Eigentlich ist alles gut: Amphibien und ihre menschlichen Freunde atmen auf – diesen Frühling waren auf dem Asphalt der Dättwilerstrasse keine zerquetschten Frösche mehr zu sehen. Sie springen neuerdings unter der Strasse hindurch. Problematisch ist dafür die Strassenoberfläche. Diese ist von schlechter Qualität und muss bereits saniert werden.

«Stadtauswärts, im Waldbereich, stellten wir wellenförmige Unebenheiten fest», sagt Andreas Graf, Projektleiter bei der Abteilung Tiefbau der Stadt Baden. Insbesondere die Busse würden auf der einen Hälfte der Dättwilerstrasse stark durchgeschüttelt. Aber auch Autofahrer spüren die unebene Strasse, insbesondere auf Höhe der Froschtunnels.

Die Stadt liess deshalb die Unebenheiten genau messen. Resultat: Die zugelassenen Toleranzwerte werden überschritten. «Es handelt sich um einen Garantiefall. Darum übernimmt die Strassenbau-Firma die Kosten», bestätigt Graf auf Anfrage der az. Das in der Region ansässige Unternehmen muss die oberste Schicht des Belags wegfräsen und durch einen neuen ersetzen. Die Bauarbeiten finden voraussichtlich in der ersten Hälfte der Sommerferien statt.

Bis dann haben sich die Amphibien im Dättwiler Weiher schon längstens eingerichtet. Sie nutzten diesen Frühling zum ersten Mal die sieben Froschtunnels.

Da die Strasse rund einen halben Meter höher ist als die Umgebung, gelangen die Amphibien gar nicht auf die im April fertiggestellte Strasse. Sie springen ihr entlang, bis sie einen der sieben Froschtunnels finden: die Herzstücke des neuen Amphibienleitwerks. Die Tunnels sind etwas höher als 30 Zentimeter.

Dank den Froschtunnels gelangen Erdkröten, Bergmolche und Co. sicher zum Dättwiler Weiher, wo sie sich während der Laichzeit vergnügen. Davor passieren sie aber das nächste Hindernis: Die Geleise zwischen Dättwilerstrasse und Weiher. Hier wurden aber schon vor längerer Zeit Lücken im Schotter eingerichtet, dank denen die Amphibien unter den Schienen einen Weg finden.

Jura und Mittelland vernetzt

«Den Tieren kann man nichts aufzwingen», sagt Georg Schoop, Leiter der Abteilung Stadtökologie bei der Stadt Baden. Deshalb freut er sich, dass das neue Amphibienleitwerk überhaupt funktioniert. «Wir haben jetzt den Jura und das Mittelland miteinander vernetzt», sagt Schoop.

Der Dättwiler Weiher, ein Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung, liegt genau zwischen den beiden Hügelketten – genauso wie die Bahngeleise, der Weiherweg, die Dättwiler- und die Mellingerstrasse. Dort steht seit 2004 ein Amphibienleitwerk.

Zeit der Strassensperrung vorbei

Vor dem Bau des Leitwerks an der Dättwilerstrasse liess die Abteilung Stadtökologie zur Laichzeit jeweils die ganze Strasse sperren. «Ohne Strassensperrung wäre es jeweils ein Massaker geworden», erklärt Georg Schoop. Die Sperrung nützte, war aber kein einfaches Unterfangen – vor allem weil sich die Amphibien nicht an den Kalender halten: «Menschen werden sauer, wenn die Strasse gesperrt ist, aber keine Amphibien darüber springen», so Schoop. Deshalb sei das Amphibienleitwerk für alle die bessere Lösung. Der einzige Negativpunkt der neuen Tunnels sei der Fahrbahnbelag darüber, sagt Georg Schoop.

Etwas teurer als geplant

Der Einwohnerrat beschloss den Bau des Amphibienleitwerks im Mai 2013 auf Antrag des Stadtrats. Der vorgesehene Kostenanteil betrug 324 000 Franken, jener des Kantons 265 000 Franken. Es kam etwas teurer: Die Stadt muss 350 000 Franken berappen.