71 Jahre alt ist er, seit 46 Jahren Journalist – und was trägt er immer mit sich? Ein Schulheft! «Wenn ich unterwegs bin, muss ich regelmässig repetieren. Und wenn ich zu Hause bin, kommt jeden Tag mein Lehrer ins Haus.» Zu Hause ist Peter Achten in Peking. Seit 12 Jahren hat er dort seinen Wohnsitz. Bereits von 1986 bis 1990 hatte er in der chinesischen Hauptstadt gelebt, gearbeitet und die Sprache zu lernen begonnen. «Chinesisch reden kann man recht schnell, aber schreiben und lesen ist sehr schwierig. Um eine Zeitung lesen zu können, muss man zwischen 2000 und 2500 Zeichen beherrschen. Wer die Matur macht, kennt etwa 3000 Zeichen und ein Hochschulabschluss beinhaltet 3500 bis 5000 Zeichen.»

300 geladene Gäste

Auf Einladung des Advokatur-Büros Stephani und Partner war Peter Achten am Samstag nach Baden-Dättwil gekommen und hatte gegen 300 geladenen Gästen, zusammen mit dem Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher, «China – die neue Weltmacht» näher gebracht. Vorgängig war er in einem persönlichen Gespräch Red und Antwort gestanden.

In Basel geboren und aufgewachsen, hatte Achten Geschichte studiert und dann ein Nachdiplom in Wirtschaft erworben. Bei der «National-Zeitung» hatte er seine journalistischen Sporen abverdient. «Ich bin nach wie vor überzeugt, dass man das beste Rüstzeug für meinen Beruf im Lokal- und Regionaljournalismus erwirbt. Berichte ich aus China, kann ich doch schreiben, was ich will – ganz anders aber, wenn ich über Ereignisse aus der nächsten Umgebung der Leser schreibe.»

Nach Spanien und Lateinamerika nach Asien

Nach beruflichen Aufenthalten in Spanien, im Maghreb und in Lateinamerika hatte Achten 1974 zum Schweizer Fernsehen gewechselt und es vom Produzenten und Moderator der «Tagesschau» bis zum Mitglied der Chefredaktion gebracht. Aber als der «Tages-Anzeiger» 1986 eine Korrespondenten-Stelle in China anbot, hatte der Basler nicht lange gefackelt. «Ich habe von dort auch noch für Radio DRS und das Schweizer Fernsehen berichtet. 1990 hatte ich als DRS-Korrespondent nach Washington gewechselt, von dort 1994 nach Hongkong und von 1997 bis 1999 war ich für Ringier in Hanoi.» Heute ist er freier Asien-Korrespondent, «aber immer noch voll dabei».

«Junge Chinesen gehen zu Ikea»

Bei seinem ersten Aufenthalt in Peking 1986 sei ihm vom Aussenministerium eine Wohnung zugeteilt und ein Übersetzer – «sprich Aufpasser» – zur Seite gestellt worden. Heute lebt Achten mit seiner Frau in der 18-Millionen-Metropole in einer eigenen Wohnung im obersten Stock eines Hochhauses. Seine Frau habe sie mit chinesischen Antiquitäten eingerichtet. «Die jungen Chinesen gehen zu Ikea.» In den vergangenen zehn Jahren habe sich China fast explosionsartig verändert: «Die Leute kleiden und stylen sich modisch nach westlicher Manier.

In Supermärkten, vergleichbar mit Migros oder Coop, kann man alles, auch westliche Lebensmittel, kaufen.» Achtens Tochter lebt mit ihrer Familie ebenfalls in Peking. Stolz zeigt er auf seinem iPhone Fotos vom vierjährigen Enkel Maximilian und dessen zwei Jahre jüngeren Schwesterchen Anna.

Achten mag Wurstsalat

Was vermisst Achten in China? «Nichts, auch nicht vom Essen her. Ich mag Wurstsalat oder Bratwurst mit Rösti ebenso wie asiatische Speisen. Ich kann Situationen sehr gut adaptieren, bin ein richtiger Hansdampf.» Inzwischen habe er sämtliche 32 Provinzen bereist. Am besten gefalle ihm die Provinz Sezuan – auch, weil man dort besonders gut esse. «Man kann ein Land nicht lieben, aber man kann die Bewohner gern haben, ihnen zuhören, offen und neugierig sein – so kann man ein Land mögen, wie ich China.» In einem Land mit 1,4 Milliarden Bewohnern – «allein im Regierungsbezirk Peking leben auf 16,8 Quadratkilometern 18 Millionen Menschen» – werde aus jedem noch so kleinen Problem sofort ein grosses, «allerdings auch im positiven Sinn».