Baden/Bad Zurzach
Patienten müssen nicht mehr auf Reha warten

Neue Kooperation zwischen dem Kantonsspital Baden KSB und der Reha-Clinic in Bad Zurzach: Patienten mit Prothesen sollen schnell in die Reha gehen können. Dies als Folge der Einführung des neuen Abrechnungssystems DRG.

Erna Lang-Jonsdottir
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Das Kantonsspital Baden (KSB) hat einen neuen Vertrag zur integrierten Versorgung ...

Das Kantonsspital Baden (KSB) hat einen neuen Vertrag zur integrierten Versorgung ...

Walter Schwager

Ein Szenario am Kantonsspital Baden (KSB): Die Mutter zweier Kinder erhält ein künstliches Gelenk. Gleichzeitig hat sie Rheuma. Eigentlich müsste sie nach der Operation in die Rehabilitation, doch die Kostengutsprache der Krankenkasse fehlt.

Bis die Krankenkasse dem behandelnden Arzt grünes Licht für die Nachbehandlung gegeben hat, dauert es zwei Wochen. Für die Mutter muss eine Zwischenlösung gefunden werden, für die sie vielleicht sogar selber aufkommen muss.

«Eine für alle sehr unbefriedigende Situation», sagt Karim Eid, Chefarzt Orthopädie beim KSB. Die Kostengutsprache der Kranken- und Unfallkassen nehme oft viel Zeit in Anspruch.

«Bis zur Verlegung in die Rehabilitationsklinik kommt es immer wieder zu unnötigen Verzögerungen.» Dieses Szenario soll deshalb ab sofort Geschichte sein: Das KSB und die Reha-Clinic Bad Zurzach haben einen Kooperationsvertrag zur integrierten Versorgung im Bereich Bewegung unterzeichnet.

Konkret: Patienten, die eine Hüft- oder Knietotalprothese erhalten, sollen so früh wie möglich in den Rehabilitationsprozess überführt werden. Dies als Folge der Einführung des neuen Abrechnungssystems DRG.

Gespräche mit allen Ärzten vor OP

Die Kostengutsprache für eine Nachbehandlung soll jetzt vor dem Spitaleintritt eingeholt werden. «Ich kann bereits vor einer Operation beurteilen, ob der Patient eine Nachbehandlung benötigt oder nicht», sagt Eid.

Deshalb findet ab sofort bereits vor Operation eine Sprechstunde mit Vertretern der Orthopädischen Klinik, der Rheumatologie und der Reha-Clinic statt. «Dies ermöglicht es uns, die Nachbehandlung viel besser auf den einzelnen Patienten abzustimmen», sagt Eid.

Für den Patienten habe dies grosse Vorteile: «Er weiss bereits vor dem Spitalaufenthalt, wohin es nachher geht.»

Auch die Reha-Clinic profitiert von diesem Versorgungskonzept: «Der Übertritt in die Reha-Clinic kann besser koordiniert und auf den Patienten abgestimmt werden», sagt Peter A. Wyss, Chefarzt Rheumatologie in der Reha-Clinic Bad Zurzach.

Damit der Patient seine Selbstständigkeit erlange, müsse er nach der Operation so schnell wie möglich und richtig therapiert werden. Oft sehe man bereits im Vorfeld, dass der Sozialdienst eingeschaltet werden muss, gibt Wyss ein Beispiel.

Unterstützung zu Hause

«Ein alleinstehender Mensch, der nicht mehr mobil ist, braucht nach der Therapie Unterstützung zu Hause», sagt Wyss. Mit dem neuen Konzept sei es möglich, alle Abläufe ohne Zeitnot und Druck zu organisieren. «Beim Eintritt muss klar sein, wie der Austritt aussieht», betont Wyss.

Was aber geschieht mit Patienten, die verunfallen und keinen Termin nach Wahl haben für die Operation? «Diese Patienten profitieren nicht von diesem Abkommen», sagt Karim Eid. Das System sei diesbezüglich noch nicht durchdacht. «Für solche Patienten müssen wir auch weiterhin Zwischenlösungen finden.»

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