Bluesfestival

Philipp Fankhauser rockt das Jubiläumskonzert «10 Jahre Bluesfestival»

Das Jubiläumskonzert «10 Jahre Bluesfestival» mit Philipp Fankhauser vom Samstagabend zählte nicht zur Sorte «Klein und Fein». Denn neben Fankhauser traten noch andere illustren Gäste auf, die das Publikum im Kurtheater begeisterten.

Nicht die träfen, herzlichen Dankesworte an die Adresse der Blues-Festival-Helfer, -Partner und Besucher waren es, die Susanne Slaviceks Freude am meisten zum Ausdruck brachte.

Es war ihr Blick von hinterm Vorhang auf die Kurtheaterbühne, den sie sich von Zeit zu Zeit gönnte. Und es war ihr Strahlen, als sie zusammen mit ihrem Bruder Thomas und ihrem Partner Roberto Amsler von Stadtammann Geri Müller geehrt wurde.

Was diese Familie als Kopf von Hundertschaften freiwilliger Helfer innert zehn Jahren für den Blues, ja für alle Livemusik-Freunde getan haben, ist einzigartig. Das Festival mag schiere Grösse zwar nicht anstreben, wie man betont.

Das Jubiläumskonzert mit Philipp Fankhauser vom Samstagabend zählte allerdings nicht zur Sorte «Klein und Fein». Superlative sind zur Bewertung höchst selten angebracht, dieser Abend hingegen hat ein solches rundum verdient: Genial!

Geschichten von Fankhauser

Kein Mucks war zu hören, als der Neo-Zürcher Blues-Star im brechend vollen Kurtheater erstmals vor Publikum die Saiten seiner brandneuen Gibson J200 anschlug, und die Geschichte dazu erzählte: «Elvis hat eine solche Gitarre gespielt. Was habe ich sie mir als Bub gewünscht, aber meine Mutter konnte sie sich nicht leisten . Also habe ich eine andere bekommen. Wenn meine Mutter jetzt nur dabei sein könnte.»

Solche Anekdoten, gediegener Humor, Stil und Hingabe an seine Musik machen Fankhauser eben doch sympathisch. Er wirke schon mal unnahbar und arrogant, hörte man. Spätestens seit seinem Engagement als Voice-of-Switzerland-Juror ist das nur üble Nachrede.

Sanft und akustisch bereitete Fankhauser sein Publikum auf einen Vier-Stunden-Abend vor: «Ziel ist es, dass ihr am Ende des Konzerts mindestens ebenso fertig seid, wie wir auf der Bühne».

Einer nach dem anderen seiner Mitmusiker holte er auf die Bühne und vervollständigte während der nächsten Stücke die kongeniale Band. Gleich an zweiter Stelle sein vielbejubelter «partner-in-crime», den Badener Tasten-Matador Hendrix Ackle.

Doch damit nicht genug: «Es wird Überraschungen geben», hatte Susan Slavicek versprochen, und die kamen im Viertelstundentakt: Iris Moné, Voice-of-Switzerland-Finalistin sang mit Fankhauser, Marc Sway erschien frenetisch begrüsst mit breitestem Grinsen und «keep on loosing my way» im Gepäck.

Und Lilly Martin liess ab den ersten Sekunden ihres Gastauftritts hören, warum sie sich vocal coach nennt: «You were never mine» fuhr mit sanfter Kraft direkt ein in die Bluesseelen im Kurtheater.

Live-Musik passt ins Kurtheater

Fankhauser zupfte seine Gibson als stilvoller Grandseigneur gewohnt unaufdringlich, liess seiner souveränen Combo viel Raum für Soli und (kaum als solche erkennbare) Improvisationen.

Schlicht grossartig, was Marco Jencarelli (Gitarre), Angus Thomas (Bass) und Tosho Yakkatokuo (Drums) im Zusammenspiel mit Hendrix Ackle an Präzision, Dynamik und Freude herausspielten. Noch aufgewertet wurde die Band durch den Saxofon-Solisten Thomi Geiger und für weiteren Lokalkolorit sorgte der Badener Bluesharper Jeff Siegrist.

Insbesondere im langen zweiten Teil gab es kein Halten, wenn Fankhauser mit all seinen Gästen loslegte und das längst stehende Publikum in unverhohlene Begeisterung versetzte.

Einmal mehr erstaunlich ausserdem, wie gut alte Live-Musik ins alte Kurtheater passt. Mitklatschen, Mitschnippen, ja sogar Tanzen auf den Treppen klappt ganz offensichtlich problemlos, und diese Stimmung hielt bis Mitternacht: Erst nach ausgedehntem Zugabenblock verabschiedeten sich die Musiker zum Feierabendbier. Wohlverdient.

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