Grenzwert
Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil in Trinkwasser nachgewiesen – Obersiggenthal reagiert sofort

Im Trinkwasser mehrerer Quellen des Dorfes wurden Rückstände des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil gefunden, das ab einer gewissen Konzentration krebserregend wirkt. Bei der Quelle Hertenstein wurde der zulässige Grenzwert überschritten - nun wird sauberes Wasser beigemischt.

Pirmin Kramer
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Das Bundesamt für Landwirtschaft verbietet Pflanzenschutzmittel, die das Fungizid Chlorothalonil enthalten. (Symbolbild)

Das Bundesamt für Landwirtschaft verbietet Pflanzenschutzmittel, die das Fungizid Chlorothalonil enthalten. (Symbolbild)

Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

In Obersiggenthaler Trinkwasser wurden Rückstände des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil gefunden. Dies teilte die Gemeinde am Dienstagmorgen mit. Der Stoff kann ab einer bestimmen Konzentration krebserregend wirken. Bei der Quelle Hertenstein sei der zulässige Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschritten worden; bei zwei weiteren Quellen im Wald sei der Stoff nachweisbar, er liege jedoch deutlich unter dem zulässigen Höchstwert. Alle übrigen Quellen sowie die beiden Grundwasserpumpwerke in Obersiggenthal seien nicht betroffen.
In Absprache mit dem kantonalen Amt für Verbraucherschutz wurden Sofortmassnahmen getroffen, teilt die Gemeinde mit: «Durch Beimischung von unbelastetem Trinkwasser wird das Wasser aus der Quelle Hertenstein im Reservoir und im Versorgungsnetz derart verdünnt, dass die Konzentration von Chlorothalonil auf einen unproblematischen Wert sinkt.»

Die Massnahme werde regelmässig auf ihre Wirksamkeit überprüft, falls notwendig würden die Mischverhältnisse angepasst oder weitergehende Massnahmen geprüft.

Im Juli gab das kantonale Amt für Verbraucherschutz bekannt, dass in einem Drittel von 108 Wasserproben Rückstände des Pflanzenschutzmittels gefunden wurden; bei rund 10 Prozent der Proben lag der Messwert über dem vom Bund definierten Messwert. Zwei Wasserfassungen im Aargau wurden vom Netz genommen, weil die Werte zehnmal höher waren als der Höchstwert des Bundes. In welchen Gemeinden die Grenzwerte überschritten wurden, gab der Kanton aber nicht bekannt.

In der EU ist Chlorothalonil ab 2020 verboten, in der Schweiz könnte der Bundesrat im Herbst ein Verbot erlassen. Dazu schreibt der Obersiggenthaler Gemeinderat: "Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sind zum Ergebnis gekommen, dass für Abbauprodukte von Chlorothalonil Hinweise für eine Gesundheitsgefährdung bestehen. Diese Neubeurteilung stellt betroffene Wasserversorger vor ein Problem; so wird von heute auf morgen ein bislang wenig beachteter Fremdstoff im Trinkwasser plötzlich zum ernst zu nehmenden, kritischen Inhaltsstoff mit verbindlichem Höchstwert. Der Abbau derartiger Problemstoffe in Böden und Grundwasser dauert jedoch Jahrzehnte."

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