Der Eröffnungsabend des Blues Festivals Baden ist ein Heimspiel für den Aargauer Vollblutmusiker Pepe Lienhard. «Vor über 50 Jahren hatte ich in Baden an einem Konzert von Quincy Jones ein Schlüsselerlebnis. Von da an hatte ich den Traum, selbst einmal hier mit einer Big Band aufzutreten», erzählt Lienhard. An diesem Wochenende ist es nun soweit: Mit 16 Musikern und drei Sängern im Schlepptau zaubert Lienhard Swing und Blues ins Kurtheater – und enttäuschte die Vorstellungen des jungen Pepe Lienhard sicher nicht.

Es war zwar mehr Swing als Blues, was die Big Band präsentierte – sein Geld zurückfordern wird nach diesem Abend aber bestimmt niemand. Denn es ist pure Leidenschaft für Musik, was die Big Band den rund 500 Gästen präsentiert; und dies auf höchstem Niveau. An diesem Konzert einen Makel zu entdecken, ist wie die Nadel im Heuhaufen zu finden. Dies gilt einerseits für die zahlreichen Solos und ebenso für die drei ausländischen Sänger, die Lienhard für seine Band gewinnen konnte.

Einer von ihnen ist der Entertainer Pino Gasparini – mit dem Lienhard schon seit 46 Jahren zusammen auf der Bühne steht. Die Harmonie zwischen den beiden steht symbolisch für die gesamte Formation: Die Musiker sind akribisch aufeinander abgestimmt. «Das ist insbesondere dem Drummer und dem Bassisten zu verdanken», so Lienhard. Beide stehen bereits seit Jahrzehnten zusammen auf der Bühne.

Am Ende sagt Lienhard: «Ich bin halt einer von vorgestern.» Mit seiner Big Band bewies er jedoch, dass Swing-Musik aus den 30er-Jahren heute genauso lebendig ist wie damals. Und sagt am Ende zufrieden: «Dieses Konzert ist nun mein zweites Schlüsselerlebnis in Baden.»

Gewagtes Auftakt-Konzert

Dass die Band von Lienhard ein sicherer Wert sein würde, war den Organisatoren klar. Mit dem Support wagen sie sich jedoch auf die Äste hinaus: Ein 20-jähriger Pianist aus Deutschland soll den Auftakt ins Blues Festival Baden 2015 übernehmen. Er heisst Luca Sestak. Auf YouTube schauen sich über 10 Millionen Menschen seine Videos an. Kann der junge Musiker die Erwartungen von 500 kritischen Blues-Liebhabern erfüllen? Allerdings!

Das Publikum staunt nicht schlecht, als Sestaks Finger nur noch so über die Tastatur fliegen. Das Nachwuchstalent bearbeitet den Flügel wie ein Schreiner ein Stück Holz. Vor Enthusiasmus kann sich der junge Pianist zeitweise kaum mehr auf seinem Hocker halten – genauso wie das Publikum nach der kurzen Show. Die wilden und feinfühligen Stücke quittieren die Besucher nämlich mit stehenden Ovationen. Eines ist klar: Von diesem Musiker wird man noch einiges hören – und das Blues Festival Baden wird einer der frühen Meilensteine in seiner Karriere gewesen sein.

Festivalpräsidentin Susanne Slavicek und ihr Team haben eine gute Wahl getroffen. «Ein junger Pianist rundet das sonstige Blues-Programm sehr gut ab», sagt sie. Bis zum Samstag werden 13 weitere Konzerte in Baden stattfinden. Den krönenden Abschluss bilden am Freitag Philipp Fankhauser und am Samstag die Amerikanerin Vaneese Thomas.