«Die Schule soll nicht für die Schüler da sein, sondern die Schüler für die Schule», sagte Gemeindeammann Dieth. Er konnte am Neujahrsempfang der Gemeinde Wettingen rund 300 Personen auf dem Zentrumsplatz begrüssen. Dann ergänzte Dieth: «Diese Provokation soll zum Denken anregen.»

Konsequenterweise befasst sich Überraschungsgast Ludwig Hasler in seiner Ansprache mit dem schweizerischen Schulsystem. Ausgehend vom immer wieder geäusserten Satz «Trage Sorge zu Dir», stellte Hasler fest: «Wer sorge zu sicht trägt, verblödet und verweichlicht.» Er propagierte viel mehr das biblische Motto «Fürchtet Euch nicht.»

In diesem Sinne verlangt er, dass die Jugend lernen müsse, sich auch in 30 Jahren zu bewähren. «Wir brauchen eine Jugend, die allwettertauglich ist.» Es reiche nicht, den Kindern nur Kompetenzen beizubringen, sie müssen damit auch etwas Schlaues anfangen können. Dabei seinen die Personen entscheidend. Der Lehrer soll ein Vorbild, ein Star der Schüler sein: «Er muss sich nicht in die Kinder hinein fühlen.»

Und ganz allgemein forderte er: «Es muss mehr über gute Lehrer gesprochen werden.» Den Lehrern wünscht er mehr Souveränität: «Auch gegenüber arroganten Eltern.»

Das Kind gehört nur sich selber

«Viele Eltern haben das Gefühl, das Kind gehöre ihnen, das ist falsch, das Kind gehört sich», betonte Hasler zur Forderung nach schlauen Eltern. Als Ausdruck der falsch verstandenen Betreuung nannte er die Elterntaxis zu den Schulen: «Das ist verfehlte Elternliebe.» Gerade auf dem Schulweg lerne das Kind, seine Umgebung zu erkunden. Die Eltern sollten dem Kind Aufgaben geben: «Wir müssen dem Kind zeigen, dass wir ihm etwas zutrauen.»

Ludwig Hasler spricht am Wettinger Neujahrspéro

Ludwig Hasler spricht am Wettinger Neujahrspéro

In dieser Richtung müsse das Bildungssystem entwickelt werden. Heute sei es zu sehr auf Sprachen ausgerichtet. Die Menschen seien auf der Welt, um zu handeln: «Dazu müssen wir etwas können.» Deshalb müsse das Bildungssystem mehr auf Können als auf Wissen konzentriert werden.