfolger für Lukas Cotti (SVP), der ans Obergericht berufen wurde. Zur Wahl stellen sich der SVP-Mann Fabian Wäger (36, Wettingen) und der Parteilose Pascal Peterhans (38, Dättwil). Doch die Kandidaten kämpfen nicht mit gleich langen Spiessen.

So teilten letzte Woche nebst der SVP auch die FDP, SP, CVP, Grüne und BDP mit, sie würden Wäger «nach einer Anhörung gemeinsam» zur Wahl empfehlen. «Fabian Wäger hat durch seinen Leistungsausweis, seinen Auftritt und seine Persönlichkeit überzeugt», so die Begründung.

Wer nun zum Schluss gelangt, Peterhans habe bei der Anhörung den Kürzeren gezogen, liegt falsch: Peterhans wurde mit Ausnahme der GLP gar nicht angehört. Und dies, obwohl er in seinem Anfang April an alle Parteien verschickten Motivationsschreiben festhält: «Gerne stehe ich auch für weitere Auskünfte zur Verfügung und würde mich über Ihre Unterstützung freuen.»

Nur gerade von der SP bekam er eine, wenn auch abschlägige Antwort. «Ich hätte mich gefreut, mich bei den Parteien vorstellen zu dürfen und sie von meinen Fähigkeiten zu überzeugen», sagt Pascal Peterhans. Dass dies mit Ausnahme der GLP nicht geschehen sei, bedaure er zwar, sei aber so zu akzeptieren. «Mich stört hingegen, dass nun auf den Plakaten und Wahlflyern des SVP-Kandidaten und in Pressemitteilungen der SVP der Eindruck entsteht, die Parteien hätten uns beide angehört und ich sei quasi durch das Hearing gefallen», betont Peterhans.

Auf die Frage beziehungsweise Kritik der Parteien (siehe Text unten), weshalb er bis zum letzten Tag mit seiner Kandidatur zugewartet habe, antwortet Peterhans: «Als bekannt wurde, dass der Sitz von Lukas Cotti frei wird, habe ich mir kurz eine Kandidatur überlegt, doch schliesslich davon abgesehen, weil mir meine Arbeit hier bei der Staatsanwaltschaft Zofingen sehr gut gefällt.»

Als sich dann aber herausstellte, dass es zu einer stillen Wahl kommt, habe er sich doch zur Kandidatur entschieden. «Dies nicht zuletzt, weil ich anderes, praxisbezogeneres Profil mitbringe als Herr Wäger, der eher einen akademischen Background hat. Mit meiner Kandidatur will ich den Stimmbürgern eine echte Wahl ermöglichen.»


Letztlich gehe es – ob parteilos oder nicht – darum, die bestmögliche Qualität am Gericht zu garantieren. Dabei gehe oft vergessen, dass ein Richter nicht nur Urteile zu fällen habe, sondern vor allem als Führungsperson gefordert sei, so Peterhans, der laut eigenen Aussagen viel Führungserfahrung mitbringt. Und als Parteiloser sei er völlig unabhängig, und es könne nie der Eindruck entstehen, er lasse sich von der Parteipolitik leiten.

Dass ein Kandidat mit Partei im Rücken eher fassbar sei als ein Parteiloser, lässt Peterhans nicht gelten. «Als Staatsanwaltschaft unterstehe ich einer ständigen Prüfung. Ich werde quasi täglich auf Herz und Nieren geprüft und muss mich täglich beruflich wie auch persönlich beweisen.»

SVP: «Keinen Druck ausgeübt»

Ein Schelm, der denkt, Wäger sei nur deshalb SVP-Mitglied, um den attraktiven Job des Gerichtspräsidenten zu ergattern? «Ich bin im Jahr 2015 in die SVP Ortspartei Wettingen eingetreten. Der Beitritt erfolgte nicht mit Blick auf irgendeine Wahl, insbesondere nicht mit Blick auf die anstehende Wahl», betont Wäger. Abgesehen davon sei die Ersatzwahl von Lukas Cotti damals gar nicht vorhersehbar gewesen.

SVP-Bezirksparteipräsidentin Annerose Morach betont derweil, man habe den anderen Parteien keineswegs das Messer an den Hals gesetzt, weil diese im Hinblick auf Ersatzwahlen in den nächsten Jahren ihrerseits auf den SVP-Support angewiesen sind. «Wir haben keinen Druck ausgeübt.» Für sie ist der Parteiproporz kein alter Zopf. «Jede Partei ist stolz, wenn sie Personen für höhere Ämter stellen kann.»

Auch wenn ein Richter ohne politische Gesinnung urteilen soll, so fliesse sein Gedankengut doch mit in seine Arbeit ein. Morach ist überzeugt: «Wähler haben den Anspruch, dass neben den sachlichen und fachlichen Kompetenzen eines Richters das Richtergremium mit Persönlichkeiten mit verschiedenem politischem Gedankengut zusammengesetzt ist.»

Dass es für die Parteien auch deshalb so wichtig ist, ihren Sitz zu verteidigen, weil ihr die Amtsträger – im Fall der SVP 1500 Franken – einen jährlichen Betrag entrichten müssen, stellt Morach in Abrede. «Diese Beiträge sind für uns ein Obolus und werden von uns wieder in Wahlkämpfen reinvestiert.»