Baden

Philosoph Neyerlin im ThiK: Ich fühle und denke, also bin ich?

Roland Neyerlin im Gespräch mit Verena Cathomas.

Roland Neyerlin im Gespräch mit Verena Cathomas.

«Der Mensch ist ein fühlendes Wesen», dieser Satz wird von Roland Neyerlin abermals zu hören sein. Obzwar man von einem Philosophen wie Neyerlin annimmt, dass er eher ein denkendes Wesen sei.

Im ThiK sprach Roland Neyerlin mit einem engagierten Publikum über Vernunft und Emotion.

Vor sich ein Glas Wasser sitzt der bärtige Mann geruhsam auf seinem Stuhl, lässt die Fragen der Moderatorin Verena Cathomas auf sich wirken, denkt und antwortet bedächtig. Er spricht ein unverkennbares Schweizer Hochdeutsch, dann und wann gespickt mit dem Schlusswort «oder».

Keine Grabenkämpfe

Die Erklärung lässt nicht lange auf sich warten: Denken und Fühlen gehören eben doch zusammen, auch wenn sie nicht das Gleiche sind. Dass die Berge da sind, erklärt das Denken, dass sie schön sind, besagt das subjektive Gefühl. «Ohne Fühlen wäre Denken langweilig», fasst Neyerlin zusammen. Er wehrt sich gegen Grabenkämpfe zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ebenso wie gegen geschlechterspezifisches Zuschreiben, also das Klischee, die Frau könne fühlen, der Mann denken.

Am Ende geht es um Wahrheitssuche. Die Dinge per se zu erkennen, erlaubt das gefühllose Denken. Dem Denken sind jedoch Grenzen gesetzt - hier spricht auch der Theologe Neyerlin. Und er zitiert Martin Heidegger: Man denke immer gestimmt, will heissen, der rationale Gedanke gedeiht auf einer Emotion. Kurzum: Der Mensch findet keine Wahrheit.

Publikum mischt sich ein

Die Zuschauer mögen nicht mehr schweigend zuhören. Nach nur gut einer halben Stunde wird die erste Stimme laut. Jemand mahnt, die Realität nicht aus den Augen zu verlieren: «Wir Menschen sind lediglich eine evolutionäre Konsequenz. Dass wir gleichzeitig denken und fühlen, ist logisch». Neyerlin zeigte Verständnis für die vielen, teils aufgebrachten, durchwegs interessanten Fragen und schloss mit der Erkenntnis: «Denken im Kollektiv ist besser, weil es angenehmer ist, sich zusammen den Teppich unter den Füssen wegzuziehen.»

Zu wenig Zeit

Die nächtliche PhiloThik gab vielerlei Denkanstösse - und Gefühlsanstösse. Angesichts des Zeitrahmens war Tiefgang nur beschränkt möglich. Etwa die Publikumsfrage, welche Rolle Denken und Fühlen in der demokratischen Politik spielen würden, blieb ungeklärt. So bleibt den Interessierten, Roland Neyerlin am 3. März wieder im ThiK besuchen.

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