An der Kirchgemeindeversammlung im März wurde beschlossen, das reformierte Gotteshaus nicht zu renovieren, sondern abzureissen und neu aufzubauen. Die Gegner des Abbruchs hoffen jetzt auf die Hilfe des Gemeinderates.

Diese Woche haben sie ihm eine Petition überreicht, unterzeichnet von 379 Personen. Die Forderung: Der Gemeinderat soll bis zur demnächst anstehenden Überarbeitung der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) einen Planungsstopp auf dem Areal verfügen und über die Kirche ein Abbruchverbot verhängen.

Auf ein Referendum gegen den Entscheid vom März habe man verzichtet, weil die Befürworter eindeutig in der Überzahl seien. Das erklären Ruedi Dietiker, Barbara Baldinger und Urs Hänny, die stellvertretend für die Abbruch-Gegner Auskunft geben.

Kommunales Schutzobjekt?

«Im Rahmen der BNO-Revision muss die Frage geprüft werden, ob die reformierte und auch die katholische Kirche als kommunale Schutzobjekte definiert werden sollen», sagt Dietiker.

In diesem Prozess wären die Bevölkerung und auch die dafür zuständigen Stellen des Kantons einbezogen. Die geschichtliche Bedeutung dieser beiden Bauwerke und die architektonische Qualität würden dieses Vorgehen rechtfertigen.

«Die Kirche ist ein Kulturgut, ein Zeitzeuge aus einer wichtigen Epoche der Dorf- und Kirchengeschichte Turgis. Sie sollte darum nicht leichtfertig abgebrochen werden, bevor nicht Alternativen ernsthaft geprüft wurden», sagt Urs Hänny.

Der Gemeinderat will sich noch nicht zum Thema Kirchenabriss äussern. Adrian Schoop, der das Ressort Hochbau betreut, sagt: «Wir haben den Initianten den Eingang der Petition bestätigt. Der Gemeinderat ist in der Kirchendiskussion bis zum jetzigen Zeitpunkt neutral geblieben, wird sich in den nächsten Wochen aber mit der Angelegenheit auseinandersetzen.»

Barbara Baldinger kritisiert derweil das Vorgehen der Kirchenpflege. «Wir hätten uns gewünscht, dass die Planung offener geführt worden wäre, etwa an einer Ideenwerkstatt. Wir haben aus der Zeitung von den Abrissplänen erfahren.»

Der Kirchgemeinde gehören Reformierte von drei Gemeinden an. «Wir Turgemer sind gegenüber den Gebenstorfern und Birmenstorfern in der Unterzahl. Es fühlt sich so an, als würden sie uns die Kirche wegnehmen», sagt Baldinger.

Die Versammlung im März sei nicht gerade demokratisch verlaufen, sagt Dietiker. «Gegner des Abbruchs sind, im Gegensatz zu den Befürwortern, kaum zu Wort gekommen. Die Diskussion wurde abgeklemmt.»

Das bestehende Bauwerk verdiene eine positive Würdigung, sagt er weiter: «Die Kirche ist ein sehr schönes Beispiel, wie man mit einfachsten Mitteln einen menschenfreundlichen, offenen, zukunftsgerichteten und im besten Sinne reformierten Sakralraum erstellen kann.»

«Zustand erstaunlich gut»

Dietiker stört, dass der Zustand der Kirche als marod bezeichnet wird. «Der Zustand ist erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass sie 60 Jahre lang nicht unterhalten wurde.»

Urs Hänny pflichtet ihm bei: «Die Kirchenpflege behauptet, eine Renovation würde mehr als 3 Millionen Franken kosten, das ist eine unseriöse Schätzung, eine Sanierung wäre nie so teuer.»

Kirchenpflegepräsident Albert Lehmann nimmt Stellung zu den Vorwürfen. «Wer regelmässig an Kirchgemeindeversammlungen war, hätte gewusst, dass ein Abriss und Neubau seit Jahren als Variante diskutiert wird», sagt er.

Den Vorwurf, er hätte Diskussionen abgeklemmt, will er so nicht stehen lassen: «Aus dem Protokoll der Kirchgemeindeversammlung ist zu entnehmen, dass mehr Gegner als Befürworter zu Worte kamen.»

Durch eine gewisse Zeitdisziplin habe er zu erreichen versucht, dass möglichst viele Befürworter wie Gegner zu Wort kommen.