PhotoSchweiz
Grösste Werkschau der Schweiz: Fotograf aus der Region Baden zeigt das alte Thermalbad als mystische Zwischenwelt

15 Aargauer Fotografinnen und Fotografen stellen ihre Werke derzeit an der «PhotoSchweiz» aus. Zwei von ihnen: Ivo Stalder und Tanja Funk. Sie erzählen, was sie an der Fotografie fasziniert.

Sarah Kunz
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Die diesjährige Edition der «PhotoSchweiz» findet noch bis Sonntag in der Halle 550 in Oerlikon statt. Mit dabei: 15 Aargauer Fotografen.

Die diesjährige Edition der «PhotoSchweiz» findet noch bis Sonntag in der Halle 550 in Oerlikon statt. Mit dabei: 15 Aargauer Fotografen.

ZVG/«PhotoSchweiz»

Weisse, sterile Kacheln, braunes, billiges Holzimitat, abgeblätterte Schriftzüge und schmutzige Böden. Das alte Thermalbad dürfte wohl jeder Badenerin und jedem Badener bekannt sein – selbst wenn es mittlerweile für den Bau des neuen «Fortyseven» weichen musste. Der historische Ort lebt jedoch weiter. Und zwar in den Fotos von Ivo Stalder, die noch bis zum Sonntag an der Sommerausgabe der «PhotoSchweiz» in der Halle 550 in Oerlikon ausgestellt. An der grössten Werkschau für Fotografie der Schweiz zeigen 200 Ausstellende ihre Werke – mit dabei sind in diesem Jahr auch 15 Aargauerinnen und Aargauer.

Einer von ihnen ist eben Ivo Stalder. Von Anfang an stellt er klar: «Ich stehe lieber hinter der Kamera als vor der Kamera.» Will heissen, dass Stalder statt über sich lieber seine Bilder sprechen lassen will. Wenn er jedoch über die Fotografie redet, tut er das schnell, enthusiastisch und voller Leidenschaft. Stalder fotografiert, seit ihm sein Vater zum 14. Geburtstag eine vollmechanische Kamera geschenkt hat. «Im ersten Moment eine Enttäuschung», sagt er und lacht. «Ich habe mir nämlich weitere Loks oder Waggons für meine Modelleisenbahn gewünscht.»

Faszination für Geschichte und Architektur vereint

Schnell merkt er aber, das Geschenk zu schätzen und realisiert, dass er in seinem Alltag überall fotografische Muster und Motive entdeckt. «Ich bin ein Mensch, der stark optisch funktioniert», sagt der promovierte Physiker aus der Region Baden. «Die technisch-analytische Herangehensweise meines Berufs spiegelt sich in meinen Werken.» Stalder fotografiert keine Models, stellt seine Motive nicht bewusst in eine bestimmte Konstellation. Er beobachtet, findet den perfekten Winkel, drückt den Auslöser. Dokumentarisch darstellend nennt er seine Bilder deshalb.

Ivo Stalder fotografierte das alte Thermalbad im Jahr 2017. Damals war es zwar stillgelegt und verlassen, aber noch nicht rückgebaut.

Ivo Stalder fotografierte das alte Thermalbad im Jahr 2017. Damals war es zwar stillgelegt und verlassen, aber noch nicht rückgebaut.

Ivo Stalder/Aussteller «PhotoSchweiz»

2017, als die Fotos des alten Thermalbads entstanden, traf Stalder laut eigenen Aussagen auf eine seit Jahren schlummernde, geheimnisvolle Zwischenwelt – zwar stillgelegt und verlassen, aber nicht rückgebaut. Stalder sagt:

«Diese geheimnisvolle Zwischenwelt macht nebst dem architektonischen und historischen Aspekt den besonderen Reiz aus.»

Er vermutet, dass nebst der Qualität seiner Bilder auch deren Aktualität dazu beigetragen haben, dass er nun an der Werkschau mit dabei sein darf.

«Ich kenne die Ausstellung seit zehn Jahren», sagt Stalder. «Dass ich jetzt selbst ein Teil davon bin, macht mich sehr stolz.» Die Werkschau zeige das gesamte Spektrum der Fotografie über die verschiedensten Bereiche hinweg. Und genau deshalb könne die Ausstellung für angehende Fotografinnen und Fotografen die grösstmögliche Inspiration liefern. Stalder hofft nun, dass die Teilnahme die eine oder andere Türe für weitere Projekte öffnen werde.

Stalder hat das alte Thermalbad in Baden als sogenannten Lost Place – also verlorenen Ort betrachtet.

Stalder hat das alte Thermalbad in Baden als sogenannten Lost Place – also verlorenen Ort betrachtet.

Ivo Stalder/Aussteller PhotoSchweiz

Corona brachte Fotografin näher an die Natur heran

Eine weitere der 15 ausstellenden Aargauerinnen und Aargauer ist Tanja Funk. Turgemerin, 65 Jahre alt, früher Redaktorin und seit Jahrzehnten hobbymässige Fotografin. «Ich fotografiere seit meiner Kindheit», sagt sie.

Tanja Funk an der «PhotoSchweiz».

Tanja Funk an der «PhotoSchweiz».

ZVG
«Generell fasziniert mich, dass man damit einen bestimmten Moment oder eine bildhafte Idee für eine kleine Ewigkeit einfrieren kann.»

Vor allem das Werden, Aufblühen und Vergehen von Pflanzen zu beobachten und festzuhalten hat es ihr angetan.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 sah Funk deshalb nicht die überfüllten Spitäler, nicht die zur Ruhe gekommenen Städte oder die leergehamsterten Regale. Funk sah ihren Garten und bemerkte: Die Natur kümmert sich überhaupt nicht um Corona. «Alles spriesste und blühte», sagt die Fotografin. Da nahm sie fast jeden Tag ihre kleine Canon zur Hand und ging ganz nah heran. «Je länger ich mit der Kamera zuschaute, desto faszinierter war ich von der unbekümmerten Farbenpracht und Formvielfalt.»

So entstand eine Fotoserie von Tulpen, Küchenschellen, Unkraut, Gräsern und Blüten. Funk arbeitet mit verschiedenen Schärfestufen, lässt das Licht durch die filigranen Blütenblätter scheinen und kreiert so eine bewusste Komposition von Farben. Diese Bilder sind jetzt in der Halle 550 ausgestellt. «Das ist schon etwas Spezielles für mich», sagt Funk. «Zuvor habe ich noch nie an einer Fotoausstellung teilgenommen.» Konkrete Erwartungen habe sie nicht, sie sei höchstens gespannt, ob jemand eines ihrer Werke kauft.

Eines der Detailbilder aus der Fotoserie von Tanja Funk. Während des ersten Lockdowns ging sie ganz nah an die Natur heran.

Eines der Detailbilder aus der Fotoserie von Tanja Funk. Während des ersten Lockdowns ging sie ganz nah an die Natur heran.

Tanja Funk/Ausstellerin PhotoSchweiz