Baden
Pianist Rossano Sportiello verbindet Jazz mit Romantik

Sextett «Rossano Sportiello & His Int. Swingers» hat das Publikum in der BBB-Aula überzeugt. Luftig und transparent entstanden zahlreiche Improvisationen zwischen Stride und Bebop.

Jürg Blunschi
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Sängerin Sandy Patton (Mitte) vermischt traditionellen Jazzgesang und Slam Poetry. Julien Gründisch

Sängerin Sandy Patton (Mitte) vermischt traditionellen Jazzgesang und Slam Poetry. Julien Gründisch

Das letzte Weihnachtskonzert von «Jazz in der Aula» ist vorbei. Und im November 2014 wird nach 50 Jahren die Konzertreihe, die das reiche Badener Jazzleben initiiert hat, selbst zu Ende gehen. Bezeichnend für die jahrzehntelange Treue vieler seiner Helfer verabschiedete Veranstalter Arild Wideröe den Klavierstimmer Bob van Kerkwijk. Er hatte während 47 Jahren unzähligen grossen Pianisten ein perfekt gestimmtes Instrument zur Verfügung gestellt.

Internationales Sextett

Für das sonntägliche Konzert in der BBB-Aula Baden hatte sich ein multinationales Sextett formiert unter der Leitung des italienischen Pianisten Rossano Sportiello. Aus Holland kamen die Bläser Menno Daams (Trompete) und Frank Roberscheuten (Alt-, Tenorsaxofon, Klarinette). An Bass und Schlagzeug wirkten die beiden Schweizer Thomas Dürst und Elmar Frey. Die amerikanische Sängerin Sandy Patton, die seit langem in der Schweiz lebt, darf man unserer nationalen Jazzszene zurechnen. Sie betrat mit dem «A-Train» und wirbligem Scat-Gesang die Bühne, um danach im Duo mit Bassist Thomas Dürst eine stille, in sich gekehrte Seite zu öffnen. In «Ain’t Misbehavin’» kam die theatralische Sandy zum Vorschein, die traditionellen Jazzgesang und Slam Poetry zusammenmischte.

Mag sein, dass zugunsten Pattons die beiden Bläsersolisten zu kurz kamen. Oft traten sie nur mit untermalenden Begleitmelodien in Erscheinung. Vom Saxofonisten Frank Roberscheuten gab es auf dem Tenor nur wenige repräsentative Chorusse zu hören. Sein eindrücklicher Soloauftritt war ein Duo mit dem Pianisten in «Day Dream», als er, auf dem Alto-Instrument, mit schlankem Ton in der glissando-bestimmten Art eines Johnny Hodges ein beseeltes Solo spielte.

Die grosse Solonummer für Menno Daams waren die «Pennies From Heaven». Daams entpuppte sich als ganz feiner Swing-Trompeter mit leichtem, warmem Ton, einem dezenten Vibrato und geradlinigen, unkomplizierten doch fantasiereichen Soli.

Luftige Improvisationen

Pianist Rossano Sportiello amtete auch als Ad-hoc-Arrangeur. Luftig und transparent entstanden seine Improvisationen aus einem Konglomerat der Pianostile zwischen Stride und Bebop. In zwei Solostücken breitete er sein ganzes Können aus, darunter Bernsteins «Lucky To Be Me», das übergangslos in eine der «Consolations» von Franz Liszt mündete: eine unwirkliche, schemenhafte, verzaubernde Verschmelzung von Jazz und Romantik. Die beiden Rhythmiker Thomas Dürst und Elmar Frey spielten, wie man es von ihnen kennt: Bassist Dürst mit rollendem, gewaltigem Ton und hochmelodischen Soli, Schlagzeuger Frey die Truppe vor sich herswingend und so unauffällig wie wirkungsvoll untermalend und akzentuierend.

Weihnachtskonzert? Natürlich, «White Christmas» fehlte noch neben dem leuchtenden Christbaum. Doch erst nach der Encore «Route 66» entliess das Publikum die Band.