Serie «Mein Lieblingsplatz»
Pascale Bruderer: «Heute spielen hier meine eigenen Kinder»

Die Ständerätin Pascale Bruderer zeigt ihren Lieblingsplatz in Baden, den Spielplatz Graben. Sie erzählt, was sie damit verbindet und warum hier auch ihre politischen Wurzeln sind.

Roman Huber
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Der Spielplatz im Graben ist für Pascale Bruderer ein symbolischer Ort: Sie hat ihn mit ihrem allerersten politischen Vorstoss selber initiiertSandra Ardizzone

Der Spielplatz im Graben ist für Pascale Bruderer ein symbolischer Ort: Sie hat ihn mit ihrem allerersten politischen Vorstoss selber initiiertSandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Pascale Bruderer kommt mit dem E-Bike in den Graben, wo sich seit bald 20 Jahren der schönste Spielplatz Badens befindet. «Es ist ein schöner, lebendiger und für mich auch symbolischer Ort», sagt die Ständerätin. Unweit davon befindet sich das Schulhaus Pfaffechappe, wo der Einwohnerrat Baden jeweils tagt. Dort hatte sie als frisch gewählte Einwohnerrätin 1997, angeregt von Eltern, in einer Anfrage an den Stadtrat die Erstellung einer Spielplatzanlage im Graben gefordert.

«Es war mein erster politischer Vorstoss. Mir war klar, wie wichtig solche Spielplätze für Kinder und deren motorische Entwicklung sind.» Es sei ein schönes Gefühl, wenn sie mit ihren eigenen Kindern auf dieser Anlage ihre Zeit verbringe. Die Kultur der Kommunalpolitik in Baden habe sie geprägt, erzählt sie. «Kommunalpolitik ist sehr konkret, nicht so stark parteipolitisch ausgerichtet.» In der Politik den Konsens zu suchen, sei eine Eigenart von ihr geblieben.

Plätze mit Heimatgefühl

Es gibt in der Region Baden manche Plätze, die für Pascale Bruderer bedeutend sind. Da ist vor allem der Kappelerhof, wo sie in einer fünfköpfigen Arbeiterfamilie aufgewachsen ist, der Martinsberg mit dem Känzeli, die Baldegg, das Gebenstorfer Horn mit dem Blick übers Wasserschloss, das Areal der ABB, der früheren BBC, wo ihr Vater arbeitete.

Wo alles begann: Pascale Bruderer auf dem Spielplatz Graben.

Wo alles begann: Pascale Bruderer auf dem Spielplatz Graben.

Sandra Ardizzone

«Mit jedem dieser Orte verbindet mich etwas», erzählt sie: Das Joggen mit der Limmatpromenade, Handball mit der Sporthalle Aue, wo sie mit 14 Jahren in der Nationalliga B der Frauen spielte, bis Knieprobleme die Karriere beendeten. In den wilden Jugendjahren waren es die Partys auf dem Schloss Stein, sagt sie und lacht über dieses Kapitel. Heute geniesse sie von ihrem Eigenheim in Nussbaumen aus die Sicht auf Baden. Wie andere junge Paare fanden Pascale Bruderer und Urs Wyss damals in Baden kein erschwingliches Eigenheim und zogen darum nach Obersiggenthal.

Bei ihren Tätigkeiten in der Politik und andern Gremien stellt sich die Frage, ob ihr denn noch Zeit bleibe für die Familie. «Diese Zeit ist mir sehr wichtig», erklärt Bruderer und hält entgegen, dass sich Politik wohl besser mit der Familie vereinbaren lasse als ein hoher Posten in der Wirtschaft. «Für die Sessionen sind wir sehr gut organisiert, da kommt uns auch die berufliche Flexibilität meines Mannes zugute.»

Nahe bei den Leuten zu bleiben und deren Anliegen zu spüren, das erfordere Präsenz und sei ihr weiterhin wichtig. Dennoch habe sie ihre Zusagen für Fernsehsendungen wie die «Arena» oder Politveranstaltungen zugunsten der Familie massiv reduziert, sagt die erfolgreiche Politikerin.

In dieser Beziehung ist Pascale Bruderer etwas verwöhnt, wie sie selber gesteht. Ihr wurden in ihrer politischen Karriere früh viele Türen geöffnet – sie wusste jeweils die Gunst der Stunde zu nutzen, bewies Engagement und Glaubwürdigkeit und findet damit seit bald zwei Jahrzehnten breite Unterstützung. Heute muss sie sich nicht wie andere Politikerinnen und Politiker bei jedem Thema in die vorderste Reihe stellen.

Viertausender statt Bundesrat

Die Anliegen von Menschen mit Behinderungen liegen ihr sehr am Herzen, auch heute noch als Präsidentin der Behindertendachorganisation Inclusion Handicap. In einer Verwandtschaft mit zahlreichen Gehörlosen gross geworden, hat sie erfahren, was es heisst, nicht die gleichen Startchancen im Leben zu haben. Sie unterstütze die Forderung nach Eigenverantwortung. Doch dürfe gerade die politische Rechte nicht vergessen, dass genau dafür die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben eine Voraussetzung ist. Davon dürften Menschen mit Behinderungen nicht ausgeschlossen werden.

Nächstes Jahr wird Pascale Bruderer 40 Jahre alt und hat dann das halbe Leben in der Politik verbracht. Bei diesem Gedanken erschrecke sie manchmal. Doch solange Freude und Feuer vorhanden seien, wolle sie dranbleiben.

Ob es nicht Zeit für den nächsten Höhenflug – in den Bundesrat – sei? Sie denke nicht, dass dies für sie infrage komme, sagt sie. Wohl im Bewusstsein, dass sie damit einen Teil ihrer Wählerschaft enttäuschen könnte, fügt sie erklärend an: «Das Privatleben ist für mich zu wichtig, und meine Kinder kommen demnächst in die Schule.» Hoch hinaus aber – warum nicht? Vor kurzem hat Pascale Bruderer mit ihrem Ehemann das Weissmies im Wallis, ihren ersten Viertausender, bezwungen.

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