Wettingen
Philosoph Ludwig Hasler: «Wir brauchen glückliche Lehrer und schlaue Eltern»

Der Philosoph Ludwig Hasler formulierte am Wettinger Neujahrsempfang drei Forderungen für eine gute Schule: 1. Sie braucht glückliche Lehrer; 2. Sie braucht schlaue Eltern und 3. Sie braucht ein Bildungssystem, das auf Können ausgerichtet ist.

Dieter Minder
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Prosit Neujahr im Festzelt auf dem Zentrumsplatz
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Neujahrsempfang in Wettingen
Die Zuhörer im Zelt auf dem Zentrumsplatz
Ludwig Hasler bei seiner Ansprache
Gemeindeammann Markus Dieth und Vizeammann Antoinette Eckert stossen auf das neue Jahr an
Heissi Marroni für die Neujahrsgäste
Frischer Glühwein

Prosit Neujahr im Festzelt auf dem Zentrumsplatz

Alex Spichale

«Die Schule soll nicht für die Schüler da sein, sondern die Schüler für die Schule», sagte Gemeindeammann Dieth. Er konnte am Neujahrsempfang der Gemeinde Wettingen rund 300 Personen auf dem Zentrumsplatz begrüssen. Dann ergänzte Dieth: «Diese Provokation soll zum Denken anregen.»

Konsequenterweise befasst sich Überraschungsgast Ludwig Hasler in seiner Ansprache mit dem schweizerischen Schulsystem. Ausgehend vom immer wieder geäusserten Satz «Trage Sorge zu Dir», stellte Hasler fest: «Wer sorge zu sicht trägt, verblödet und verweichlicht.» Er propagierte viel mehr das biblische Motto «Fürchtet Euch nicht.»

Ludwig Hasler

Ludwig Hasler, Jahrgang 1945, wohnt in Zollikon. Er hat an der Universität Zürich Physik und Philosophie studiert. Als Philosoph hat er an den Universitäten Bern und Zürich gelehrt, als Journalist war er Mitglied der Chefredaktion beim St. Galler Tagblatt und bei der Weltwoche. Seit 2001 ist er freier Publizist und Hochschuldozent.

In diesem Sinne verlangt er, dass die Jugend lernen müsse, sich auch in 30 Jahren zu bewähren. «Wir brauchen eine Jugend, die allwettertauglich ist.» Es reiche nicht, den Kindern nur Kompetenzen beizubringen, sie müssen damit auch etwas Schlaues anfangen können. Dabei seinen die Personen entscheidend. Der Lehrer soll ein Vorbild, ein Star der Schüler sein: «Er muss sich nicht in die Kinder hinein fühlen.»

Und ganz allgemein forderte er: «Es muss mehr über gute Lehrer gesprochen werden.» Den Lehrern wünscht er mehr Souveränität: «Auch gegenüber arroganten Eltern.»

Das Kind gehört nur sich selber

«Viele Eltern haben das Gefühl, das Kind gehöre ihnen, das ist falsch, das Kind gehört sich», betonte Hasler zur Forderung nach schlauen Eltern. Als Ausdruck der falsch verstandenen Betreuung nannte er die Elterntaxis zu den Schulen: «Das ist verfehlte Elternliebe.» Gerade auf dem Schulweg lerne das Kind, seine Umgebung zu erkunden. Die Eltern sollten dem Kind Aufgaben geben: «Wir müssen dem Kind zeigen, dass wir ihm etwas zutrauen.»

In dieser Richtung müsse das Bildungssystem entwickelt werden. Heute sei es zu sehr auf Sprachen ausgerichtet. Die Menschen seien auf der Welt, um zu handeln: «Dazu müssen wir etwas können.» Deshalb müsse das Bildungssystem mehr auf Können als auf Wissen konzentriert werden.