Badener Schlossruine
Pierre Mollet kontert Denkmalpflege – und präsentiert sein Utopia

Pierre Mollet sorgte über die Festtage mit der Idee des Wiederaufbaus der Schlossruine Stein für Gesprächsstoff. Der Ideengeber kontert die Bedenken des Bundesamts für Kultur. Er erzählt vom fiktiven Schloss 2025.

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Badener Schloss Stein soll wieder aufgebaut werden
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Das im Historischen Museum stehende Modell des Schlosses Stein, wie es sich vor seiner Zerstörung im Jahre 1712 aus Richtung Zürich präsentierte.
Das im Historischen Museum stehende Modell des Schlosses Stein, wie es sich vor seiner Zerstörung im Jahre 1712 aus Richtung Zürich präsentierte.

Badener Schloss Stein soll wieder aufgebaut werden

Elia Diehl

In der gestrigen Ausgabe dann der Dämpfer: Das Bundesamt für Kultur hält wenig von der Idee, «da historische Rekonstruktionen immer bedenklich sind.» Pierre Mollet kontert in einer Replik: «Ich finde, es wäre die Angelegenheit der Badener oder des Kantons über das Projekt Schloss Stein zu befinden.»

Überhaupt sei dahingestellt, ob Experten die besten Lösungen realisieren würden. «Die Rekonstruktion der Luzerner Kapellbrücke ist ein typisches Beispiel. Sie wurde in den sechziger Jahren komplett demontiert», so Mollet. «Es standen nur noch die Pfeiler; es war ein weltweiter PR-Gag für das vernichtete Denkmal.» Und obwohl es wieder neu aufgebaut wurde, sei die Authentizität wieder bildhaft hergestellt worden.

Eine fiktive Rückblende

Pierre Mollet hat eine (fiktive) Rückblende geschrieben, wie er sie in rund zehn Jahren gerne schreiben würde: «Badener, Heimweh-Badener und Begeisterte leben und wohnen auf dem Schloss. Die Meisten arbeiten auch hier. Es war ein langer Weg des Engagements: Gewerbetreibende sorgten mit gehaltvollen Restaurants, kleinen Handwerksbetrieben, IT-Heimbüros und Läden für Stimmung ohne Rummel. Historiker erwirkten eine Präsentation mit einem Interaktions-Museum. Kunstschaffende betreiben eine Galerie, bespielen ein Theater und lassen Musik erschallen.

Besucher besteigen in der Tunnelgarage eine Glaskuppelbahn, tauchen auf inmitten des Burgplatzes. Beim Bummeln staunen sie, wie der ehemalige Projektwettbewerb der ETH Licht in alle alten Gemäuer brachte. Doch das Erstaunlichste erleben sie, wenn sie vom «Känzeli» herabschauen auf die «Piazza Insalata». Die 2019 fertiggestellte Verkehrsebene wurde überdacht und sie sehen dort Leute flanieren in einem «Insel-Park mit Gartenbeizen und «No risk no fun»-Spielplätzen.

Alsbald werden sie von Bewohnern in Gespräche verwickelt, welche erklären, wie sie ihre Bedenken in positive Energie umwandelten. ‹Mein erster Kuss auf der Ruine wurde berücksichtigt, indem ein Teil der Burg als Garden Eden belassen wurde.› Oder: ‹Meine Befürchtung, es entstehe ein Rummelplatz, überwand ich, indem ich beschloss, selber hier zu leben und mich für ein geruhsames Leben einzusetzen.› Oder: ‹Ich überzeugte Gegner, dass sie wenigstens andere nicht behindern sollen, ihren Weg zu gehen.› Und: Der einstmalige Rücktritt des ganzen Stadtrats sei als löbliche Einsicht verstanden worden, weil es die nachhaltige, identitätsfördernde Entwicklung ermöglicht habe.

Das finanzielle Risiko wendete sich zu einer Erfolgsgeschichte. Es entstanden neue Arbeitsplätze. Stadtplaner, Marketingleute und Tourismusbeauftragte besuchten Zukunfts-Seminare auf dem Schloss. Die Stadt profitierte von Anerkennung, Steuern konnten gesenkt werden und die International School fand zurück ins Schloss. Baden und der Kanton wollen die ganze Anlage vom Hauptinvestor Ellsworth zurückkaufen.» (mru)