Betreuer gesucht
«Pfadi Trotz Allem» kämpft ums Überleben

Im Raum Baden, Brugg und Aarau fehlen für die Übungen mit den Jugendlichen mit Behinderung die Betreuer.

Michael Hunziker
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Die «Pfadi Trotz Allem» bietet ein Erlebnis wie jede andere Pfadi. HO

Die «Pfadi Trotz Allem» bietet ein Erlebnis wie jede andere Pfadi. HO

Schnitzeljagd und Schatzsuche, Feuer machen und Suppe kochen im Wald: Die «Pfadi Trotz Allem» (PTA) Baden bietet ein Erlebnis wie jede andere Pfadi auch. Nur: Das Programm ist etwas weniger dicht, alles läuft ein bisschen langsamer ab. Denn teilnehmen können 20 bis 30 Jugendliche mit einer geistigen, körperlichen oder mehrfachen Behinderung. Der PTA Baden, der einzigen ihrer Art im Kanton notabene, droht jetzt aber das Aus: Es stehen nicht mehr genügend Leiter zur Verfügung. Wird bis Ende Jahr niemand gefunden, müssen die Aktivitäten eingestellt werden.

«Wir suchen motivierte junge und jung gebliebene Menschen im Alter bis etwa 25 Jahre. Es braucht dafür keine Ausbildungen. Eine Pfadi-Erfahrung ist nicht zwingend nötig», sagt Yannick Graf alias Snoopy aus Thalheim. Der 18-jährige Kantischüler ist Leiter der PTA Baden. «Was zählt, ist lediglich die Freude am gemeinsamen Erlebnis mit behinderten Kindern», fährt Graf fort und ergänzt: «Allerdings darf man keine Berührungsängste haben.» Ausprobieren heisse die Devise.

Der zeitliche Aufwand übrigens sei «extrem» klein, stellt Graf fest: Pro Monat ist die Rede von jeweils 3 bis 4 Stunden an einem Samstagnachmittag. Die Übungen finden verteilt über den ganzen Aargau statt – meistens im Raum Brugg, Baden oder Aarau.

Für Graf ist klar: «Die ‹Pfadi Trotz Allem› ist eine Bereicherung für alle Teilnehmer. Als Leiter ist es schön, zu sehen, was man diesen Kindern Wertvolles bieten kann. Ich bekomme sehr viel zurück.» Warum ist die Suche nach neuen Leitern so schwierig? «Grundsätzlich frage ich mich das auch», antwortet Graf. Es sei nicht ganz einfach, an die richtigen Leute heranzukommen. «Verständlicherweise ist die PTA nicht jedermanns Sache.» Zudem gebe es einfach so viele andere Freizeitbeschäftigungen, so Pfadi-Leiter Snoopy weiter. Auch andere Pfadi-Abteilungen hätten einen Mangel an Leitern zu beklagen. «Und viele Leute wissen vermutlich gar nicht, dass es so etwas wie die PTA gibt.»

Die Kinder, die hätten grossen Spass, weiss Graf. «Dies äussert sich durch ihre Freude und ihr Lachen.» Die PTA sei ein Teil ihres Lebens, eine Abwechslung und ein Ausgleich zum Alltag. Durch die «Pfadi Trotz Allem» hätten sie ein aussergewöhnliches Betätigungsfeld, könnten vielfältige Erfahrungen sammeln in einer anderen Umgebung und neue Kontakte knüpfen. Kurz: «Die Behinderung gerät zur Nebensache und die Kinder erleben Sachen, die nur dank der Pfadi möglich sind.»

Yannick Graf selber ist seit bald 13 Jahren in der Pfadi aktiv, schnupperte also mit 5 Jahren zum ersten Mal Pfadi-Luft. In der Funktion als Leiter der Pfadi Brugg, die er seit mehr als 3 Jahren innehat, betreut er Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren. «Die Pfadi ist und war ein Bestandteil meines Lebens, so weit ich mich erinnern kann.» Wann genau er das erste Mal mit der «Pfadi Trotz Allem» in Berührung kam, weiss er nicht mehr ganz genau – «es ist schon eine längere Weile her».

Ursprünglich hatte er die Idee, sich nach seiner «regulären Pfadikarriere» in Brugg bei der «Pfadi Trotz Allem» zu engagieren. Im Kantonslager der Pfadi Aargau im Sommer 2013 kam Snoopy dann mit den Vertretern der PTA ins Gespräch. «Ich erfuhr, dass ich nicht zu jung dafür war und auch keine weiteren Ausbildungen benötigte. Früher als erwartet hat sich somit eine neue Türe geöffnet.»

Interessiert an der «Pfadi Trotz Allem»? Informationen sind erhältlich bei Yannick Graf, Snoopy, 078 617 40 77 oder E-Mail: snoopy@ptabaden.ch

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