Baden

Petition gegen «Betonschlucht»: Auf der Allmend wehren sich Anwohner gegen einen Neubau

Quartierbewohner wehren sich gegen einen Neubau am Ahornweg in der Badener Gartenstadt. Sie möchten den Charakter des Quartiers erhalten.

«Rettet den Ahornweg» – das fordert eine Petition, für die jüngst auf der Badener Allmend Unterschriftenbögen verteilt wurden. Nachbarn wehren sich damit gegen ein Neubauprojekt, für das am Ahornweg die Bauprofilstangen ausgesteckt sind. Statt eines beschaulichen, in die Jahre gekommenen Einfamilienhauses soll hier ein Flachdach-Neubau mit fünf Wohnungen, einer Photovoltaikanlage und Tiefgarage entstehen.

Das entsprechende Baugesuch der Wettinger Immotip AG lag im Herbst bei der Stadt Baden auf. Die Bäume und Sträucher auf dem Grundstück sind bereits alle gefällt. Zahlreiche Einwendungen gingen gegen den Neubau ein. Vor kurzem fand die Einwenderverhandlung statt.

Anwohner befürchten Zerstörung des Quartiercharakters

Der idyllische Ahornweg im Quartier hoch über der Stadt Baden hat eine besondere Geschichte. Die Allmend wurde erst relativ spät überbaut. In den 1940er-Jahren gab es Pläne des renommierten ETH-Architekturprofessors Hans Bernoulli, hier eine Gartenstadt anzulegen. Die Pläne wurden zwar nie so umgesetzt – eine offene, teilweise parkähnliche Gartenstadt ist trotzdem entstanden. Und es gab ab 1947 besondere Bauvorschriften für die Allmend – etwa ein Flachdachverbot.

Die Petition entstand, nachdem eine Gruppe von Anwohnern nach der Einwenderverhandlung konsterniert zurückblieb. Sie fürchten durch den dreistöckigen Betonneubau eine Zerstörung des Quartiercharakters und eine neue «Betonschlucht» in der Wakker-Stadt Baden. Der Wakkerpreis 2020 sei eine «edle, moralische Verpflichtung» für die Stadt.

Als Forderung steht in dem Begehren an den Stadtrat und an die Stadtbildkommission: «Neubauten und Umbauten am Ahornweg dürfen nur bewilligt werden, wenn sie dem dortigen Ortsbildcharakter vollauf entsprechen.» Der Jurist Walter Scherer engagiert sich als Sekretär der Allmendfreunde, wie sich die Gruppe nennt. Er und seine Frau haben ihr Haus 1968 am Ahornweg gebaut – als letztes an der Strasse. «Wir haben unter den Nachbarn bis heute sehr guten Kontakt», sagt Scherer. «Wir wollen keine Verhinderer sein. Die meisten von uns waren geschockt, als wir die Ausmasse des Neubaus sahen.»

Elegante Einfamilienhäuser statt Schulbauten

Die Häuser am Ahornweg sind alle zwischen 1963 und 1968 gebaut worden, als homogene Siedlung in einem modernistischen, eleganten Stil. In den letzten Jahren wurden einige der Häuser renoviert und verändert, aber die Bebauung ist nach wie vor einheitlich. «Die Bauvorschriften waren damals sehr streng», sagt Scherer.

Die Häuser stehen auf jener Fläche, die von der Stadt für öffentliche Bauten und Schulhäuser an einem Zentrumsplatz auf der Allmend vorgesehenen waren. Nach der Eingemeindung von Dättwil, Rütihof und Münzlishausen 1962 liess die Stadt die Pläne aber fallen und verkaufte die einzelnen Grundstücke in einem Rutsch.

Jarl Olesen, Leiter Planung und Bau bei der Stadt Baden, begrüsst das Engagement der Anwohner: «Ich finde es schön, dass sich die Leute mit ihrem Quartier identifizieren und sich dafür einsetzen. Das ist nicht selbstverständlich.» Das Bauprojekt werde nun in der Stadtbildkommission beraten. Das geschehe auf expliziten Wunsch der Einwender, so Olesen. Die Forderung nach einem zusätzlichen, externen Fachmann könne man aber nicht erfüllen. «In der Kommission sind ganz bewusst mehrheitlich Nicht-Badener vertreten, die ein profundes Wissen in Architektur und Städtebau haben.»

Den besonderen, grünen Charakter der Allmend schätzt auch Olesen, wie er sagt. Teilweise gleiche das Quartier fast einer Parklandschaft. Zwar seien die Bestimmungen von 1947 nach und nach ausser Kraft gesetzt worden. Aber mit der Einführung der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) habe man neue Regeln zum Schutz der Bebauung auf der Allmend erlassen. So darf hier etwa maximal ein Drittel der Vorgärten versiegelt werden und es wurde eine Grünflächenziffer eingeführt, die grösser ist als in anderen Wohnzonen der Stadt.

Besondere Bestimmungen gibt es nach wie vor auf der Allmend

Bei der Gestaltung des Gebäudes müsse sich jede Bauherrschaft an die geltenden Regeln und den sogenannten «Ästhetikparagrafen» in der BNO halten, erklärt Jarl Olesen. «Hier kann allenfalls die Stadtbildkommission auf Anpassungen hinwirken.» Eine Verdichtung innerhalb der Bauzonen sei wichtig und richtig. Man dürfe nicht vergessen, dass Grundeigentümer ein Recht auf Bauen haben. «Die Badener Quartiere sollen ihren Charakter beibehalten. Sie müssen sich aber auch weiterentwickeln können.»
«Verdichtungen soll man selbstverständlich zulassen», sagt auch Walter Scherer.

«Aber es gibt Orte, wo das gut geht, und Orte, wo es nicht sinnvoll ist.» Auch auf der Allmend gebe es Strassen, wo eine Verdichtung gut verträglich und teilweise schon geschehen sei, etwa an der Rehhalde oder am Brenntrain. «Es geht darum, die filigrane, harmonische Umgebung am Ahornweg zu erhalten – ganz im Sinne des Ortsbildschutzes.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1