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Pick-Poststellen: Der Kunde wird zum «Postangestellten»

Stetten und Baden-Rütihof verlieren ihren Postschalter – doch das bringt auch Chancen mit sich

Carla Stampfli
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Die Poststellenstandorte werden in der Region Baden weniger (Symbolbild).

Die Poststellenstandorte werden in der Region Baden weniger (Symbolbild).

Keystone/GAETAN BALLY

Die Post geht ab – wortwörtlich: Drohnen, die Pakete in abgelegene Gebiete bringen sollen. Intelligente Briefkästen, die sich mit einer mobilen App steuern lassen. Während die Schweizerische Post den Einsatz von Drohnen bereits im vergangenen Sommer getestet hat, startet der Pilotversuch für den elektronisch gesteuerten Hausbriefkasten im März, wie die «Handelszeitung» am Mittwoch publik machte. Der Wandel der Post im traditionellen Sinn ist in vollem Gange: Neue Produkte und Verkaufsformate werden lanciert.

Auch im Bezirk Baden kommt es zu Veränderungen. In Stetten und in Baden-Rütihof werden in Kürze die Poststellen geschlossen. Stattdessen werden im März eine Postagentur im Dorfladen Volg und eine weitere in der Filiale von Spar eröffnet. Nachdem bereits Ende Oktober der Schalter in Bellikon aufgehoben wurde, geht das Poststellen-Sterben auch im neuen Jahr weiter.

Mitarbeiter verlieren Stelle nicht
In den Agenturen sollen künftig alle gängigen Postgeschäfte möglich sein. Grösster Unterschied: Kunden wägen und frankieren ihre Sendungen an einem Automaten selber – und bezahlen an der Ladenkasse. Wer nicht weiterkommt, dem hilft das Verkaufspersonal weiter. Die Mitarbeitenden des Postschalters in Stetten und Rütihof verlieren ihre Arbeit nicht, sie werden in Poststellen in der Umgebung weiterbeschäftigt.

Dass sich die Anzahl Poststellen auch in Zukunft reduzieren wird, ist nicht auszuschliessen. Denn: Die Nachfrage nach Postdienstleistungen sinkt stetig. So transportierte der gelbe Riese seit der Jahrtausendwende 43 Prozent weniger Paktete und 67 Prozent weniger Briefe. Vor allem die veränderten Lebensgewohnheiten zwingen die Post dazu, neue Wege einzuschlagen. Doch auch die digitalen Errungenschaften wie E-Mails, SMS und E-Banking beeinflussen die Tätigkeit der Post.

Am Anfang war Skepsis da
Als der Dorfverein Rütihof über die Schliessung des Postschalters informiert worden ist, sei man im ersten Moment skeptisch gewesen, sagt Präsident Daniel Schneider. «Denn damit geht auch ein Stück Dorfidentität verloren. Genauso, wie wenn Läden oder Restaurants schliessen.» In den Gesprächen mit den Verantwortlichen habe man aber gemerkt, dass man von einer Postagentur auch profitieren kann: zum Beispiel von längeren Betriebszeiten.

Dasselbe sagte Stettens Vize-Gemeindeammann Barbara Fischer im Oktober 2015 gegenüber der az: «Erweiterte Öffnungszeiten werden vor allem für Berufstätige von Vorteil sein.» Für den Präsidenten des Dorfvereins Rütihof war wichtig, dass gewisse Dienste weiterhin angeboten würden. Daniel Schneider ist mit der Lösung «Post im Dorfladen» zufrieden. «Ob sie sich bewährt, wird sich zeigen», sagt er.

Drei neue Pick-Post-Stellen
Mit der Aufhebung der Postschalter in Stetten und Baden-Rütihof schrumpft deren Anzahl im Bezirk auf 22, wie ein Blick auf die Grafik zeigt (Stand: 1.1.16). Baden wird künftig mit drei Poststellen gleich auf mit Wettingen liegen. Zwar werden mancherorts die Schalter geschlossen, doch wird das Angebot in einigen Gemeinden auch erweitert.

So gibt es seit Februar an den Bahnhöfen von Killwangen-Spreitenbach, Turgi und Wettingen neu eine Pick-Post-Stelle, bei der Kunden private Sendungen abholen können. In Wettingen soll im Frühling zudem eine Paketstation zu stehen kommen, wo Pakete und eingeschriebene Briefe rund um die Uhr aufgegeben und empfangen werden können.

Im ganzen Wandel hat Ennetbaden das Nachsehen – als einzige Gemeinde im Bezirk: Seit 2005 der Postschalter geschlossen wurde, stehen im Dorf nur noch Briefeinwürfe. Dabei wird es wohl bleiben. Denn: «Die Bevölkerung von Ennetbaden hat in unmittelbarer Nähe Angebote zur Verfügung», sagt Markus Flückiger, Kommunikationsverantwortlicher Postnetz Mitte.

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