Reportage
Pflegefachmann Benedikt Birnbacher: «Keine Zeit, um müde zu werden»

Auch in einer eher ruhigen Nacht im Kantonsspital Baden ist Pflegefachmann Benedikt Birnbacher ununterbrochen im Einsatz.

Yvonne Lichtsteiner
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 Pfleger Benedikt Birnbacher legt eine Infusion
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Reportage im Kantonsspital Baden mit Pfleger Benedikt Birnbacher
 Benedikt Birnbacher bei der Arbeit auf der Notfallstation im KSB
 Benedikt Birnbacher bei der Arbeit auf der Notfallstation im KSB
 Benedikt Birnbacher bei der Arbeit auf der Notfallstation im KSB
 Videoüberwachung der Ausnüchterungszelle
 Benedikt Birnbacher bei der Arbeit auf der Notfallstation im KSB
 Benedikt Birnbacher bei der Arbeit auf der Notfallstation im KSB
 Benedikt Birnbacher bei der Arbeit auf der Notfallstation im KSB
 Benedikt Birnbacher bei der Arbeit auf der Notfallstation im KSB

Pfleger Benedikt Birnbacher legt eine Infusion

Yvonne Lichtsteiner

Die nächtliche Arbeit auf einer Notfallstation verlangt viel Durchhaltevermögen und Nerven. Das weiss niemand besser als Benedikt Birnbacher. «Benni hier, was gibts?» Der junge Mann in komplett weisser Kleidung wirft einen kurzen, prüfenden Blick auf seine Patientendokumente. Er verstaut das kleine Telefon in seiner Hosentasche, desinfiziert die Hände und läuft Richtung Patienten-Empfangshalle der Notfallstation im Kantonsspital Baden (KSB).

«Guten Abend, ich heisse Birnbacher, ich bin heute für die Pflege verantwortlich. Wie kann ich helfen?» Der diplomierte Pflegefachmann hört der Patientin aufmerksam zu, diese greift sich an den Arm und deutet anschliessend auf ihr Herz. «Ich hatte plötzlich einen stechenden Schmerz in meinem Arm und dann in der Brust», sagt sie besorgt. Birnbacher, der seit vier Jahren auf der Badener Notfallstation arbeitet, weist ihr einen Raum zu und versichert der Patientin, man werde sich gleich um sie kümmern. Bei diesen Symptomen sei ein Herzinfarkt nicht auszuschliessen, sagt Birnbacher.

Da die Patientin aber erst 20 Jahre alt ist, vermutet der Pfleger allerdings eine Muskelverspannung. «Sicher sein kann ich mir aber erst nach einem EKG und einer ärztlichen Konsultation», sagt er.
Birnbacher wirft einen Blick auf die Uhr, es ist 1 Uhr nachts. Der 27-jährige Pfleger erwartet viele Patienten, vor allem Partygäste. Patienten mit Thoraxschmerzen, so wie die Patientin vorher, kämen allerdings genauso viele in die Notfallstation.

Der Pfleger schlängelt sich rasch zwischen Kollegen, Ärzten und Patienten zum Zentrum der Notfallstation. «Am sogenannten Dashboard sind alle Patienten aufgelistet, es steht, in welchen Räumen sie untergebracht sind, wer für sie verantwortlich ist und welche Symptome sie haben», erklärt er. Automatisch desinfiziert er zum wiederholten Mal seine Hände und greift zum Telefon. Es wird schnell deutlich: Langweilig kann es dem Pfleger nicht werden. «Zeit, um müde zu werden, bleibt mir eigentlich nie», sagt er lachend.

Plötzlich geht ein Raunen durch die heiligen Hallen - so nennt Birnbacher die Notfallstation liebevoll. Irgendwo sei ein Chemieunfall passiert, meint eine Ärztin, Birnbacher ist in Alarmbereitschaft. Er spricht mit den Ärzten ab, welche Patienten verlegt werden können, damit neue Plätze frei werden. «Guten Abend, Sie dürfen die Nacht bei uns verbringen, ich werde Sie gleich verlegen», sagt Birnbacher zu einem Patienten. Die Kinder am Patientenbett verabschieden sich sichtlich von Ängsten geplagt von ihrem Vater. Gehen Birnbacher die Schicksale nicht nahe? «Natürlich», sagt dieser. Er könne aber Privates und Arbeit gut voneinander trennen.

In einer ruhigen Minute greift sich der Pfleger eine Flasche Wasser und gönnt sich eine Pause. Der gebürtige Deutsche erinnert sich an seinen ersten Tag in der Notallstation des KSB: «Ich war sehr nervös, ich musste mich an eine neue Umgebung und ein neues Team gewöhnen.» Sein Telefon klingelt erneut. «Das Arbeiten auf der Notfallstelle ist nicht für jeden gemacht», so Birnbacher. Tauschen möchte der Pfleger aber nicht.«Es läuft immer Etwas, man weiss nie, was als Nächstes auf einen zukommt.» Das sei für ihn das Reizvolle an seiner Arbeit.

Er blickt auf seine Uhr, die mittlerweile bereits 4 Uhr morgens anzeigt. Nach etlichen Infusionen und Blutabnahmen zieht der Pfleger ein Fazit: «Es war heute eher ruhig.» Das könne aber auch ganz anders aussehen. An manchen Wochenenden hätten sie vermehrt mit aggressiven Patienten zu tun. Aber auch das gehöre eben zu diesem Beruf, ist Birnbacher überzeugt.

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