Im Winter finden Obdachlose und Randständige nur schwer einen Schlafplatz. Im Aargau ist vor allem die Achse Baden/Brugg/Aarau/Zofingen betroffen. Hat es zu wenig Notbetten, weichen viele Randständige nach Zürich aus. Doch die Notschlafstellen-Betreiber im Raum Zürich sind in den letzten zwei Jahren sehr restriktiv geworden und weisen Obdachlose aus anderen Kantonen zurück.

Nun hat die Stadt Baden in Zusammenarbeit mit dem Verein für Notschlafstellen und der Stiftung Sozialwerke Pfarrer Sieber einen eigenen «Pfuusbus» organisiert.

Er wird beim Werkhof an der Mellingerstrasse stehen und ab Winter 2014/15 jeweils von Mitte November bis Mitte April geöffnet sein. Der Standort sei sinnvoll, weil er die beschriebene Achse gut abdecke, sagt die ehemalige Sozialvorsteherin Badens, Daniela Oehrli. Sie ist wesentlich am Projekt beteiligt.

Die Arbeitsgruppe will die rund 200 Gemeinden des Kantons in die Pflicht nehmen. Sie sollen insgesamt einen Beitrag von 50 000 bis 60 000 Franken leisten. Dafür können sie für ihre Obdachlosen bei Bedarf einen Platz im Bus reservieren. Per Gesetz sei jede Gemeinde verpflichtet, für ihre Obdachlosen zu sorgen.

«Das kann sehr schnell ins Geld gehen», sagt Oehrli. Deshalb sei der «Pfuusbus» eine gute Lösung. An der Informationsveranstaltung zeigten sich die Vertreter der Gemeinden allerdings leicht skeptisch: Sie hätten keine Obdachlosen zu betreuen, weshalb ihr Beitrag fraglich sei.

Bis Ende März sollen sie melden, ob sie sich am «Pfuusbus» beteiligen. Weiter soll der Swisslosfonds pro Jahr 100 000 Franken einschiessen. Das gilt für die ersten drei Jahre, denn so lange dauert der Pilotversuch. Noch fehlt die definitive Zusage für den Betrag. Der Entscheid fällt ebenfalls Ende März.

Die Gesamtkosten des Projekts betragen rund 440 000 Franken pro Jahr. Weitere Mittel sollen von Organisationen, Stiftungen, Sponsoren und Kirchengemeinden einfliessen.

Die Stiftung Sozialwerke Pfarrer Sieber wird das Projekt mit ihrem Know-how und dem bestehenden Netzwerk von Institutionen unterstützen. «Wir wollen für die Randständigen eine Anschlusslösung finden, wenn sie im ‹Pfuusbus› sind», sagt Gesamtstiftungsleiter Christoph Zingg. «Dank einer Wohnmöglichkeit finden viele von ihnen leichter in eine Tagesstruktur zurück.»

Den Bus selber wird der Verein für Notschlafstellen betreiben. André Ott, Präsident des Vereins, hat den Lastwagen mit seinem Team zum Bus ausgebaut. «Die Küche war ein Glücksgriff», sagt Ott. Eine wohlhabende Familie aus Schafisheim habe sich eine neue gekauft. Die alte bekam der Verein für 2000 Franken. «So teuer war ursprünglich allein die Abwaschmaschine der alten Luxusküche», sagt er.